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Muse im Exil

Verfasst von am 22. Juli 2013 – 16:31Kein Kommentar

Oder: Wie es doch immer wieder möglich ist lesbisch-schwules Leben des 20. Jahrhunderts zu heterosexualisieren oder wenn das nicht gelingt, die Lesben und Schwulen im Stile des vorigen Jahrhunderts zu pathologisieren. Manfred Flügges Muse des Exils. Das Leben der Malerin Eva Herrmann gelesen von Ines Rieder

Warum dann noch weiter dieses Buch besprechen? Weil es viele Informationen über Lesben und lesbisches Leben aufzuwarten hat, die ich bis jetzt an anderen Orten, in anderen Büchern noch nicht gefunden hatte. Es treten all die Damen und auch Herren auf – die in einem lesbisch-schwulen und modernen Kontext – mehr oder weniger bekannt sind. Von den Geschwistern Erika, Klaus und Golo Mann, dem Ehepaar Aldous und Maria Huxley, Sibylle Bedford, Annemarie Schwarzenbach, Mopsa Sternheim, Sibylle Binder, Ricky Hallgarten, Brian Howard, Eddy Sackville-West ist in diesem Buch viel die Rede. Außer einigen bekannten Geschichten gibt es auch für mich einiges Neues.

Eva Herrmann, Zeichnerin, Kind einer deutsch-US-amerikanischen Familie, geboren 1901, die bis zum 2. Weltkrieg vorwiegend in Europa lebte, dann bis an ihr Lebensende in Kalifornien, war – um einen ganz aktuellen Bezug herzustellen – die Schwägerin des österreichischen Malers Wilhelm Thöny, zu dem derzeit eine Ausstellung in der Neuen Galerie in Graz läuft. Mein besonderes Interesse galt im Kontext Eva Herrmanns Sibylle Bedford, mit der sie in den 1930er Jahren zusammen im südfranzösischen Ort Sanary lebte. Ich gewann den Eindruck, dass Manfred Flügge Sibylle Bedford nicht mochte, und dass es ihm unmöglich war, sie zu heterosexualisieren, machte sie dem Autor nicht sympathischer. Nichtsdestotrotz wird Sibylle Bedford ausführlich beschrieben und ich erfuhr einiges Neues über die deutsch-britische Journalistin und Schriftstellerin.

Nolens volens muss sich der Autor mit all den Geschichten, die sich in lesbisch-schwulen Kreisen abgespielt haben, auseinandersetzen und die Recherchen und die Fülle des Materials machen das Buch für Interessierte durchaus lesenswert. Aber es braucht auch die Geduld und die Nerven, um die homophoben Töne auszuhalten.

Manfred Flügge

Muse des Exils. Das Leben der Malerin Eva Herrmann

Berlin:  Insel 2012

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