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Queere Bezirksspaziergänge Alsergrund

QWIEN setzt seine Reihe an queeren Bezirksspaziergängen im September und Oktober im 9. Bezirk fort.

Polizeigebäude Rossauer Lände heute (Foto: Wikipedia)

Nach den Bezirken 4-6 hat QWIEN nun auch mit Unterstützung der Bezirksvorstehung Alsergrund einen queeren Spaziergang durch den 9. Bezirk konzipiert, bei dem der Schwerpunkt auf der Verfolgung von LGBTI in der NS-Zeit liegen wird. Ausgangspunkt der etwa 2-2,5 stündigen Führung ist das ehemalige Polizeigefangenenhaus an der Elisabethpromenade (heute Rossauer Lände), im Volksmund „Liesl“ genannt, in dem tausende Verfolgungsgeschichten von homosexuellen Männern und Frauen ihren Ausgang nahmen. An keinem Ort in ganz Österreich wurde gleichgeschlechtlich Begehrenden in Summe mehr Leid zu gefügt als hier im 9. Bezirk.

Weiter führt der Weg zur berühmten Adresse Berggasse 19, der Praxis von Sigmund Freud, und seinen psychoanalytische Theorien von Homosexualität. Freuds Schrift über weibliche Homosexualität und seine Patientin Margarethe Csonka zeigt den pathologisierenden Umgang der Psychoanalyse mit gleichgeschlechtlichem Begehren. Im selben Haus wohnte vor Freud Alfred Adler, dessen Individualpsychologie großen Einfluss auf das Rote Wien hatte, der aber als Theoretiker und Arzt eine extrem homophobe Haltung zeigte und Homosexuelle als Gefahr für die Gesellschaft sah.

Margarethe Csonka (Foto: QWIEN)

In der Porzellangasse eröffnete Hans Gratzer als erster offen schwuler Theatermacher das Schauspielhaus mit einem Stück des ebenfalls homosexuellen französischen Autors Jean Genet und programmierte auch in späteren Spielzeiten Stücke wie „Bent“ (das erste Theaterstück über das Schicksal Homosexueller in NS-Konzentrationslagern) oder „Angels in America“ (das vielleicht bedeutendste Stück zum Thema Aids). Im selben Haus wohnte Dipl. Ing. Gustav Gschaider, der 1943 von der Kriminalpolizei verhaftet und wegen „Unzucht wider die Natur“ zu 18 Monaten schweren Kerker verurteilt wurde. Sein Schicksal ist prototypisch für die Verfolgung Homosexueller in der NS-Zeit.

Raoul Aslan (Foto: Wikipedia)

Raoul Aslan war einer der großen Stars am Wiener Burgtheater von den 1930er- bis in die 1950er-Jahre. Ganz Wien wusste, dass er in einer Beziehung mit seinem Schauspielerkollegen Tonio Riedl lebte. Auch die politische Führungsriege der Nationalsozialisten wusste von seiner Homosexualität, als Künstler genoss er aber besonderen Schutz. Ein Schutz der einfachen homosexuellen Männern und Frauen nicht gewährt wurde. Zahlreiche von ihnen wurden aufgrund medizinischer Gutachter, die von Medizinern an der Universität Wien erstellt wurden, verurteilt oder in psychiatrische Anstalten eingeliefert wurden. Bei manchen empfahlen die Ärzte die sogenannte „freiwillige Entmannung“, die Verfolgten langjährige Kerkerstrafen oder die Inhaftierung in Konzentrationslagern erparen sollte.

Im Sterbehaus von Ludwig van Beethoven in der Schwarzspanierstraße erschoss sich 1902 der gerade 22-jährige Philosoph Otto Weiniger. In seinem Bestseller „Geschlecht und Charakter“ verband er antifeministische, misogyne Geschlechtermodelle mit Antisemitismus und Ablehnung von Homosexualität. Ein paar Häuser weiter, im evangelischen Bildungshaus in der ehemaligen Schwarzspanierkirche, fanden hingegen in den 1970er-Jahren erste Treffen der sich damals gerade etablierenden Lesben- und Schwulenbewegung statt.

Die Führungen finden am 27. September, 4. Oktober und 17. Oktober, Beginn jeweils 15.00 Uhr statt. Treffpunkt beim ehemaligen Polizeigefangenenhaus, Rossauer Länder, 5, 1090 Wien. Die Teilnahme ist kostenlos, eine verbindliche Anmeldung ist aufgrund der beschränkten Zahl an Teilnehmer*innen aber notwendig: per Email unter guide@qwien.at oder Tel: 01/9660110 (Mo-Fr 10.00-16.00 besetzt); Coroanbedingt ist ein Mund-Nasenschutz mitzuführen.

Mit Unterstützung der Bezirksvertretung Alsergrund

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