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Queere Partituren

Verfasst von am 17. Juli 2015 – 13:26Kein Kommentar

Anlässlich der Vienna Biennale 2015 zeigt die Kunsthalle Wien noch bis Oktober queere Videoinstallationen von Pauline Boudry und Renate Lorenz.

Ausstellungsansicht Loving, Repeating Foto: Stephan Wyckoff

Ausstellungsansicht Loving, Repeating
Foto: Stephan Wyckoff

Es lohnt sich aus dem grellen Licht des sommerheißen Hofes des Museumsquartiers in die kühle Dunkelheit der Kunsthalle Wien zu flüchten, um in die Bilderwelt der beiden Videokünstler_innen Pauline Boudry und Renate Lorenz einzutauchen. „Diese Ausstellung ist sehr persönlich“, lassen die Künstler_innen in einem Brief an die Besucher_innen wissen, der neben den drei Videoscreens und der Klanginstallation aus den Jahren 2012 bis 2015 ein Objekt der Ausstellung Loving, Repeating ist.

Man sollte diesen Brief gelesen haben, denn die Künstler_innen sorgen sich durchaus zu Recht „über die Unmöglichkeit, es [ein Bild] mit Ihnen [ihrem Publikum] zu teilen.“ Die Einführung von Boudry und Lorenz gibt zumindest Hinweise, wie man die Installationen lesen, die „ephemere Reste der Vergangenheit“ aufsuchen und neu befragen könnte. Die Performances werfen zahlreiche Fragen auf: Etwa nach der Toxizität bestimmter Körper, ihrer Pathologisierung im Zusammenhang mit Aids, die bis zur Kriminalisierung reicht, aber auch nach anderen gesellschaftlichen Ausschlussmechanismen, die auf queere Individuen angewandt werden.

To Valerie Solanas and Marilyn Monroe in Recognition of their Desperation Foto: Stephan Wyckoff

To Valerie Solanas and Marilyn Monroe in Recognition of their Desperation

Der Film To Valerie Solanas and Marilyn Monroe in Recognition of their Desperation geht auf eine Partitur der lesbischen Avantgarde-Komponistin Pauline Oliveros aus dem Jahr 1970 zurück, die sich mit Fragen von Dominanz und Unterdrückung beschäftigt. Fünf Musiker_innen spielen modulierte und nicht-modulierte Töne in einer bestimmten Tonhöhe und beginnen im Laufe des Stückes einander zu imitieren. Sobald eine Stimme zu dominieren beginnt, versuchen die anderen diese zu dämpfen, denn zusammen ergeben die Gegensätze von Individuum und Kollektiv, von Geben und Nehmen, von Unvorhersehbarkeit und Plan „ein Zirkulieren von Macht“, wie es Oliveros ausdrückt.

Opaque

Opaque

Auch in ihrer jüngsten Arbeit beziehen sich Boudry und Lorenz auf ein Manifest, in diesem Fall des Schriftstellers Edouard Glissant, der 1969 das „Recht auf Opazität“ forderte. Und hier zeigt sich auch die Krux dieser Videoinstallationen, die zwar ständig Offenheit fordern, selbst als Kunstwerke aber ausgesprochen hermetisch und abweisend wirken. Es sind zugegeben starke Bilder, die der Film Opaque zeigt, doch entzieht sich schon der Titel ohne die Erklärung der Künstler_innen in ihrem Brief, dem Verständnis, weil wohl kaum jemand das Manifest von Glissant kennt. Mit dem entsprechenden Hintergrundwissen wird aber erfahrbar, was Boudry und Lorenz mit „Respekt vor der Nicht-Transparenz der Anderen“ meinen.

Eine gute Dreiviertelstunde kann man in der Ausstellung Loving, Repeating der lauten Welt im Museumsquartier entfliehen, um in die faszinierenden, queeren Bild- und Tonwelten von Pauline Baudry und Renate Lorenz einzutauchen. Und das täglich von 10-19 Uhr (Donnerstag 10-21 Uhr) in der Kunsthalle Wien im Museumsquartier.

 

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