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Tätigkeitsbericht Zentrum QWIEN 2016

Verfasst von am 3. März 2017 – 10:21Kein Kommentar

Das Jahr 2016 war geprägt durch die Kooperation mit dem Wien Museum bei der ab September 2016 laufenden Ausstellung Sex in Wien. Lust. Kontrolle. Ungehorsam. Neben der kuratorischen Mitarbeit wurden in der Ausstellung auch zahlreiche Exponate aus der Sammlung von QWIEN präsentiert. Die Bestände von Archiv und Sammlung konnten durch umfangreiche Schenkungen erweitert, wissenschaftliche Projekte abgeschlossen und neue begonnen werden. Die Zahl der Benutzer_innen, die Materialien aus der Sammlung von QWIEN für ihre wissenschaftlichen Arbeiten verwendeten, wurde weiter gesteigert. Die Vermittlung der LGBTI-Geschichte Wiens wurde mit dem Queer History Day und zahlreichen Stadtführungen fortgesetzt.

Plakat_Sex_in_Wien_Sujet01 Sex in Wien

Die Ausstellung Sex in Wien. Lust. Kontrolle. Ungehorsam wurde am 15. September 2016 im Wien Museum am Karlsplatz eröffnet und entwickelte sich bis zu ihrer Schließung am 22. Jänner 2017 mit 76.700 Besucher_innen zur erfolgreichsten des Hauses. Sie fand in Kooperation mit QWIEN statt, als Kuratoren arbeiteten Andreas Brunner und Hannes Sulzenbacher im sechsköpfigen Team der Kurator_innen mit, QWIEN-Mitarbeiterin Virginia Hagn war als kuratorische Assistentin mit wissenschaftlichen Hintergrund- und Objektrecherchen betraut. Eine Reihe von Objekten, die in der Ausstellung gezeigt wurden, konnten aus der Sammlung von QWIEN zur Verfügung gestellt werden. Darunter befanden sich etwa das Gefängnistagebuch von Erich Lifka, Bücher und Fotografien aus der Sammlung E. J., die Protokolle der Kommission zur Ausarbeitung eines Strafgesetzentwurfs 1957 sowie Bücher, Plakate und Magazine.

Künstler_innen (auch aus der queeren Kunstszene) setzten einen subversiven Kontrapunkt zu den oft traditionellen Geschlechterbildern, die die Geschichte der Sexualitäten mit all ihren Verboten und Regulierungen dominierten. Dabei spannte sich der Bogen von Valie EXPORT, Bernadette Huber, Michaela Spiegel, zu Krista Beinstein, Pez Hejduk, Gabriele Szekatsch und Mario Kiesenhofer, Matthias Herrmann, Martin Frey und Hans Scheugl.

Bei über zwanzig queeren Spezialführungen konnten die Inhalte zusätzlich vertieft werden.

Forschungsprojekte

Das Forschungsprojekt Die namentliche Erfassung der homosexuellen und transgender Opfer des Nationalsozialismus in Wien konnte aufgrund fehlender finanzieller Mittel noch nicht abgeschlossen werden. Von den 2013/14 etwa 700 erfassten und digitalisierten Strafakten aus den Beständen der Wiener Landesgerichte I und II und des Sondergerichts aus den Jahren 1938-1945 wurden bislang etwa zwei Drittel in der QWIEN Opfer-Datenbank ausgewertet.

