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Stonewall in Wien – die 1980er: Ines Rieder

Verfasst von am 26. November 2012 – 11:59Kein Kommentar

Wann hast du zum ersten Mal von Stonewall gehört?

Meine erste Erinnerung an Stonewall geht eigentlich auf die 70er Jahre zurück, da war ich in den Vereinigten Staaten. Aber diese Geschichte von lesbischwulen Kämpfen, das ist mir eigentlich erst in Kalifornien in seiner vollen geschichtlichen Größe und Dimension bekannt geworden.

Also nicht aus Österreich?

Also diese Stonewall-Sache, so wie sie eben damals wirklich passiert ist, da hätte ich jetzt keine Erinnerung, dass ich die damals wahrgenommen hätte.

Wie waren die Erfahrungen der Lesben in der österreichischen Frauenbewegung?

Was ich hier noch in Österreich mitbekommen habe, bevor ich nach Kalifornien gezogen bin, habe ich überhaupt generell den Eindruck gehabt, dass es eine sehr starke Polarisierung war, in jeglichem
Bereich, alle haben sich von den anderen abgegrenzt, sei es jetzt ob du Maoist warst oder Trotzkist oder Sozialist und genauso wars in der Frauenbewegung auch. Also diese ganzen Spaltungen. Eines, soweit ich das jedenfalls in Erinnerung habe, in Österreich gabs zwar immer wieder Diskussionen, aber diese Diskussion, Frauen und Lesben, wie sie zusammenarbeiten sollen oder wie sie sich  aufgrund der sexuellen Präferenz dividieren – das hab ich dann wesentlich stärker in Kalifornien miterlebt, weil ich glaub dieser Diskurs ist hier wirklich erst gekommen so mit der Arena-Bewegung.

Du hast das erste Buch über Frauen und Aids weltweit geschrieben. Worauf ging das zurück?

Das kam aus einer persönlichen Geschichte heraus. Mein bester Freund aus Kalifornien war unter den ersten schwulen Männern, die sich da infiziert haben und der ist 1986 gestorben. Aus dieser Erfahrung heraus habe ich darüber zu schreiben begonnen. Und habe dann darüber mit einer Verlegerin, mit einer Freundin von mir in San Francisco, gesprochen. Was wir damals ganz stark versucht haben, was sehr schwer war damals, auch Frauen zu finden, die HIV-positiv waren, und das andere, dass wir uns auch eben über das Thema Lesben und HIV auseinandergesetzt haben. Und das war sicher in dieser Konstellation einmalig.

Ich habe den Eindruck, dass diese Zeit Lesben und Schwule richtig zusammengeschweißt hat.

Ich glaub, die Aids-Krise und der Umgang damit, das war so die politische Schule für die Lesben und Schwulen, das war so ihre Möglichkeit sich zu profilieren. Und da wurden sie auch als Einheit wahrgenommen. Ich glaube, das war sowohl in den Staaten so als auch hier, und auch in anderen Ländern. In der Zwischenzeit hat sich das alles wieder verschoben, aber das war wirklich so die Möglichkeit zu sagen, wir haben politisches Wissen, wir haben eine gesellschaftliche Position, die wir beziehen müssen und es gibt Ansätze im Gesundheitssystem, – in den Vereinigten Staaten ist das noch zehnmal wichtiger als hier in Europa – es gibt Schienen im Gesundheitssystem, wo wir uns ganz einfach positionieren müssen. Und da sind wir jetzt eine Kraft die das kann und wir ziehen andere auch mit. Also auch so ein gesellschaftlicher Dialog, der diesbezüglich entsteht. Was sicherlich auch war, und das war sicher auch der gute Punkt, dass sich auch Lesben eingebracht haben, das hat dann einfach auch diesen Druck weggenommen und auch die Augen geöffnet, dass das jetzt nicht eine Krankheit ist, die nur schwule Männer betrifft, sondern – wie sich in der Zwischenzeit herausgestellt hat – sondern es ist eher eine Krankheit, die arme Leute betrifft – oder jeden betrifft.

Alle Interviews von „Stonewall in Wien“: <http://www.qwien.at/stonewallinwien/>

[Permalink: <http://www.qwien.at/stonewallinwien/i_rieder>]

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