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Stonewall in Wien – die 1970er: Rudi Katzer

Verfasst von am 26. November 2012 – 11:58Kein Kommentar

Kannst du von der CO erzählen?

Die Gruppe Coming Out war eigentlich die erste Nachkriegsschwulen- und auch ein bissl Lesbenorganisation, also es waren ein paar wenige Frauen auch dabei. Und das war eine sehr kleine Gruppe. Und dennoch haben sich sehr schnell zwei Fraktionen herausgebildet. Die einen wollten ihr Innerstes nach außen kehren und haben gesagt, das Private ist auch politisch, und haben mit radikalen Slogans Öffentlichkeitsarbeit gemacht. Und die anderen, die wollten so was wie eine gemütliche Heimstatt, einfach einen Ort, wo man sich gerne trifft und wo man dann auch gemeinsam was organisiert, gemeinsame Ausflüge oder so was. Das war ja im Treibhaus, das ja wie ein Sammelbecken gewesen sein muss. Dort hat sich dann ja auch die HOSI gegründet. Die CO hat 1978 das Zeitliche gesegnet. Und ungefähr ein Jahr später haben wir – der Florian Sommer und ich – gehört, es soll da wieder ein Treffen geben und wir haben gesagt: „Jessas, na, das brauchen wir nimmer, Schwulenbewegung, das ist abgehakt, und Verein – na danke!“ Aber dann waren wir doch so neugierig, was das ist, wer das ist und was da passiert, dass wir hingegangen sind in die Margaretenstraße, ins Treibhaus – und dann waren wir schon wieder dabei.

Wann übersiedelte die HOSI in die Novaragasse?

Es war so, dass man bald den Eindruck hatte, im Treibhaus sei es zu eng. Ich hab den Eindruck nicht gehabt, mich hat die Enge nicht gestört. Ich hab dagegen gesprochen, ein Vereinslokal zu suchen und umzusiedeln, weil mir klar war, dass es ungeheuer viel Energien binden würde. Und so war’s dann auch.

Wie geschah dann der teilweise Auszug aus der HOSI – in die Rosa Lila Villa?

In dieser Zeit, rund um 1982, geschahen Jugendrevolten in Berlin, Zürich und in anderen Städten Mitteleuropas. In Wien haben junge Menschen begonnen, sich im Burggarten in die Wiese zu legen und sind von der Polizei rausgeworfen und festgenommen worden. Es gab dann Demos im ersten Bezirk, die eigentlich hauptsächlich von bürgerlichen Leuten getragen wurden, die einfach nur im Rasen liegen wollten und die Repression der Behörden nicht verstehen wollten. In der Bevölkerung hat das sehr schnell den Namen „Burggartenbewegung“ bekommen. In diesem Klima hatte die Wiener Sozialdemokratie die super Idee, einige wenige der vielen Abbruchhäuser potentiellen Hausbesetzer_innen zur Verfügung zu stellen zur – wie man das damals genannt hat – legalen Instandbesetzung.

Das heißt, die Villa war nicht besetzt?

Doch. Die Lesben und Schwulen, die eigentlich ein Stockwerk in einem Haus in der Liniengasse besiedeln wollten, suchten ein „Notquartier“, weil aus der Liniengasse nichts wurde. Und dieses Notquartier war zuerst nur eine Wohnung in diesem Haus, der heutigen Villa. Da waren noch zwei Baubüros der Gemeinde Wien und ein privater Mieter. Also dieses Haus war nicht zur „legalen Instandbesetzung“ vorgesehen gewesen. Aber dadurch dass man schon einen Fuß herinnen gehabt hat, hat man sich dann ausgebreitet, sozusagen das Haus von innen her, Wohnung für Wohnung, besetzt und auch immer sofort instand gesetzt.

Wie kam es zum Neujahrskonzert?

Ja, ich bin gefragt worden, ob ich mitmache, aber ich hab mich nicht getraut! Vor einem Publikum, das hierher gekommen ist, um um sehr teure Karten diese wunderbare Musik zu hören: Denen in die Suppe zu spucken und sich nackt auszuziehen, vorzurennen und den Dirigenten von seinem Pult zu verscheuchen, das war mir zu heftig. Dann hat’s der Florian Sommer mit dem Robert Herz gemacht.

Dann gab’s auch zwiespältige Reaktionen.

Ja, die Wiener Schwulen haben immer die Hos’n vollgehabt.

Auch die Lambda Nachrichten haben negativ berichtet.

Ja, als Leserbriefe, die in Wahrheit aus dem Vorstand gekommen sind. Artikel gab’s keine negativen. Die Presse insgesamt war nicht negativ.

Alle Interviews von „Stonewall in Wien“: <http://www.qwien.at/stonewallinwien/>

[Permalink: <http://www.qwien.at/stonewallinwien/r_katzer>]

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