Aktendeckel des Strafakts von Josef Kohout, auch bekannt als Heinz Heger. (WStLA)

Aktendeckel des Strafakts von Josef Kohout, auch bekannt als Heinz Heger. (WStLA)

Bei dem aus Mitteln des Nationalfonds der Republik Österreich für Opfer des Nationalsozialismus, des Zukunftsfonds und des Hochschuljubiläumsfonds finanzierten Forschungsprojekt Die Strafverfolgung homosexueller Handlungen durch die NS-Militärgerichtsbarkeit in Wien wurden 2015/16 über 400 Kartons der Gerichtsakten der „Deutschen Wehrmacht“ aus dem Bestand des Österreichischen Staatsarchivs nach Verurteilungen gemäß § 175 durchgesehen. Bei etwa einhundert relevanten Fällen wurden die Strafakten digitalisiert und in der QWIEN Opfer-Datenbank ausgewertet. Der Endbericht wurde 2016 von Mag.a Manuela Bauer fertiggestellt. Erstmals wurde dabei die militärgerichtliche Verfolgung der „Unzucht zwischen Männern“ durch Militärgerichte in Wien und an weiteren Standorten in und um Österreich anhand der umfangreich überlieferten Aktenbestände aufgearbeitet. Damit legt dieses Projekt einen Grundstein und zentralen Beitrag zur Aufarbeitung NS-spezifischer Verfolgungsprozesse, wodurch auch weiteren Forscher_innen die Möglichkeit geboten wird, Folgeprojekte anhand der gesammelten Daten zu initiieren.

Das ebenfalls aus Mitteln des Nationalfonds der Republik Österreich für Opfer des Nationalsozialismus, des Zukunftsfonds und des Hochschuljubiläumsfonds finanzierte Forschungsprojekt ‘Warme‘ vor Gericht. Zu Selbst- und Fremdbildern Homosexueller in der NS-Zeit in Österreich wurde begonnen. Aus den beim Projekt der „Namentlichen Erfassung“ erhobenen Daten werden dabei aus einem Sample Fremd- und Selbstbezeichnungen und -beschreibungen von Männern, die in der NS-Zeit als Homosexuelle verfolgt wurden, destilliert, um historische Identitätsmodelle zu beschreiben und zu rekonstruieren. In der zweiten Jahreshälfte 2017 werden auch zu diesem Projekt Ergebnisse vorliegen.

Tagung „45 Jahre ‚Kleine Strafrechtsreform‘“

Als Mitveranstalter fungierte QWIEN bei der Tagung „45 Jahre ‚Kleine Strafrechtsreform‘“, die am 23. und 24. Juni 2016 in Zusammenarbeit mit der Historisch-Kulturwissenschaftlichen und der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität Wien stattfand. Das Symposion hinterfragte, wie im Untertitel festgehalten, Kontinuitäten und Brüche im Umgang mit Homosexualität(en) in Österreich im 20. Jahrhundert. Der § 129Ib des Strafgesetzbuches von 1852 bestrafte bis zu seiner Aufhebung zum Zuge der sogenannten Kleinen Strafrechtsreform 1971 alle sexuellen Kontakte zwischen Personen desselben Geschlechts. Allerdings wurden im Zuge dieser Reform vier neue Strafrechtsparagrafen eingeführt, deren letzter, § 209, der für homosexuelle Kontakte zwischen Männern ein Mindestalter von 18 Jahren festlegte, erst 2003 abgeschafft wurde.

Queer History Day

Der 3. Queer History Day (QHD) fand am 9. April 2016 im Tagungszentrum der Aidshilfe Wien, Gumpendorfer Gürtel 4, 1060 Wien, statt. Auch der QHD 2016 fand wieder in Zusammenarbeit mit der Lehrveranstaltung „Grundkurs Fachdidaktik“ am Institut für Geschichte der Universität Wien statt. QWIEN setzt damit die Aufbauarbeit der letzten Jahre fort und intensiviert die Vernetzung junger akademischer Forschung mit Lehrer_innen und historisch Interessierten.

Als Teil der Initiativen, die am Bildungskatalog der „Akademie der Vielfalt“ mitgearbeitet haben, wollte QWIEN das Angebot noch attraktiver gestalten, weshalb 2016 der QHD erstmals mit einem Eröffnungsvortrag startete:

Martin Lücke (Professor für Didaktik der Geschichte an der Freien Universität Berlin): Sexuelle Vielfalt im Handlungsfeld Schule. Konzepte aus Erziehungswissenschaft und Fachdidaktik

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Ein Plakat aus der Kampagne von ausgesprochen!

