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Vielfalt als filmischer Lebensentwurf

Verfasst von am 4. Oktober 2011 – 08:46Kein Kommentar

Chantal Akerman, Foto: Marthe Lemelle (Filmmuseum)

Das Filmmuseum zeigt in Zusammenarbeit mit der VIENNALE im Oktober das Gesamtwerk der belgischen Regisseurin Chantal Akerman. Ihre Werk zeichnet sich durch inhaltliche Konzentration bei gleichzeitiger stilistischer Vielfalt aus. QWIEN empfiehlt einige Highlights aus ihrem filmischen Werk der letzten dreißig Jahre.

Ihr erster Langfilm Je tu il elle (Ich du er sie) war in den 1980er Jahren ein Fixstarter auf vielen schwul/lesbischen Filmfesten, die epische Darstellung eines Frauenlebens Jeanne Dielman, 23 quai du Commerce, 1080 Bruxelles war ein Erfolg bei der Kritik und mit Toute une nuit (Eine ganze Nacht) hatte sie auch bei Publikum Erfolg, trotzdem blieb Chantal Akerman eine der großen Unbekannten des europäischen Kinos. Viele ihrer Filme waren in Österreich nur in wenigen Festivalaufführungen zu sehen, zu spröde ist ihr Werk offenbar für reguläre Kinoeinsätze, zu sehr sperrt es sich jeglicher Einordnung.

Beziehungen zwischen Frauen, vor allem Müttern und Töchtern, ihre jüdische Identität und Erkundung an den Rändern der Gesellschaft sind die zentralen Themen ihrer Filme. Nur in Je tu il elleerzählt sie von lesbischem Begehren. Eine junge Frau, hoffnungslos in eine stumme Trauer verstrickt, bricht aus, begibt sich auf eine Reise, um bei ihrer Ex-Freundin anzukommen. Akerman selbst spielte diese junge namenlose Frau, die sich auf ihrem Weg mit einem Trucker, den sie angehalten hat, einlässt, am Ende landet sie in den Armen ihrer Ex.

Je tu il elle, Foto Filmmuseum

Deutlich zeigt Akerman in stillen, in strahlendem Schwarzweiß gedrehten Bildern, wo ihre Sympathien liegen. Zeigt sie den Sex mit dem Mann in distanzierten Bildern, ist die weibliche Begegnung ein Ineinanderfließen der Körper. Was schon ihr erster Spielfilm zeigt, die Suche nach der Geografie der Liebe, das Motiv der Reise und eine eigenständige Bildsprache werden bis heute die Filme von Chantal Akerman prägen.

Trotz aller Konstanten im Werk ist jeder neue Film von Cahntal Akerman ein neuer Versuch, die Welt filmisch zu erkunden. Die dreistündige feministische Versuchsanordnung Jeanne Dielman zeigt eine ganz andere Akerman, kühl, distanziert, analytisch. Toute une nuit, die Geschichte einer schwülen Sommernacht in Bruxelles, ist von süffiger Leichtigkeit und lässt ihr Publikum an einem vielfältigen Reigen sexueller Begegnungen teilhaben.

News from Home wiederum ist ein persönlicher Essayfilm, in dem Akerman Erfahrungen eines Amerikaaufenthalts in Bilder gießt, Les Rende-vouz d’Anna (Annas Begegnungen)die Charakterstudie einer Regisseurin auf ihrer Reise durch Deutschland. All diese unterschiedlichen Filme drehte Chantal Akerman im ersten Jahrzehnt ihrer Karriere, immer neugierig neue Erzählformen zu erforschen.

Die großartige Delphine Seyrig in der Rolle der Jeanne Dielman, Foto: Filmmuseum

Später wandte sich Akerman Genreexperimenten zu, ob der Literaturverfilmung, wie in der Proust-Adaption La Captive (Die Gefangene), dem Musical Golden Eighties oder der nur scheinbar leichten Beziehungskomödie in Starbesetzung A Couch in New York. Zwischen den größeren Produktionen begibt sich Akerman in Dokumentar- und Essayfilmen immer wieder auf Spurensuchen, auf einer Reise nach Israel in Là-bas (Dort) zu ihrer jüdischen Herkunft, oder in D’Est (Aus dem Osten) nach Osteuropa.

Es ist ein vielfältiges filmisches Werk, das im Oktober das Programm des Wiener Filmmuseums prägt. Neben ihren eigenen Filmen wird die auch in Wien anwesende Regisseurin Filme vorstellen, die sie geprägt und beeindruckt haben, darunter Filme von Rainer Werner Fassbinder, Pier Paolo Pasolini oder des großen französischen Minimalisten Robert Bresson.

Die Retrospetkive Chantal Akerman läuft von 6. Oktober – 3. November, Details zu den Terminen der einzelnen Filme auf der Homepage des Filmmuseums

Webtipp zu Leben und Werk von Chantal Akerman: encyclopedia of gay, lesbian, bisexual, transgender & queer culture

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