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IMPORT – EXPORT – TRANSPORT Queer Theory, Queer Critique and Activism in Motion

Verfasst von am 30. September 2013 – 11:49Kein Kommentar

Sushila_Mesquita, Maria Katharina_Wiedlack, Katrin_Lasthofer

IMPORT – EXPORT – TRANSPORT

Queer Theory, Queer Critique and Activism in Motion

Eine Rezension von Sara Ablinger

 

Hintergrund für die Entstehung der Publikation war die gleichnamige Konferenz, die 2011 von der Universität Wien und im Speziellen vom Referat für Genderforschung organisiert wurde. Es handelt sich demnach um einen interdisziplinären (englischsprachigen) Sammelband der Vortragenden bestehend aus Artikeln, Essays und Kunstwerken, die im Zuge der Konferenz entweder präsentiert oder erarbeitet wurden. Zum Zielpublikum dieser Publikation  zählen zwar auch (queertheoretische) Einsteiger_innen, aber vorwiegend Fachkundige.

Hauptanliegen der Konferenz und der Publikation war/ist die Darstellung von „queer“ als nicht nur theoretisches Konzept, sondern auch als politische Praxis, der das Potenzial, Strukturen und Diskurse zu beeinflussen/zu verändern inhärent ist. Dabei richtet sich der Fokus auf den „Impact“ von Reisen queerer, aktivistischer und forschender Individuen innerhalb unterschiedlicher Räume und Voraussetzungen. Besonders die Stimmen von Wissenschaftler_innen und Aktivist_innen aus osteuropäischen Ländern werden gehört.

„ „More than twenty years ago, Teresa de Lauretis coined the termin „queer theory,“ introducing it to academia as „another discursive horizon, another way of thinkingthe sexual“. […] By opening up a conference-space for dialogue between differnt methodological approaches, forms of activism, research fields and interests that pay attention to specifix local settings, the conference also intented to strengthen „import-export relations“ withing and outside a „Western“ European context. Accordingly, the idea was to challenge what we percieve as a one-way street, with the import of queer theory and activism taking place almost exclusively in one direction, namely from English-speaking contexts to „others.“  Thus, this volume also seeks to contribute to the practice of „de-centring queer studies“ […] The articles and essays we have selected for this colume mostly continue the focus on questions of cultural translations and the traveling of theories and concepts. They highlight queer activism as a cultural and social activity within the dynamics of global/transnational academic knowledge production and (trans-)local community engagement.“ (S.17ff.)

Das Werk ist wie folgt aufgebaut

  • zu Beginn kurze Beschreibungen der Mitwirkenden und ihren Tätigkeitsfeldern
  • Einführung – von Sushila Mequita, Maria Katharina Wiedlack, Katrin Lasthofer (Referat für Genderforschung der Universität Wien)

Das einführende Kapitel gibt einen prägnanten Überblick über die Wurzeln des Wortes queer und seine akademische Verwendung. Und obwohl die Einführung kurz ist, bespricht sie wichtige Kritikpunkte an den queer studies: elitär, westlich, weiß und konsumorientiert zu sein, Machtgefüge und Hierarchien innerhalb der queer theory sowie Ausschlussmechanismen gegenüber minorisierten Gruppen zu wenig oder gar nicht zu thematisieren.

Für Einsteiger_innen in ein neues theoretisches Feld sind Namen und Paradewerke immer eine Herausforderung. Hilfreich ist, dass die an der Konferenz/Publikation beteiligten Personen fett markiert wurden und somit klar ersichtlich ist, dass sich von diesen Personen Beiträge im Band befinden.