Kurzvorträge und Workshops

  • – Markus Pusnik (Verein Ausgesprochen!): Vielfalt im Schulhaus ist sichtbar! Reflexionen zur Chronologie einer Plakatkampagne
  • – Johanna Taufner (QWIEN): Aktuelle Erinnerungsdiskurse zum Gedenken an homosexuelle Opfer des Nationalsozialismus
  • – Johann Kirchknopf (Universität Wien): Was heißt „homosexuell“ vor Gericht? Die Definierung homosexueller Handlungen durch Gerichte in Österreich im 20. Jahrhundert
  • – Manuela Bauer (QWIEN)/Christopher Treiblmayr (Universität Wien): „Warme“ vor Gericht. Fragen der Selbst- und Fremddefinition Homosexueller in Prozessen der NS-Zeit

Führungen

Neben inzwischen fast klassisch zu nennenden Führungen, wie den Regenbogen-Führungen, die seit 2009 in den Tagen vor der Regenbogen Parade an der Universität Wien stattfinden, fanden 2016 Stadtspaziergänge für Community Gruppen (LMC, HOSI Wien Jugendgruppe), Studierende, private Gruppen, Journalist_innen und Tourist_innen statt. Im Rahmen der Ausstellung Sex in Wien gab es eine Führung zur LGTB-Geschichte rund um das Wien Museum sowie zwanzig queere Spezialführungen durch die Ausstellung.

Archiv und Bibliothek

Papiere von Hermes Phettberg in chronologischer Vorordnung.

Papiere von Hermes Phettberg in chronologischer Vorordnung.

Neben Schenkungen von Büchern und Magazinen aus Privatbesitz erhielten wir drei Sammlungen von größerem Umfang.

Der Vorlass von Hermes Phettberg umfasst neben persönlichen Erinnerungsstücken, Plakaten, Fotografien und Büchern vor allem die Ausdrucke seiner Email-Korrespondenz aus den Jahren 2001 bis 2014, die die Basis seiner wöchentlichen Predigtdienst-Kolumne im Falter darstellen.

Aus dem wissenschaftlichen Nachlass der lesbisch-feministischen Politologin Gudrun Hauer bekam QWIEN einen Bestand an Büchern und Zeitschriften zu den Themen Feminismus, Faschismusforschung und Sexualitätsgeschichte.

Foto (c) QWIEN

Foto (c) QWIEN

Als Schenkung aus einer Wiener Privatsammlung erhielt QWIEN die bekannte Sammlung E. J., die bereits in der Ausstellung Geheimsache: Leben. Schwule und Lesben im Wien des 20. Jahrhunderts (2005) und aktuell bei Sex in Wien ausgestellt war. Ein in Wien lebender und nur mit seinen Initialen E. J. bekannter Fotograf, versteckte in den 1950er und 1960er seine Fotos von nackten, jungen Männern aus Angst vor Entdeckung in ausgehöhlten Büchern. Die Schenkung umfasste neben diesen Büchern samt Inhalt auch mehrere Schachteln mit Negativen und Abzügen aus dem umfangreichen Werk des Hobbyfotografen.

 

Kurt Krickler übergab QWIEN Originaldokumente, Erinnerungsstücke und Fotos von Erich Widschwenter, einem der wenigen österreichischen Opfer der Homosexuellenverfolgung in der NS-Zeit, der noch zu Lebzeiten von seinem Schicksal zu erzählen wagte.

