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Hockney mal 2

Verfasst von am 24. September 2013 – 13:28Kein Kommentar

David Hockney gehört unbestritten zu den bedeutendsten Künstlern der englischen und amerikanischen Nachkriegsmoderne und er war einer der ersten, der seine Homosexualität radikal öffentlich machte. Eine DVD und ein Band mit Gesprächen geben Einblick in den künstlerischen und privaten Kosmos Hockneys.

Ich erinnere mich an die frühen 1980er Jahre, als ich beim ersten schwul/lesbischen Filmfestival in Wien zum ersten Mal A Bigger Splash sah. Ich hatte von einem Maler mit dem Namen David Hockney noch nie gehört, aber die Aussicht auf einen Einblick in ein authentisches Stück schwuler Lebensrealität – man fühlte sich ja selbst auch ein bisschen nach Boheme – ließ mich die Kinokarte kaufen. Und ich wurde nicht enttäuscht. Mehr als 30 Jahre danach verwundert mich, welch tiefen Eindruck damals die Szenen mit den sich im Pool nackt tummelnden Beachboys gemacht hatten. Wie waren wir süchtig nach diesen Bildern, wo sich Sex und Leben (und Kunst) zu einer Einheit fügten? Welche Sehnsucht hatten wir überhaupt nach Bildern von uns selbst, mögen sie auch in die ferne Welt der Kunst entrückt gewesen sein. Schon damals waren aber die Themen, von denen der von Jack Hazan gedrehte Dokumentarfilm erzählt, allgemeingültig. Wenn Hockney über den Verlust seiner großen Liebe Peter Schlesinger trauert, dessen großes Porträt er noch für eine Ausstellung fertigstellen muss. Wie der introvertierte Künstler seine Trauer in der Kunst sublimiert. Wie Hockney von der Sonne Kaliforniens schwärmt, die für ihn im Zentrum seiner schwulen Phantasien steht, wenn sich ihr Licht im Wasser der Swimmingpools bricht, die in diesen Jahren zu den beliebtesten Motiven seiner großformatigen Gemälde zählten. Gleichzeitig ist A Bigger Splash auch das Dokument seiner Zeit, einem letzten Flackern der Swinging Sixties in London, der Schwulenszene in New York und Kalifornien, der Kunstszene im Zeichen der Pop Art. Der Film selbst ist auch ein faszinierendes Spiel mit Dokumentar- und Spielszenen, was ist „real“ und was ist „gespielt“, oder nachträglich inszeniert? Hockney war, als A Bigger Splash gedreht wurde, am Anfang seiner Karriere, heute wissen wir, dass er einer der bedeutendsten Künstler der Nachkriegsmoderne werden sollte.

Also solcher steht Hockney dem Schriftsteller Martin Gayford für zahlreiche Gespräche über Kunst zur Verfügung. Erzählte Kunstgeschichte, über Bilder sprechen, gehört zum Schwersten, aber wenn sich zwei Enthusiasten treffen, kann das nur gutgehen. David Hockney ist nicht erst seit den 1970er Jahren, als sein Stern in der Kunstwelt groß aufging, einer der bedeutendsten zeitgenössischen (britischen), (schwulen) Künstler, der sich nie irgendwelchen Moden verschrieben hatte. Wer nur Hockneys berühmte Swimmingpool Bilder kennt, kennt nur einen bescheidenen Teil seines umfangreichen Oeuvres. Seine Eigenständigkeit spricht auch aus den Gesprächen, die Martin Gayford dokumentiert und mit überleitenden Texten versehen zu einem Kompendium über Hockneys Kunst gemacht hat. Hockney war immer neugierig, bei seinen kubistischen Bildmontagen aus Polaroids, wenn er sich für altmeisterliche Techniken und deren Möglichkeiten für seine künstlerischen Ausdrucksmittel interessierte, oder bei der Aneignung neuester Technologien für seine Kunstwerke. So malt Hockney neuerdings Bilder in seinem i-Phone. Eine dieser i-Phone Zeichnungen ist die erste von zahlreichen Abbildung in diesem schön gemachten Buch, der Buchblock liegt kompakt in der Hand, schönes Papier und ein einfacher, ansprechender Satz. In Zeiten des E-Books sei in Erinnerung gerufen: Bücher können sich auch gut anfühlen. Bei einer erfreulichen Lektüre ein doppelter Gewinn.

Jack Hazan (Regie): A Bigger Splash. UK 1973. Edition Salzgeber 2013; erhältlich bei Löwenherz

Martin Gayford: A Bigger Message. Gespräche mit David Hockney Bern: Piet Meyer 2012; erhältlich bei Löwenherz

 

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