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Parada

Verfasst von am 24. Oktober 2012 – 13:29Kein Kommentar

Eine serbisch-kroatisch-slowenisch-mazedonisch-montenegrinische Koproduktion ist eine der irrwitzigsten Komödien seit langem. Kaum zu glauben, dass ein Film mit schwulem Inhalt zum erfolgreichsten serbischen Film nach dem Krieg wurde und allein auf der Berlinale 2011 drei Preise abräumte, darunter einen der Ökumenischen Jury. Andreas Brunner hat den Film gesehen und versteht warum.

Ungleiche Freunde: Limun und Radmilo

Radmilo, ein gutmütiger, tollpatschiger Tierarzt, und Mirko, ein liebevoll verhuschter Theaterregisseur, wollen eine Parade für Schwule und Lesben in Belgrad organisieren. Ein schwieriges Unterfangen bei der alltäglichen Homophobie in Serbien. Da sich die Polizei weigert, die Parade zu schützen, wenden sich die wackeren aber doch auch etwas weltfremden KämpferInnen an einen privaten Sicherheitsdienst, was sich anfänglich auch als aussichtslos herausstellt – würde Mirko nicht als Hochzeitsplaner arbeiten und gerade Pearl, die Braut des Halbweltbosses Mickey Limun, als Kundin haben. Radmilo hat gerade dessen Bulldoge nach einem Schussattentat gerettet.

Die Bande sind geknüpft. Pearl, die ihre Traumhochzeit nach Mirkos Vorschlägen durchsetzen will, erpresst Limun, dafür zu sorgen, dass die Parade geschützt wird. So macht sich Limun auf den Weg und sucht seine Kriegsveteranen, um sie zu überzeugen, den Kampf der Homos zu schützen. Nach allerlei Verwicklungen stellt sich ein politisch gar nicht korrektes Quartett, neben dem serbischen Tschetnik Limun, ein kroatischer Ustascha-Kämpfer, ein Kosovo-Albaner und ein Moslem, wacker einem schier aussichtlosen Kampf gegen rechtsradikale Hooligans.

Mit einem rosa Mini hat mans nirgends leicht…

Rasant erzählt, gespickt mit zweideutigen und politisch gewagten Dialogen zieht der serbische Regisseur Srđan Dragojević nicht nur Klischees über Schwule und Lesben durch den Kakao, sondern auch die Nationalitätenkonflikte in den Nachfolgestaaten des ehemaligen Jugoslawien. Kaum vorzustellen, dass „Parada“ mit staatlichen und privaten Mitteln finanziert wurde, wenn man etwa von der Untersagung der Parade in Belgrad gelesen hat. Kaum zu glauben, dass der Film zu einem der erfolgreichsten Filme in den ex-jugoslawischen Staaten wurde, wenn Medien regelmäßig von Übergriffen auf Homosexuelle berichten, bei denen die staatlichen Autoritäten wegschauten.

Dragojević widersetzt sich der homophoben Grundstimmung der ex-jugoslawischen Gesellschaft. In einem Interview meinte er, er wollte einen Film für Homohasser machen. Er will sie mit seinem Witz bekämpfen.  Und es gelingt ihm mit einem sehenswerten Ergebnis. Hingehen und mitlachen, auch wenn das Gelächter vielleicht manchmal im Hals stecken bleibt.

Parada läuft in Wien ab 26.10, tgl. um 20.30 Uhr im Wiener Filmcasino, Margaretenstraße 78, 1050 Wien in serbischer Originalfassung mit deutschen Untertiteln. Der schauderhaft synchronisierte deutsche Trailer lässt den brachialen Witz des Films nicht wirklich erahnen.

 

 

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