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QWIEN kultur 2007-2010

QWIEN kultur

Ansprechpartner: Andreas Brunner
E-Mail: kultur [at] qwien [punkt] at

Nach Maßgabe der zur Verfügung stehenden Mittel organisiert QWIEN kultur Veranstaltungen zu schwul/lesbischen Themen. Aufgrund der sich einschränkenden Möglichkeiten konnten im Gegensatz zu des ersten Jahren keine Großveranstaltungen mehr organisiert werden. Zudem erfolgte eine zunehmende Konzentration auf die wissenschaftliche Kompetenz des Vereins.

Die Nachhaltigkeit der Arbeit von QWIEN zeigt sich auch darin, dass 2010 in der Zeitschrift „Invertito“ erstmals ein wissenschaftlich fundierter biografischer Aufsatz über Paul Pichier, einen Meister des Pictoralismus, veröffentlicht werden konnte.

2007 – in der Übergangsphase von Ecce Homo zu Zentrum QWIEN – gelang im Sommer mit der Ausstellung „Paul Pichier – Das Negativwerk“ die Wiederentdeckung dieses wichtigen Wiener Fotografen der Jahrhundertwende.

2008 stand ganz im Zeichen der in Wien stattfindenden Fussball-EM. QWIEN veranstaltete einen weltweit ausgeschriebenen Plakatwettbewerb zum Thema Homophobie im Fussball. Die prämierten Plakate wurden während der EM im öffentlichen Raum (Portikus der Kunsthalle im MUQUA) ausgestellt.

2009 wurde die Veranstaltungsreihe „Homo Clash. Nachrichten aus homopolitischen Krisenregionen“ ins Leben gerufen. Ziel der Veranstaltungsreihe ist es den eurozentristischen Blick auf Homosexualität zu hinterfragen und auch zu einem Dialog mit anderen Kulturen einzuladen. Dabei standen die Länder Türkei, Russland und Israel im Blickpunkt. Wichtig ist uns dabei die Zusammenarbeit mit KooperationspartnerInnen in Wien, wie etwa der von der Caritas geführten Brunnenpassage in Ottakring, in der wir eine Podiumsdiskussion über Homosexualität und Migration veranstalteten. Weitere Partner: Stadtkino, Rabenhof, Universität Wien.

QWIEN beteiligte sich mit einem eigenen Schwerpunkt über Derek Jarman im Schikaneder Kino und einer Spezialführung zum Thema „Aids und Kunst“ an der Derek Jarman Ausstellung in der Kunsthalle Wien.
Erstmals kam es auch zu einer Zusammenarbeit mit dem Internationalen Filmfest für Menschenrechte THIS HUMAN WORLD, bei dem QWIEN die schwul/lesbischen Filme des Festivals programmierte.

2010:

Die kulturellen Aktivitäten sind hauptsächlich von Kooperationen bestimmt, da uns die finanziellen Mittel fehlen, um ein umfangreicheres eigenes Kulturprogramm zu entwickeln.

Lesung Simon Fröhlig aus „Lange Nächte Tag“ im Rahmen von Aids2010
Einleitung und Moderation: Andreas Beck (Leiter Schauspielhaus Wien)
Patrick erzählt von der Zeit seiner Amour fou mit Jirka: In der ersten Nacht schleicht er sich aus Jirkas Wohnung – aus Angst, sich an diesem Mann zu verbrennen. Jirka fühlt sich missbraucht und flieht in eine anonyme Sexorgie, bei der er sich mit dem HI-Virus ansteckt. Das Spiel von Nähe und Distanz zwischen den beiden geht weiter, bis Jirka seine Ansteckung gesteht. Simon Froehling beschwört in diesem aussergewöhnlichen Liebesroman den Augenblick, von dem es kein Zurück mehr gibt, eine Geschichte über die Erotik des Todes, über die Lust am Risiko, über den Wunsch, mit einem geliebten Menschen zu verschmelzen, und den zerstörerischen Kräften, die dadurch freigesetzt werden können.
Simon Froehling wurde 1978 geboren, er lebt in Zürich. Nach Arbeits- und Studienaufenthalten in Australien, England, Deutschland und Ägypten hat er sich seit 2005 vor allem als Theaterautor einen Namen gemacht.
Die Lesung fand in Kooperation von Zentrum QWIEN mit der Hauptbücherei Wien und Buchhandlung Löwenherz statt.
Termin: 7. Juni
Ort. Hauptbücherei am Gürtel, 1070 Wien

