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Mysterium des Geschlechtes

In zwei Retrospektiven zeigt das Filmarchiv Austria im wunderschönen Saal des Wiener Metrokinos eine Reihe spannender Filme zum Thema Sexualität und Pornografie. Darunter die Wiederentdeckung eines österreichischen Films aus dem Jahr 1933: Mysterium des Geschlechtes. Ende Jänner 1933 warb ein Filmverleih in großen Anzeigen für Mysterium des Geschlechtes, einen „Großfilm der Sexualforschung“, der unter „Mitarbeit hervorragender medizinischer Kapazitäten“ in „interessanter und dezenter Form […] sexuelle Probleme (Geschlechtsänderung)“ behandelt. Im April des Jahres 1933 lief der Film etwa zwei Wochen in Wiener Kinos, bevor er verboten wurde. Das Filmarchiv Austria hat den Film wieder entdeckt und präsentiert ihn eingeleitet durch einen Vortrag von Andreas Brunner (QWIEN). [caption id="attachment_3753" align="alignleft" width="300"]Foto (c) Filmarchiv Austria Foto (c) Filmarchiv Austria[/caption] Der Film ist eine krude Mischung aus Spiel- und medizinischem Dokumentarfilm. Eine Medizinstudentin (Renate Lansky) und ihr Kollege (der spätere Burgtheater-Schauspieler und Spitzel sowohl des austrofaschistischen als auch des nationalsozialistischen Regimes Otto Hartmann) bereiten sich auf die abschließenden Prüfungen vor und beschäftigen sich dabei mit den „interessantesten Fragen der Sexualwissenschaft“ und „modernen Methoden der Chirurgie“ – und kommen sich dabei auch zwischenmenschlich näher. Die farblosen Spielszenen mit hölzernen Dialogen dienen als Verbindungsglieder zwischen detailgenauen Dokumentarszenen über operative Geschlechtsumwandlungen und Verjüngungsoperationen durch Verpflanzung von Hodenmaterial. Auch eugenische Fragen und der Einfluss von kranken Eltern auf die Nachkommen und Maßnahmen der Geburtenkontrolle werden ausführlich dargestellt. Gleich zu Beginn des Films besucht das Paar „ein eigenartiges Lokal“, wie es in einer Vorstellung des Films in der Österreichischen Film-Zeitung heißt, „wo sich ihnen die Gelegenheit bietet, sexuell abnormale Menschen in ihrem eigenen Milieu zu studieren“. Die Szenen in diesem nicht benannten Lokal für homosexuelle Männer und Frauen unterscheiden sich sowohl von der Darstellung als auch der filmischen Qualität deutlich vom Rest des Films. Es wird ein erstaunlich breites Spektrum an zeitgenössischen Typen männlicher und weiblicher Homosexueller gezeigt, auch wenn in diesen Szenen die grundsätzliche Ablehnung gleichgeschlechtlichen Begehrens unwidersprochen bleibt. Die tanzenden Männer und Frauen wirken überraschend „real“, wie beispielsweise die Show-Einlage eines Transvestiten, die von einer pathetischen Verwandlungsszene abgeschlossen wird. Auch wenn der Film aufgrund seiner Operationsszenen an Geschlechtsorgangen und auch wegen seiner pathologischen Sicht von Trans- und Homosexualität heute abstoßend wirkt, ist er ein interessantes Fundstück zur Geschichte von Trans- und Homosexuellen in Österreich. metrofaa_logo_klein-schwarzPräsentation und Vortrag: Mysterium des Geschlechtes Samstag 24. September, 19.00 Uhr Metrokino, Johannesgasse 4, 1010 Wien Zum Programm der beiden Programmschiene, die weitere interessante queere Filme zeigen: Porn Sensations: http://filmarchiv.at/programmschiene/porn-sensations/ Sex im Wien: http://filmarchiv.at/programmschiene/sex-in-wien/]]>

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