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Historiker*innen-Tagung in Wien

Am 3. November findet die alljährliche Tagung des Fachverbands Homosexualität und Geschichte in Wien statt.

Der seit 1992 bestehende Fachverband von Historiker*innen und an der Geschichte der Homosexualitäten Interessierten tagt nach 2012 zum zweiten Mal in Wien. Abermals wird QWIEN die Tagung organisieren und damit den Erfahrungsaustausch und die Vernetzung von Forscher*innen unterstützen. Ein wichtiger Aspekt dieses der queeren Geschichte gewidmeten Tages ist es, die Bandbreite der Themen vorzustellen, die in der aktuellen Forschung diskutiert werden. So spannt sich der Bogen von der frühen Neuzeit bis zur Auseinandersetzung mit HIV/Aids in der unmittelbaren Vergangenheit. Daneben werden Forschungsprojekte in Deutschland und Österreich vorgestellt, darunter auch zwei die von QWIEN initiiert und durchgeführt wurden bzw. werden. Die Tagung findet am Samstag, dem 3. November zwischen 9.00 – 17.00 Uhr im Aids Hilfe Haus, Tagungszentrum, 5. Stock, Mariahilfer Gürtel 4, 1060 Wien, statt. Wir danken der Aidshilfe Wien für die Überlassung der Räume. Um Anmeldung wird gebeten: andreas.brunner@qwien.at

Das vorläufige Programm in einer ersten Übersicht (das Programm wird laufend ergänzt):