Filmpremiere „New York Memories“ von und mit Rosa von Praunheim
Nach über 20 Jahren kehrte Rosa von Praunheim nach New York zurück und traf jene drei Frauen wieder, die er in seinem erfolgreichsten Film „Überleben in New York“ (1988) porträtierte. Sein neuer Film „New York Memories“ wird im Top-Kino vorgestellt.
Auf seiner Spurensuche im New York der Nullerjahre suchte Rosa Menschen und Orte auf, die seine Erfahrungen mit dem Leben und Überleben in dieser faszinierenden Stadt prägten. Die wilde Aufbruchsstimmung in der schwulen Szene der späten 1960er Jahre, das Jahrzehnt von Disco und der schrillen Kunstszene um Andy Warhol endete in der Katastrophe von Aids und veränderte die Stadt für immer. Die „Zero Tolerance“ Politik von Bürgermeister Rudolph Giuliani machte die Stadt zwar sicherer aber zerstörte aber auch die vielfältige (schwule) Subkultur. Nach dem Schock der Anschläge von 9/11 wurde Manhattan zu einem Ort der Reichen, Mieten sind kaum noch erschwinglich, selbst alte Künstlerviertel wie das East Village oder die Bowery sind heute schick und die Kreativen längst verschwunden. Wie immer ist Rosa von Praunheim radikal subjektiv, es sind seine Erinnerungen, seine Menschen und Plätze. Aber gerade so gelingen ihm die intimen Momente mit seinen GesprächspartnerInnen und ein intensives, liebevolles Porträt der für Viele faszinierendsten Stadt der Welt.
Im Zusammenarbeit mit THIS HUMAN WORLD 2010
Termin: 9. September
Ort: Top-Kino, 1060 Wien

Lesung Ellen Schernikau aus „Irene Binz. Befragung“
Das intensive Gespräch zwischen Mutter und Sohn fördert Bewegendes zutage: Das Aufwachsen in der DDR, die Umstände der Flucht nach Westdeutschland aus Liebe zum Vater des gemeinsamen Kindes, die Demütigung, als sie erfährt, dass dieser dort heimlich eine andere geheiratet hat, das Misstrauen ihr, der Genossin, gegenüber – Irene Binz, literarisches Alter Ego von Ellen Schernikau, geht weiter ihren Weg und fühlt doch schmerzhaft die Leerstelle der fehlenden Heimat. Dieses Buch ist das berührende Porträt einer ungewöhnlichen, starken Frau, die ihren Überzeugungen treu geblieben ist. Frappierend in seiner Einzigartigkeit, ist es doch auf seine Art exemplarisch für den verkrampften Umgang der beiden deutschen Staaten miteinander – und dessen Konsequenzen bis heute.
Eine Veranstaltung der Volksstimme, unterstützt von Zentrum QWIEN
Termin: 16. September
Ort: Kulturcafé 7Stern, 1070 Wien

Erich Haas im Gespräch
agpro – austrian gay professionals, das Netzwerk schwuler Unternehmer, Fach- und Führungskräfte, und QWIEN – Zentrum für schwul/lesbische Kultur und Geschichte, laden zu einem Promi-Talk mit Erich Haas. Der 91-Jährige war als Hotelier auf vielen Teilen der Erde zu Hause. Er kann von der weiten Welt erzählen – und von der, die so eng ist, dass keine Luft zum Leben bleibt.
Geboren in Siebenbürgen als Sohn des Kurators des Evangelischen Landesbischofs führten ihn die Wirren des Zweiten Weltkrieges über Ungarn nach Wien, wo er auf der monatelangen Flucht den Kriegswinter 1944/45 verbrachte. Als Hotelier fand er schließlich in München Arbeit – als Empfangschef im Hotel Bayerischer Hof, das damals noch in Trümmern lag. Nach dem Wiederaufbau zählte die Weltprominenz zu seinen Gästen – Theodor Heuss, Gina Lollobrigida, Elvis, Prinzessin Soraya und Farah Dibah konnten sich auf seine Zuverlässigkeit und Verschwiegenheit verlassen. In München lernt er auch Klaus kennen – seine große Liebe, die 40 Jahre währte und ihn in viele Teile der Welt begleitete.
Nun packt Erich Haas aus. Und selbstverständlich geht es auch um die schwule Szene der 1950er, 1960er Jahre und die Gefährdung, der sie durch die Gesetzeslage ausgesetzt war.
In Zusammenarbeit mit agpro
Termin: 20.Oktober
Ort: Rotes Kellergewölbe im Felixx, 1060 Wien

