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Stonewall in Wien – die 1980er: Dieter Schmutzer

Verfasst von am 26. November 2012 – 11:59Kein Kommentar

Wie hat sich dein Eintritt in die HOSI Wien gestaltet?

Im Frühjahr 1979 kam Wolfgang Förster, mit dem ich schon viele Jahre befreundet gewesen war, eines schönen Tages zu mir und sagte: „Du, weißt du was, ich hab da eine Annonce aufgegeben, dass einfach so schwule Männer sich irgendwie treffen. Und magst du daran teilnehmen?“ Und es war dann das zweite Treffen, bei dem ich dann dabei war.

Hattet ihr von Stonewall gehört?

Einige hatten gehört, andere überhaupt nicht. Mir war Stonewall durchaus ein Begriff, was einfach damit zu tun hatte, dass ich immer ein sehr politisch interessierter Mensch war seit meiner   Mittelschulzeit. Ich bin mir nicht sicher, ob ich die Ereignisse von Stonewall mitgekriegt hab, als es passiert ist. Da würde ich jetzt einmal sagen: nein. Da war ich 15 oder so und da hatte ich andere Interessen.

Dann warst du ja auch bei den HOSIsters stark engagiert. Wie kam es zu dieser Gründung?

Ein paar Wahnsinnige haben sich hingestellt und ohne große Vorbereitung und ohne alles begonnen Arien zu schmettern, und das hat einfach Spaß gemacht. Und dann gab es eben ein paar, die gesagt
haben, „Das wär’ doch was“, und wir haben dann bald danach die erste Produktion gemacht, die dann so ausgeschaut hat, dass wir uns zusammengesetzt haben und überlegt haben, wer täte gern was singen, einen Freund gefragt haben, der Klavier spielen kann, Noten besorgt haben, zwei Proben am Nachmittag gemacht haben und uns dann ins Gewühl gestürzt haben.

Die HOSI hat sich später ja sehr früh schon in der Aids-Krise engagiert.

Im März 1983 – also ganz ganz früh – war die HOSI Mitherausgeberin einer der ersten deutschsprachigen Aids-Informationsbroschüren (mit der Universitätshautklinik und dem Gesundheitsstadtrat in Wien damals) und hat sich seither dann immer mit der Thematik Aids befasst. Im Jahr 1985, also im Gründungsjahr der Aids-Hilfe, hat vor allem der Reinhardt Brandstädter als HOSI-Obmann mit dem Ministerium Kontakt gesucht und hat ein Netzwerk betrieben. Man hat mit anderen gemeinsam dann überlegt, wie könnte man, nach deutschem Vorbild auch so etwas in diesem Land  installieren. Sie haben ein Modell gebastelt, Statuten erstellt, als HOSI, als politische Vertretung mit einem Personen-Proponentenkomitee für den zu gründenden Verein Aids-Hilfe beim damaligen Minister Steyrer vorgesprochen, finanzielle Zusagen geholt, Unterstützungserklärungen eingeholt und daraus ist dann im Jahre 1985 die „Österreichische Aids-Hilfe“ entstanden. Das war kein Honiglecken. Die ersten Informationsgeschichten, die wir gemacht haben, Infostände, wo du beschimpft worden bist und gefragt: „Wen interessiert des? Des sollen sich die Warmen untereinander
ausmachen.“

Du hast ja dann ein weiteres Betätigungsfeld erschlossen als sehr öffentliche Person, nämlich als langjähriger Sexualberater in den Medien bei Ö3 bis hin zur Barbara Karlich-Show. Wie hat sich die Behandlung lesbisch/schwuler Themen verändert?

Was sich verändert hat, ist schon bei vielen Menschen, dass Homosexualität nicht per se etwas ganz Grausliches, Furchtbares, Perverses, Krankhaftes ist, sondern dass das halt auch irgendwie Leut’ sind wie du und ich. Was ich für wichtig halte, ist aber, diese Veränderung bewusst zu machen. Das ist nicht so selbstverständlich. Und das muss ich jetzt als politischer Mensch einfach dazu sagen: Wenn wir nicht wahnsinnig aufpassen und am Ball bleiben, sondern uns zurücklehnen und sagen „Is’ eh a g’mahte Wies’n, es kann nichts mehr passieren“, fürchte ich, wird es oder kann es massive Rückschläge geben. In dem Maße wie bestimmte politische Kräfte und Parteien das Sagen kriegen, lege ich nicht meine Hand ins Feuer, dass wir nicht in ein paar Jahren wieder eine Situation haben, die an die späten 1970-er gemahnt, wo man um die einfachsten Rechte kämpfen muss. Und das will ich eigentlich nicht haben.

Alle Interviews von „Stonewall in Wien“: <http://www.qwien.at/stonewallinwien/>

[Permalink: <http://www.qwien.at/stonewallinwien/d_schmutzer>]

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