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Miss Piggy, Punk und der Kampf ums Überleben – Beth Dittos „Heavy Cross“

Verfasst von am 14. Februar 2013 – 12:06Kein Kommentar

Beth Ditto ist eine Ikone, meine Ikone. IhrAuftreten, ihr Mut, ihre Schlagfertigkeit mein Vorbild. Und jetzt wo ich ihr Buch gelesen habe erst recht.

“ Face my fears. Move in the right direction. I´m doing fine. One step closer, one day at a time.“ (Gossip, Move in the right direction)

Die Sängerin der us-amerikanischen Punkband Gossip ist dick, feministisch, lesbisch, laut, rassiert sich die Achseln nicht und steht zu alledem. Ein Modelabel und Zusammenarbeit mit Designern wie Karl Lagerfeld bescherten ihr den Ruf eines Stars. Für all jene, die gerne Klatschblätter lesen, klingt das nicht besonders speziell. Christina Aguilera, Beyoncé alle haben sie Mode- und Parfümlabel. Nichts weltbewegendes. Für Beth Ditto ist ihre Karriere ganz schön weltbewegend und bewundernswert.

Die ersten Kapitel der Autobiographie lesen sich so schwer wie Blei. Zeile für Zeile taucht mensch in Beth Dittos vertrauten Sumpf aus sexualisierter, körperlicher und emotionaler Gewalt, Armut, Auswegslosigkeit und Mutterschaft als einzigen Lebensweg ein. Ich verschlang das Buch, war betroffen von den Grausamkeiten auf diesen wenigen Seiten. Nach einigen Kapiteln brauchte ich eine Pause. Das Buch lag einige Wochen neben meinem Bett und der Staub sammelte sich langsam auf dem schwarzen Cover. Ich wollte wissen wie sie all das überlebte, wie diese traumatisierte Beth diesen Weg schaffte.

„Ich muss nur einen Blick in die Vergangenheit werden, um mir zu vergegenwärtigen, dass alles möglich ist. Und ich weiß, dass ich das Produkt all desssen bin, was ich durchmachen musste, von all dem Guten und all dem Schlechten. Meine Talente und Vorzüge lassen sich von Not und Leid nicht trennen. […] Ich will dasselbe wie alle anderen auch, das selbe wie ihr, mich hinaus in die Welt stürzen und darauf vertrauen, dass sie mich auffängt.“ (S.199ff.)

Als ich das Buch wieder in die Hand nahm, änderte sich ihr Leben langsam. Sie verlässt ihre Herkunftsfamilie und ihren Heimatort, erzählt von Musik, ihren Beziehungen, ihren Hoffnungen und Ängsten. Und irgendwann geht alles Schlag auf Schlag. Plattvertrag hier, Tour da. Alles geht sehr schnell, auch in den Kapiteln und es wirkt etwas surreal. Für Beth Ditto schien es ähnlich zu sein, surreal.

Das Tempo des Buches fesselt, ebenso wie die Anfangskapitel aufgrund ihrer Grausamkeit fesseln. Es ist die spannendste Autobiographie, die ich seit Langem gelesen habe. Beth Dittos Erzählungen stärken Frauen in der Welt, die dick sind, die lesbisch sind, die Gewalt und Armut überlebt haben. Es ist ein Buch der Stärke und der Hoffnung. Und für all jene, die keine Ahnung von der Riot Grrrl Musikgeschichte haben, eine wunderbare Einführung. Absolut lesenswert!

 

 

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