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Queerer Underground Klassiker

Verfasst von am 15. November 2012 – 12:02Kein Kommentar

Das Österreichisch Filmmuseum zeigt bis Ende November die bislang umfangreichste Retrospektive der amerikanischen Underground Ikone Jack Smith.

Jack Smith in Köln, 1974 (Foto: E. Michelis)

Jack Smith war schon queer, als dieses Wort noch ein Schimpfwort war und nicht als Theoriemodell für eine Lebens- und Denkweise stand, bei der Geschlechtergrenzen aufgelöst werden. Sein Film Flaming Creatures (1963) gilt heute als Klassiker des queeren Undergroundfilms, der nicht nur Künstler von Andy Warhol bis Federico Fellini (Satyricon) beeinflusste, sondern bis heute nichts an Strahlkraft für die queere Kunstproduktion verloren hat. Keiner vor ihm thematisierte den Körper, Sex und das Verschwimmen von Geschlechtergrenzen derart radikal wie Jack Smith.

Flaming Creatures ist „strictly pornographic“, ohne aber den Zuseher_innen auch nur die geringste Möglichkeit zu sexueller Erregung zu geben. Schwänze, Brüste, Ärsche tanzen durch verwackelte Bilder, ein Reigen aus Begegnungen ersetzt eine nachvollziehbare Handlung, die in groben Zügen eine (Sex)Party über den Dächern New Yorks zum Thema hat. Es blieb Jack Smiths einziger zu Lebzeiten fertiggestellter Film, bevor er 1989 an den Folgen von Aids starb. Schon Mitte der 1960er Jahre stellte der Nestor des Filmmuseums, Peter Kubelka, Flaming Creaturesdem Wiener Publikum vor und der Film gehört seither zum fixen Repertoire der filmhistorischen Aufklärungsarbeit der renommierten Cinemathek.

Filmstill aus Flaming Creatures

Nun widmet das Filmmuseum dem auch als Performer einflussreichen Jack Smith – er machte schon Performances bevor es diesen Begriff überhaupt gab – die erste umfassende Retrospektive mit Werken aus dem Nachlass. Neben seinem Klassiker Flaming Creatures hinterließ Jack Smith zahlreiche nie wirklich fertig gestellte Filme, die er als Material für seine Performanceauftritte verwendete. Dank der umfangreichen Restaurierungsarbeiten des Filmemachers Jerry Tartaglia kann bislang Unbekanntes aus dem in seinem Einfluss auf die Kunst seit den 1960er Jahren bislang wenig gewürdigtem Werk von Jack Smith erstmals in Österreich gezeigt werden. Die Liste der Künstler_innen, die sich auf Smith berufen ist lang. „The godfather of performance art“, nannte ihn etwa Laurie Anderson, „The only true underground filmmaker“ der Regisseur John Waters, dessen Kultfilm Pink Flamingos mit Divine in der Hauptrolle auch Teil des Beiprogramms zur Retrospektive ist.

Neben den Filmen von Jack Smith selbst, sind eine Reihe von Filmen seine Wegbegleiter zu sehen, in den Smith als Darsteller aufgetreten ist, oder die sich in ihrer Arbeit explizit auf ihn berufen. Dazu gehören neben Fellinis Satyricon auch Filme von Andy Warhol den Brüdern George & Mike Kuchar und Ken Jacobs. Vorträge von Peter Kubelka, Diederich Diederichsen oder des Filmhistorikers J. Hoberman ergänze das programm.

Alle Informationen zur Retrospektive auf der website der Filmmuseums

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