Operative Geschlechtsanpassung von Trans_Personen aus Mysterium des Geschlechts Foto (c) Filmarchiv Austria

Operative Geschlechtsanpassung von Trans_Personen aus Mysterium des Geschlechts
Foto (c) Filmarchiv Austria

Veranstaltungen/Beteiligungen

Auch 2016 setzte QWIEN auf die Vernetzung mit Partner_innen aus unterschiedlichen Communities:

  • Die niederländische Botschaft unterstützte einen Zusammenschluss von Community-Organisationen, die anlässlich des alljährlich am 17. 5. stattfindenden IDAHOT Days (International Day Against Homo-, Bi- & Transphobia) für die Arbeit von Queer Base (Welcome and Support for LGBTIQ Refugees) warben.
  • QWIEN Guide Andreas Brunner führte für den Imagefilm VIENNA/NOW des WienTourismus zu schwulen Sehenswürdigkeiten.
  • Am 21. 1. stellte Andreas Brunner im Rahmen der TRANSITION Queer Film Nights Ein Coming-Out in Filmbildern vor.
  • Am 24. 9. präsentierte QWIEN in Zusammenarbeit mit dem Filmarchiv Austria die Aufführung des wiederentdeckten sexualwissenschaftlichen Films Mysterium des Geschlechts aus dem Jahr 1933.
  • Beim East Meets West Forum 2016 beteiligte sich QWIEN mit einer Stadtführung und einem Kurzvortrag.
  • Im Oktober und Dezember moderierte Andreas Brunner eine Szenische Lesung und Performance der Autorin Karin Rick mit Lucy McEvil.
  • In einer Live-Diskussion diskutierte Andreas Brunner mit Marty Huber am 14. Juni 2016 in Radio FM4 die Frage Wie politisch ist die Regenbogen Parade?
  • Bei Radio Orange war QWIEN 2016 zu Gast bei Pink Voice, der Sendung von MiGay und Radio Positiv der Aids Hilfe Wien

Benutzung

Auch 2016 stieg die Zahl der Benutzer_innen von Archiv und Bibliothek von QWIEN vor allem durch die Anbindung an die universitäre Forschung. Das Mentoringprojekt für eine Gruppenarbeit der Tourismusschule St. Pölten zum Thema Schwule und Lesben als Wachstumsmarkt für die Wiener Tourismusbranche konnte 2016 ebenfalls abgeschlossen werden.

Mitarbeiter_innen

Fast das ganze QWIEN-Team bei der Jahresabschlussfeier in unserer Küche

Fast das ganze QWIEN-Team bei der Jahresabschlussfeier in unserer Küche

Das Team von QWIEN umfasst mittlerweile einen harten Kern von etwa zehn Personen, zwei Fixangestellte (30 Stunden), projektfinanzierte Mitarbeiter_innen, Praktikant_innen und Ehrenamtliche.

Die QWIEN Mitarbeiterin Johanna Taufner schloss 2016 ihre Masterarbeit Entmachtete Erinnerung. Geschichtspolitische Diskurse bei der Errichtung eines permanenten Erinnerungszeichens in Wien für die Verfolgung homosexueller Handlungen im Nationalsozialismus ab.

Die QWIEN Mitarbeiterin Virginia Hagn veröffentlichte im Jahrbuch der österreichischen Gesellschaft zur Erforschung des 18. Jahrhunderts, 30 (2015) den Aufsatz Freundschaftskult? Die Briefe der Isabella von Parma an ihre Schwägerin Marie Christine über die Liebesbeziehung der ersten Frau Kaiser Josephs II. mit seiner Schwester.

Überreichung des silbernen Verdienstzeichens des Landes Wien an Andreas Brunner durch Stadträtin Sandra Frauenberger, Foto: Votava/PID

Überreichung des silbernen Verdienstzeichens des Landes Wien an Andreas Brunner durch Stadträtin Sandra Frauenberger, Foto: Votava/PID

QWIEN Co-Leiter Andreas Brunner veröffentlichte im Februar 2016 im Metro Verlag einen Reiseführer durch die schwule Geschichte der Donaumetropole: Das schwule Wien. Am 11.11. erhielt von Stadträtin Sandra Frauenberger für seine Verdienste um die LGBT-Community das Silberne Ehrenzeichen des Landes Wien verliehen.

 

 

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