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Drei Mal weibliche Musikgeschichte

Verfasst von am 3. Mai 2018 – 12:07Kein Kommentar

Die deutsche Musikwissenschaftlerin Susanne Wosnitzka hält im Mai drei Vorträge zu Frauen in der Musikgeschichte.

Ethel Smyth, 1922 (c) Wikipedia

„Shout, shout, up with your song!“ – Die Komponistin Ethel Smyth

Ethel Smyth – Lesbe, Suffragette, Komponistin, Schriftstellerin. Schöpferin des legendären The March of the Women, die – von Clara Schumann beeindruckt – in Leipzig Komposition studierte, von Johannes Brahms und Gustav Mahler als ‚Schrulle‘ abgetan wurde. Einer ihrer großen Lieben, Pauline Trevelyan, widmete Ethel Smyth ihre spektakuläre Messe in D, zu der sie in München inspiriert wurde und große Unterstützung von Queen Victoria erhielt. Mit Emmeline Pankhurst, dem Flaggschiff der ersten Frauen(wahl)rechtsbewegung, demonstrierte Ethel Smyth um 1910 für die Rechte der Frauen, wurde eingesperrt und dirigierte selbst noch im Gefängnis ihren The March of the Women, der zur Hymne der britischen Frauenbewegung wurde. Nach dem Ersten Weltkrieg und einer Odyssee durch Europa und Ägypten bemerkte Ethel Smyth erste Anzeichen einer späteren nahezu völligen Ertaubung. In England lernte sie Virginia Woolf zu einer Zeit kennen (und lieben), in der sich auch die berühmte Schriftstellerin Gedanken um die Emanzipation der Frau machte. Mit ihren Opern und Kammermusikwerken und als Autobiografin setzte Ethel Smyth mit ihren geistsprühenden Betrachtungen über die Gesellschaft Marksteine. Heute gilt sie als einzige Komponistin Englands, die – trotz Anfeindungen – in einer Zeit erfolgreich war, in der Frauen in ‚Männerdomänen‘ so gut wie noch keine Lobby hatten. Dieser Vortrag ruft die Bedeutung der „Felsensprengerin, Brückenbauerin und Wegbereiterin“ (Virginia Woolf an Ethel Smyth), die Entstehungsgeschichte des The March of the Women und die frühe Lesben- und Frauenbewegung ins Gedächtnis.

Ethel Smyth lebte auch einige Zeit lang in Wien (Hotel Kummer, Maria Hilf), um ihre Opern zu promoten. Dort entstand auch ihre lebenslängliche Freundschaft mit dem Dirigenten Bruno Walter. Zu ihrer Zeit in Wien müsste noch ausführlicher erforscht werden: Mit wem traf sie sich? Wo hielt sie sich sonst auf? Welche Konzerte genoss sie und wo? Konnte sie dort an ein ggf. bereits bestehendes Lesbennetzwerk anknüpfen?

Dienstag, 15. Mai 2018, 19.00 Uhr
STICHWORT Archiv der Frauen- und Lesbenbewegung Wien, Gusshausstraße 20/1A+B, 1040 Wien (Nur für Frauen* zugänglich!)

Vilma von Webenau um 1924, Foto: Arnold Schönberg Center, Wien

Vilma von Webenau – Einführungsvortrag zum Festkonzert zum IDAHOT Day 2018

Der Name der Komponistin Vilma von Webenau (1875-1953) ist heute nur noch Expert*innen bekannt – das soll sich ändern. Anlässlich des IDAHOT Day 2018, des Internationalen Tages gegen Homo-, Trans-, Inter- und Biphobie, geben Studierende und Unterrichtende der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien (mdw) ein Festkonzert mit ihren Werken. Vilma von Webenau, die erste Privatschülerin des Komponisten Arnold Schönberg, war in den 1910er- und 1920er-Jahren Teil des musikalischen Lebens von Wien. Als Komponistin hatte sie es in der männlich dominierten Musikwelt dieser Zeit sicher schwer, als Frau, die wahrscheinlich Frauen liebte, war ihre persönliche Lebenssituation doppelt prekär. Über ihr privates Leben ist wenig bekannt und auch ihr umfangreiches Werk von mehr als 100 Kompositionen harrt einer Wiederentdeckung.

Vor dem Konzert im barocken Schlosstheater von Schönbrunn hält die Musikwissenschaftlerin Susanne Wosnitzka einen Einführungsvortrag, der Eintritt ist frei, es werden aber freiwillige Spenden für Queer Base, mit denen homo-bi-trans-Flüchtlinge unterstützt werden, gesammelt.

Donnerstag 17. Mai, 19.00 Uhr
Schlosstheater Schönbrunn, Schönbrunner Schloßstraße 47, 1130 Wien
Eintritt frei

Susanne Wosnitzka, Foto Edith Schmidt gen. Steinhoff

Die Löwinnen von Paris – Frauen in Hosen an vorderster Front

Für diesen Vortrag öffnet Susanne Wosnitzka ihre Schatzkiste an Wissen mit absolut neuen Erkenntnissen aus historischen Zeitungen zu Frauen in Hosen – darunter auch Lesben – aus der Zeit zwischen 1750 und 1850. Sie entblättert bislang unveröffentlichtes Material zu Heldinnen auf Schlachtfeldern, Frauenarmeen um 1800 in Europa, Vorkämpferinnen der Frauen(wahl)rechte in völlig neuer Facette. Darunter waren die „Löwinnen von Paris“, die selbstbewusst neue feministisch-modische Zeichen setzten, von der Justiz angeprangerte Frauen lautstark unterstützten, gesellschaftliche Tabus brachen und untereinander bestens vernetzt waren.

Auch in Wien schlossen sich adelige und jüdische Frauen zu Vereinen zusammen, um gegen Flüchtlings-, Kriegs- und Frauenelend vorzugehen – feministische Kreise auch hier…

Freitag, 18. Mai 2018, 18.00 Uhr
FrauenLesbenMädchenZentrum, FZ-Bar, Währinger Straße 59, Eingang Perchtlgasse, 1090 Wien (Nur für Frauen* zugänglich!)

 

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