9.00 Uhr: Registrierung im Aidshilfe Haus
9.25 Uhr: Begrüßung
9.30 Uhr: Kevin-Niklas Breu (Oldenburg) „ACT(ING) UP“ gegen den „AIDS-Staat“? Die Anti-AIDS-Bewegungen, transnationale Basisdemokratie und das Erbe von 1968 in Westeuropa in den 1980er und 1990er Jahren 1981 riefen die Centers for Disease Control aufgrund tödlich verlaufender Krankheitsbilder bei zuvor gesunden, homosexuellen Männern in US-Großstädten eine Epidemie aus, die alsbald unter der Bezeichnung HIV/AIDS bekannt wurde. Von 1987 bis 1993 gründeten angesichts der zunehmenden Kriminalisierung von HIV-positiven Menschen AktivistInnen weltweit lokale Protestgruppen nach dem Vorbild von ACT UP/ New York. Sowohl ihre Rechtfertigungsmuster als ihre Organisations- und Protestformen – Basisdemokratie, ziviler Ungehorsam, direkte Aktion – deuten auf eine Traditionslinie zur Studentenbewegung, die der oftmals geäußerten These von der Ent-Politisierung der sozialen Bewegungen seit 1968 Lügen straft. In meinem Vortrag werde ich erste Ansätze präsentieren, mit denen der Anti-AIDS-Aktivismus in den USA und Westeuropa in den 1980er und 1990er Jahre als internationale linke Graswurzelbewegung untersucht werden kann. 10.15 Uhr: Florian Wieser (München) „und ich weiß, dass sie alle Sodomiten sind“. Diskurse von Macht, Männlichkeit und Homosexualitäten in Darstellungen des frühkolonialen Neuspanien Der Vortrag beschäftigt sich mit den verschiedenen schriftlichen Quellen, die zu Homosexualitäten in Mexiko für die Zeit vor der spanischen Eroberung 1521 zur Verfügung stehen. Dabei geht es vor allem um die zahlreichen Widersprüche, die sich aus diesen Quellen ergeben; teilweise wird von allgegenwärtiger „Sodomie“ berichtet, dann wieder von einem System der Bestrafung und Verfolgung wie in Europa. Ziel ist es dabei nicht, aus den Quellen eine scheinbare Wahrheit über die „wirklichen“ Zustände unter den Nahua („Azteken“) abzuleiten. Stattdessen soll anhand der Art und Weise, wie die Quellen über Homosexualitäten sprechen, aufgezeigt werden, welche kulturelle Macht und Bedeutung diese in der spanischsprachigen Welt der frühen Neuzeit besaßen und wie mit der Idee der „Sodomie“ verschiedenste politische Agenden verfolgt werden konnten. Pause 11.30 Uhr: Dr. Christian-Alexander Wäldner (Ronnenberg) Frauen-Geschichte(n) zwischen Emanzipation und Rückschritt: Die Auswirkungen staatlicher Repressionen während der deutschen und österreichischen Nachkriegszeit aufgrund §§ 175 StGB (BRD), 151 StGB (DDR) und 129Ib ÖStGB. Die Verfolgung von Frauen nach § 129Ib ÖStGB war auch in der Zeit nach dem II. Weltkrieg in Wien Alltag, eine Zäsur war die Stunde Null im April/Mai 1945 daher für frauenliebende und frauenbegehrende Frauen nicht. Dieses zeigen die ersten Sichtungen von Strafakten, die noch vorhanden sind. Dass es in der Deutschen Demokratischen Republik nach 1945 eine vergleichende Strafbarkeit für Frauen gab, ist allenfalls einen Fachpublikum bekannt – dass es aber auch in Westdeutschland Fälle gab, in denen Frauen nach dem eigentlich nur auf die männliche Sexualität ausgelegt § 175 StGB vorkam, und dieses nicht gerade nur punktuell, zeigen die aktuellen Forschungsergebnisse. Ein erster Versuch der Kontextualisierung soll auf dieser Tagung die Parallelen und Unterschiede aufzeigen. 12.15 Uhr: Hannes Sulzenbacher (QWIEN) Zum Abschluss des Projekts der „Namentlichen Erfassung aller homosexuellen und Transgender-Opfer des Nationalsozialismus in Wien“ 12.30 Uhr – 14.30 Uhr Mittagspause 14.30 Uhr: Ben Miller (Berlin) Wozu sind wir da? Harry Hay, die Homosexuellenfrage und das Erbe des Marxismus 15.15 Uhr: Karl-Heinz Steinle (Berlin) Quellen zu LSBTTIQ in Tübingen, Projekt mit dem Stadtarchiv Tübingen Quellen zu Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Transgender, Trans- und Intersexuellen und Queers befinden sich in allen Beständen, sind dort aber in der Regel nicht als solche gekennzeichnet. Über Recherchen in staatlichen, kirchlichen und städtischen Archiven, in öffentlichen und privaten (Kunst-)Sammlungen und Bildarchiven in Tübingen und anderswo sollen Bestände zu Repressionen und Verfolgung, zu Freundschaften, Beziehungsmodellen und der Schaffung eigener Lebenswelten sowie zum Kampf um gleiche Rechte und Teilhabe von LSBTTIQ in Tübingen und Umgebung erfasst werden. Ziele des Projektes sind die Aufarbeitung entsprechender Bestände unter Beteiligung der jeweiligen Sammlungsleitungen, die Erstellung eines Findbuches sowie die Zugänglichmachung dieser Bestände für die weitere Forschung. 16.00 Uhr: Dr. Christopher Treiblmayr (QWIEN) Von Homoerotik zu Homophobie. Dekonstruktion stereotyper Sexualitäts- und Männlichkeitsbilder des „Orients“ Der Vortrag stellt ein bei QWIEN im Herbst 2018 gestartetes Forschungsprojekt vor, dass sich der Frage nach „orientalischen“ Bildern von Sexualität und Männlichkeit im deutschsprachigen Raum seit 1850 widmet. Ausgehend von Edward Saids Feststellung über die Funktion des „Orients“ als Gegenfolie bzw. zentrales Element in der Konstruktion und Eigendefinition „westlicher Kultur(en)“ untersucht das Projektteam anhand einer breiten Quellenbasis Stereotypisierungen bis zur Gegenwart. 17.00 Uhr Ende]]

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