  • Relax, It´s Not Only a Ghost – On the Im/possibility of Queer Collectivity: An Unfinished Conversation – Bini Adamaczak, Mike Laufenberg (TU Berlin)
  • Montrer patte blanche and Experiencing the Margin(alization) – Sanja Milutinović Bojanić (Univerität Paris VIII & Centre for Ethics, Law and applied Philosophy, Belgrad)
  • Queer Legal Theory: Conflicts,  Contradictions, and Coexistence – Petra Sußner (Intitiativkolleg Geschlecht, Gewalt und Handlungsmacht in Globalisierungprozessen, Wien)
  • Queering Exclusion: Revisting the First Case of Collective LGBT Litigation in Hungary – Erzsébet Barát (Universität Szeged, Ungarn)
  • Belgrade Pride Parade 2010: Queer Politics in Serbia – Ivana Pražić  (Universität Sidney & Mit-Begründerin_ des Center for Queer Studies, Belgrad)
  • (Un)translatable Queer?, or What Is Lost and Can Be Found in Translation – Robert Kulpa (Universität London), Joanna Mizielińska (Universität Warschau), Agata Stasińska (Universität Warschau)
  • Translating Queer Theory to France and Germany: Tickets and Boundaries for a Traveling Theory – Cornelia Möser ( CNRS Paris) 
  • LGBTQ Activism and the Appropriation of Queer Theory in Spain – Vendula (Esteban) Wiesnerová (Akademie der Wissenschaften, Bratislava & Transfúzia, trans-aktivistische Organisation der Slowakei)
  • Queer Trouble in Ljubljana – Tea Hvala (Schriftstellerin und Organisatorin des queer-feministischen Festivals Rdeće zore, Slovenien)
  • Imagining the Regional Queer or Queering the Region? Symbolic Geographies of Queer Festivals in Former Yugoslavia – Sanja Kajinić (Universität Budapest)
  • „Queer Comrades“: Socialist Past, Postsocialist Present and Ideological Battles in Transnational China – Hongwei Bao (Nottingham Trent Universität, UK)
  • Cultural Representations of Non-Hegemonic Genders and Sexualities in Japan and Singapore: Global Transmissions of Queer Critique? – Nicole Alecu de Flers (Universität Wien/Salzburg, Mit-Begründerin und Herausgeberin des Zaglossus-Verlags)
  • Writing Transnational Queer Histories, or Stonewall in Wien – Leopold Lippert (Universität Wien)
  • Affective Politics of Disability Shame in the Times of Neoliberal Exceptionalism – Kateřina Kolářová ( Karlsuniverisät Prag)
  • The Traffic in Gender – Jack Halberstam (USC/Universität von Süd-Kalifornien)
  • Autoethnography of a Femme-as-Professor: Queer Dissidence between (Global) Development and (Local) Academia – Hanna Hacker (Universität Wien)
  • Queering Imperial Antiracism? Reflexive Notes on Intent and Method of Our Workhop with the Same Title at the Import-Export-Transport Conference – Johanna Schaffer (Kunsthochschule Kassel) 
  • Gender\===/Bending the Wall, or Rain on Our Parade: A Lecture Performance – Marty Huber (IG Kultur Wien, Dramaturgin_, Performance Künstlerin_, Aktivistin_)
  • Queeropedia Workshop – Persson Perry Baumgartinger (PHD Berlin/Wien, Aktivist_)
  • Fotografien „Beast“, „In the Nordic Light I Shed My Skin“, „Dance with the Dead Cock“- Anthony Clair Wagner (PHD Akademie der bildenden Künste Wien)
  • MONSTERS ´R´UR: The Emergence of a Workshop – Anthony Clair Wagner (s.o.)

 

Meiner Einschätzung nach ist die Publikation sowohl für wissbegierige Newbies als auch eingelesene „Oldies“ gut lesbar. Für Einsteiger_innen ist aber eine gewisse Grundauseinandersetzung mit kolonialer Kritik, Anti-Rassismus, kritischer Weißseinsforschung sowie Basics der Frauen- und Geschlechterforschung wichtig, um inhaltlich folgen zu können. Die inhaltliche Zusammensetzung der Beiträge ist äußerst vielfältig. Selbst wenn der inhaltliche Anspruch eine Brücke zwischen Wissenschaft/Forschung und Aktivismus sein soll, so ist dies eine Publikation für Menschen mit einer Affinität für diziplinübergreifende Analysen und nicht unbedingt ein Spiegel aktivistischer Positionierungen.

Fazit: ein sehr außergewöhnliches, mutiges Werk für Leute, deren Leben und Arbeit einen queer-feministischen und/oder anti-rassistischen, aktivistischen/politischen Anspruch hat und viele verschiedene Themen beleuchtet und Fragen aufwirft und eine gelungene Zusammenfassung für alle Konferenzteilnehmer_innen wie mich, die diese Konferenz sehr inspirierend in Erinnerung haben.

Erhältlich bei Buchhandlung Löwenherz

 

 

 

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