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Stonewall in Wien – Before Stonewall: Birgit Meinhard-Schiebel

Verfasst von am 26. November 2012 – 11:58Kein Kommentar

Was verbindest du mit Stonewall?

Verzeih, wenn ich lachen muss, aber mit Stonewall verbinden mich bestenfalls die allerletzten Erinnerungen der letzten Monate. Ich geb’s ganz ehrlich zu, ich hab mich vorher nie damit beschäftigt.

Wie war es als lesbisch lebende Frau in den 1970er und 1980er Jahren innerhalb der Frauenbewegung?

Ich glaub, für mich war’s deshalb sehr einfach, weil ich mich schon sehr früh geoutet habe, mit 19, und eigentlich das Gefühl gehabt hatte, mir wird nichts geschehen. Die Frauenbewegung hat für mich eine ganz andere Konnotation gehabt, mir ist es wirklich damals darum gegangen, Frauen zu unterstützen, dass sie selbstständig und selbstbestimmt leben können. Aber dass ich dort als lesbische Frau auftrete, das war einfach kein Thema. Ich hab mich ehrlich nicht so damit auseinandergesetzt. Ich hab gesagt, ich leb’ mit einer Frau, das wurde anstandslos akzeptiert. Manchmal kam so, “du bist privilegiert, du hast es ja leicht”.  Ich hab nicht einmal gewusst, warum ich es eigentlich leicht hab’.

War das noch in der Verbotszeit?

Ja, noch kurz. Ich hatte damals tatsächlich Schwierigkeiten, die man sich heute gar nicht mehr vorstellen kann – bedroht von Jobproblemen und dem Satz „Naja, das ist ja eigentlich noch strafbar.“ Aber mir wurde damals gesagt, dass es eine Strafrechtsreform geben wird, es wird mir nichts passieren. Und das war für mich die Möglichkeit, einfach mein Leben zu leben.

Du hast also die Bedrohung von Staats wegen durchaus noch mitbekommen?

Ich hab das mitbekommen. Ich hab sogar eine Strafversetzung deshalb bekommen. Ich hab damals im Jugendgerichtshof gearbeitet. Als es offiziell geworden ist, wurden die Frau, in die ich mich verliebt hatte, und ich auseinander gesetzt – wie in der Schule. Aber das war’s dann auch schon. Es war eine schwierige Zeit damals: Wir haben uns in diversen kleinen Cafés getroffen und da hat man gewusst, wenn die Polizei reinkommt, muss da immer ein Mann und eine Frau sitzen. Und wir haben das natürlich genauso gemacht, während sonst auf der einen Seite die lesbischen Frauen gesessen sind, auf der anderen die schwulen Männer.

Wo war das?

Das war ein kleines Beisl in der Schlösselgasse im 8. Bezirk. Ich glaub, es hieß sogar Schlösselstüberl. Dann das Café Savoy in der Hernalser Hauptstraße, das waren so die damaligen Treffpunkte, die vorwiegend natürlich von Männern frequentiert wurden, aber durchaus auch von Frauen, und ich hab dort auch das erste Mal eine Frau geküsst. Da waren aber auch alle möglichen Menschen sonst, aus dem Gefängnis Entlassene und so. Das war eine Heimat sozusagen, da konnte man hingehen und hat gewusst, dass einem nichts passieren wird. Diese ganz eigene Kultur hat sich erst aufgelöst, als es dann eine Frauenbewegung gegeben hat.

Alle Interviews von „Stonewall in Wien“: <http://www.qwien.at/stonewallinwien/>

[Permalink: <http://www.qwien.at/stonewallinwien/b_meinhard-schiebel>]

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