"Fridolins heimliche Ehe"
gilt als erster schwuler Roman mit Happy End und stammt aus der Feder des Burgtheaterdirektors Adolf Wilbrandt. 1875 erstmals in Wien veröffentlicht wurde der Roman auch als erster schwuler Roman ins Amerikanische übersetzt.
Fridolin ist ein beliebter Professor in den besten Jahren, "ein Mann wie Graf Egmont". Außer der Haushälterin bevölkern seine Leibschwaben die Wohnung, vier lebhafte Studenten, die regelmäßig zum Essen kommen. In diese Männerwelt tritt Ottilie ein, und sie bringt die Herzen in Wallung. Auch Fridolin ist verliebt, aber seine Konstitution verbietet ihm die Ehe: in ihm sind beide Geschlechter je zur Hälfte vertreten, und jede dieser Hälften sucht ihr Gegenüber. So verzichtet er auf Ottilie, wird dafür jedoch mit einer unverhofften Begegnung belohnt.
Fridolin beschreibt seine Seele schwankend zwischen dem "Nordpol der Männlichkeit" und dem "Südpol der Weiblichkeit", er fühlt sich sowohl zu Frauen als auch zu Männern hingezogen, kann aber mit keinem eine glückliche Beziehung leben, weil er mit sich selbst in "heimlicher Ehe" vermählt ist. Nichtsdestotrotz steuert der Roman auf ein Happy End an der Seite eines jungen Mannes zu.
Der Roman des in Rostock geborenen Adolf Wilbrandt (1837-1911), der einer der Mitbegründer der "Süddeutschen Zeitung" war, wurde oft als literarische Rezeption der Thesen von Karl Heinrich Ulrichs gelesen. Doch zeichnet Wilbrandt seinen Helden weniger als Urning, denn als Mann, den man nach heutigen Kriterien als bisexuell bezeichnen würde.
Nach heutigem Geschmack wohl etwas zu schwülstig, ist Wilbrandts Roman ein historisches Dokument aus einer Zeit, in der Homosexualität fast nur in geheimen Zirkeln diskutiert wurde. Auch Wilbrandt selbst wehrt sich anlässlich einer Bearbeitung des Stoffes fürs Theater gegen die Lesart, mit Fridolin das Porträt eines Homosexuellen geschaffen zu haben. Nichtsdestotrotz gehört der Text heute zu den interessantesten Veröffentlichungen aus dem 19. Jahrhundert, die Homosexualität in belletristischer Form thematisieren.
Der Schauspieler Friedrich Eggers war das realer Vorbild
für Wilbrandts Fridolin

Adolf Wilbrandt, Schöpfer des Fridolin