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QWIEN im Jahr 2011

Seit 2007 arbeitet QWIEN – Zentrum für schwul/lesbische Kultur und Geschichte am Aufbau eines Archivs und einer Bibliothek für die Geschichte von Schwulen und Lesben in Wien. Damit steht ForscherInnen eine Dokumentationsstelle mit in Österreich einzigartigen oder anderweitig schwer zugänglichen Materialien zur Verfügung. Schwerpunkt der eigenen Forschungstätigkeit ist die Verfolgung von Schwulen und Lesben in der NS-Zeit. Daneben ist aber die Verankerung schwul/lesbischer Geschichte in der historischen Erzählung über Wien seit jeher ein besonderes Anliegen von QWIEN, die regelmäßigen Stadtspaziergänge von QWIEN dienen zur Popularisierung der verschütteteten und verdrängten Geschichte homosexueller WienerInnen. Im Jahr 2011 wurden folgende Projekte umgesetzt: 1. Forschungspraktikum am Institut für Wirtschafts- und Sozialgeschichte Thema: Homosexualität und Strafrecht in Österreich 1933-1945: Historische und identitätsgeschichtliche Fragestellungen anhand von erhaltenen Strafakten Im Herbst/Winter-Semester 2011/12 hielt QWIEN mit einem Archivpraktikum die erste Lehrveranstaltung am Institut für Geschichte der Universität Wien ab, die sich mit dem Schicksal von Homosexuellen in der NS-Zeit auseinandersetzte. „Homosexualität und Strafrecht in Österreich 1933-1945: Historische und identitätsgeschichtliche Fragestellungen anhand von erhaltenen Strafakten“, so der Titel der Lehrveranstaltung, widmete sich dieser bislang in der akademischen Forschung in Österreich wenig beachteten Opfergruppe der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft. Die Lehrveranstaltung war ein erster Schritt zu einer Grundlagenforschung, die Klarheit in diese nur bruchstückhaft aufgearbeitete Vergangenheit bringen soll. [caption id="attachment_1350" align="alignright" width="430"] Ausschnitt aus einem Leumundszeugnis (WStLA)[/caption] Die Analyse erhaltener Strafakten aus den Beständen des Wiener Stadt- und Landesarchivs waren die Ausgangsbasis für die Erforschung individueller Schicksale, die Funktion und Arbeitsweise der Verfolgungsinstanzen, identitätsgeschichtlicher Fragestellungen sowie die Behandlung schwul/lesbischer Opfer in der Nachkriegszeit. Da die Studierenden auch in den Räumlichkeiten von QWIEN betreut wurden, wurden im Sommer die Räumlichkeiten für diese baulich adaptiert – Schaffung von Arbeitsplätzen, neue Archivregale, neuer zentraler Computerarbeitsplatz. 2. Sonderprojekt Wieden800 Das erste Halbjahr 2011 stand ganz im Zeichen des Sonderprojekts Wieden800, für das vor allem Andreas Brunner als hauptverantwortlicher Autor und Guido Prodinger als Assistent der Produktion tätig waren. Die Erstellung des aufwändig gestalteten 100-seitigen Magazins wurde mit Mitteln aus dem Bezirksbudget finanziert, der Druck wurde mit Inseraten frei finanziert. Selbstverständlich war unser Kernthema (schwul/lesbische Geschichte) auch Teil des Projekts Wieden800, aber wie es unser grundsätzliches Anliegen ist, als Teil einer breiten Darstellung von Stadtgeschichte. Nur über die Einbettung in die Geschichte der Stadt Wien lässt sich schwul/lesbische Geschichte wahrhaftig erzählen. Mit dem Projekt Wieden800 ist es Zentrum QWIEN gelungen sich als Organisation im Bezirk vorzustellen und als Forschungsstelle für die Geschichte der Stadt Wien zu etablieren. Das Projekt wurde zusätzlich zur allgemeinen Tätigkeit von QWIEN finanziert und durchgeführt. Das 100-seitige Magazin und die Spaziergänge gibt es auch online: www.wieden800.at 3. Weitere Forschungsvorhaben – Verdrängtes Unrecht II Die Fortsetzung des bereits 2008 begonnen Projekts Verdrängtes Unrecht, bei dem – mitfinanziert vom Nationalfonds für die Opfer des Nationalsozialismus – die Verfolgung von Schwulen und Lesben ab 1938 im Zentrum steht. Der 2. Teil des Forschungsprojekts, stellt exemplarische schwul/lesbische Schicksale in der NS-Zeit ins Zentrum. Fertigstellung: Frühjahr 2012. – Geförderte Projekte aus dem Queeren Kleinprojektetopf Zentrum QWIEN stellt seine Infrastruktur ForscherInnen zur Verfügung, die aus dem Queeren Kleinprojektetopf gefördert wurden: * Queer Bodies – Körper Abseits der Norm: Veranstaltungen im Herbst 2011, Abschlussbericht Frühjahr 2012 (Projekteverantwortliche: Sara Ablinger) * Auch das war Dorothea Neff. Lesbische Solidarität in der NS-Zeit: Veranstaltungen im Herbst 2011 (Projektverantwortliche: Ines Rieder) * Evaluation des aktuellen Forschungsstandes (2011) „Gewalt unter männlichen Homosexuellen“: Durchführung Herbst 2011/Winter 2012, Abschlussbericht Frühjahr 2012 (Projektverantwortlicher: Joachim Losehand) [caption id="attachment_1354" align="alignright" width="183"] Ein Porträt des schwulen Bruders von Kaiser Franz Joseph, Erzherzog Ludwig Viktor, das uns von einem Sammler zur Verfügung gestellt wurde.[/caption] – Teilnahme an der Österreichischen Männertagung in Graz Leitthema Diversität von Männlichkeit – Teilnahme an der Fachkonferenz Regenbogenfamilien – Kinder in gleichgeschlechtlichen Familien. Herausforderungen und mögliche Wege für Gesellschaft, Pädagogik und Community veranstaltet von der Wiener Antidiskriminierungsstelle für gleichgeschlechtliche Lebensweisen. – Eine Veranstaltung fällt jährlich etwas aus unserem wissenschaftlichen Rahmen: Bereits zum dritten Mal präsentierte QWIEN einen Film auf dem Filmfestival für Menschenrechte THIS HUMAN WORLD. Diesmal stand mit Rosa von Praunheims Dokumentation Rent Boys/Die Jungs von Bahnhof Zoo der männliche Körper als Ware im Mittelpunkt, sehr angeregt war daher nach ausverkaufter Vorstellung im Schikaneder Kino auch die nachfolgende Diskussion. 4. Stadtspaziergänge Neben regelmäßigen Spaziergängen zum Schicksal von Schwulen und Lesben in der NS-Zeit, erkundete QWIEN Guide 2011 auch den Zentralfriedhof und die innerstädtischen Bezirke um den Naschmarkt. Seit 2009 finden im Juni an der Universität Wien Regenbogenführungen statt, die sich bei unterschiedlichen Schwerpunktsetzungen (Strafrechtsgeschichte, Medizingeschichte) mit Homosexualität und Wissenschaft auseinandersetzen. Im Juli 2011 brachte die ORF Sendung Sommerzeit einen Bericht über die schwul/lesbischen Stadtführungen von QWIEN Guide. Unter folgendem Link ist der Beitrag zu sehen. 5. Archiv und Bibliothek Im Jahr 2011 konnten von QWIEN Archiv eine Reihe von kleineren und größeren privaten Schenkungen übernommen aber auch wichtige Ankäufe für die wissenschaftliche Bibliothek getätigt werden. Mit einer Sonderförderung des Bundesministerium für Arbeit, Soziales und KonsumentInnenschutz konnten wichtige Werke der aktuellen sozialwissenschaftlichen Forschung über Homo- und Transsexualität angekauft werden. Ein arbeitsintensiver Teil unserer Tätigkeit ist die Aufnahme unserer Bestände in die Datenbank von QWIEN. Die Recherche ist zur Zeit nur vor Ort möglich, eine Onlineversion unseres Katalogs ist allerdings geplant. Daneben beginnen wir mit der Digitalisierung wichtiger schwul/lesbischer Medien wie den Lambda Nachrichten, die 2012 zur Volltextrecherche zur Verfügung stehen sollen. 6. Website Seit März 2011 ist die neue Website www.qwien.at online. Neben Rezensionen aktueller Erwerbungen für unsere Bibliothek informieren wir auf unserer Website über eigene Veranstaltungen und wichtige kulturelle Ereignisse.]]>

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