Kuratorenführung durch die Ausstellung Gefaltete Schönheit – Meisterwerke der Serviettenfaltkunst für Mitglieder von QWIEN Friends
QWIEN-Exklusivführung mit dem katalanischen Faltkünstler und Kurator Joan Sallas
Die Ausstellung „Gefaltete Schönheit“ ist für uns die Ausstellungssensation dieses Herbstes. Nicht unbedingt ein Blockbuster dafür eine Schau von großem Charme, Witz und mit fundierter kulturhistorischer Information. Wir haben für die QWIEN Friends einen Termin mit dem katalanischen Faltkün…stler und Kurator der Ausstellung Joan Sallas reservieren können.
Das die TeilnehmerInnenzahl mit 25 Personen beschränkt ist, ist eine Anmeldung erforderlich. Reservierung nach Maßgabe der Plätze.
Termin: 27. November
Ort: Hofmobiliendepot, 1070 Wien

Verleihung des 7. agpro-Förderpreises für Leistungen zum Thema Homosexualität
Insgesamt wurden heuer 29 wissenschaftliche Arbeiten aus Österreich, Deutschland und der Schweiz für den 7. agpro-Förderpreis eingereicht und von einem hochkarätig besetzten wissenschaftlichen Beirat begutachtet. Jede Einreichung wurde von zwei Gutachter/innen bewertet, der gesamte wissenschaftliche Beirat kürt auf Basis der Gutachten die Preisträger/innen.
Im Wissenschaftlichen Beirat sind Universitätsangehörige aller Bundesländer Österreichs, von heimischen Fachhochschulen und Pädagogischen Hochschulen vertreten. Beiratsmitglieder von Universitäten in Deutschland, der Schweiz und in Ungarn gewährleisten die internationale Perspektive. Allen Beiratsmitgliedern gemeinsam ist das persönliche Engagement für die Ziele der Gleichstellung Homosexueller.
Dieses Jahr werden die Prämierten mit insgesamt 8.000 € ausgezeichnet.
Termin: 1. Dezember
Ort: Festsaal der Wirtschaftsuniversität Wien
Alle eingereichten Arbeiten für den Förderpreis werden seit 2009 an QWIEN archiv übergeben, um dort für eitere wissenschaftliche Forschungen zur Verfügung zu stehen.

Filmpremiere „Postcard to Daddy“ von und mit Michael Stock
Michael Stock wurde als Kind sexuell missbraucht, jahrelang – von seinem eigenen Vater.
25 Jahre später ist er noch immer auf der Suche nach innerem Frieden. Mit der Kamera besucht er seine Mutter und seine Geschwister. In Gesprächen, eigenen Erzählungen, Familienfilmen und Ausschnitten aus Michaels Projekten entsteht ein Bild seines Lebens. Mit ungeheurer Intensität wird spürbar, wie sehr das Trauma seiner Kindheit alles überschattet.
Trotz des unfassbaren Dramas aber ist POSTCARD TO DADDY nicht von Hass geprägt, sondern von überraschender Hoffnung und Liebe zum Leben. Michael Stock will nicht anklagen, sondern verstehen.
Als er und sein Vater fast gleichzeitig einen Schlaganfall haben, will Michael nicht die womöglich letzte Chance verpassen. Mit der Videobotschaft – der „Postkarte an Daddy“ – im Gepäck besucht er das erste Mal nach Jahren seinen Vater und konfrontiert ihn vor laufender Kamera …
Im Rahmen des Filmfestivals für Menschenrechte THIS HUMAN WORLD
Termin: 8. und 9. Dezember, Top-Kino
Nach der Vorstellung am 8.12. gab es ein Gespräch mit dem Regisseur Michael Stock und der Wiener Psychotherapeutin und Expertin für Gewalt in der Familie Rotraud A. Perner.