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Pin Up! in der Galerie Soldo

Neo-Galerist Mario Soldo präsentiert neue Werke von Artur Singer und Peter Szekely.

Und jetzt auch noch Galerist! Was hat er nicht schon alles gemacht: als Jüngling hat er im legendären U4 Hof gehalten, als Drag Queen Dame Galaxis wurde er zur Mutter aller Wiener Drag Queens, nebenbei gab er der Regenbogenparade ihren Namen, war Talkmaster in von ihm entwickelten TV-Formaten, Modeimpresario, Inhaber der Modellagentur mother agency – und jetzt auch noch Galerist. Das Multitalent Mario Soldo, das sechs Sprachen spricht, im ehemaligen Jugoslawien geboren zu einem Ur-Wiener geworden ist, hat mit seiner Wohnzimmer-Galerie im vierten Bezirk eine neue Berufung gefunden. Wobei Wohnzimmer vielleicht den falschen Eindruck erweckt. Mario Soldo stellt die Werke der Künstler und Künstlerinnen, die er nach seinen persönlichen Vorlieben auswählt, in seinen weitläufigen mit Grünpflanzen dekorierten Wohn- und Arbeitsräumen aus, was einen besonders intimen Eindruck erwirkt. Kunst ist hier nicht distanziert, sie ist Teil des Lebens, des Alltags.

Nun hat Mario Soldo zwei langjährigen Wegbegleiter und Freunde ausgewählt. Im Oktober zeigt die er aktuelle Werke von Peter Szekely und Artur Singer. Die Rosa Lila Villa – die alte, besetzte, wilde Villa vor der Sanierung wohlgemerkt – und das Heaven im U4 waren die Orte, wo sich die drei in den 1980er-Jahren kennen lernten und die sie prägten. Artur Singer, der sein Coming Out, wie er erzählt, im zarten Alter von vierzehn Jahren in der besetzten Arena hatte, zog es in die besetzte Villa, er spielte in Hans Fädlers legendärem Kultfilm Wiener Brut mit und als Reinzeichner in einer Werbeagentur. In Zeiten vor der Computergrafik wurden Anzeigen, Plakatsujets, ja ganze Zeitschriften im Klebelayout produziert, eine Technik die Singer heute bei seinen Collagen zu Gute kommt. Als Grafiker verdiente er nicht schlecht und flog regelmäßig nach London, um sich dort im Heaven-Club durch die Nächte zu tanzen und aktuelle Schallplatten nach Wien mitzubringen. Bis heute blieb Artur Singer seiner Liebe zur Musik treu und legt als DJ King Arthur auf diversen Clubbings auf.

Als er seinen Brotberuf aufgab, holte er sich sein Heaven nach Wien und gründete im U4 den heute legendären und szeneprägenden Club. Seine Wegbegleiter waren dabei neben Walter Bauer von der LMC Vienna, Johannes Hoschek und auch Mario Soldo, der die junge Wiener Clubszene als seine Bühne entdeckte. Die Donnerstagnacht im U4 war bald ein Fixpunkt des schwulen Nachtlebens, vorne der große Dancefloor, hinten der intime Club-Raum – die Keimzelle aller schwulen Clubbings in Wien. Eines Tages fielen Artur Singer Bildbände mit schwulen Aktfotos oder der von ihm verehrten Marilyn Monroe in die Hände, die im Regal verstaubten. Also begann er in einem Prozess des Upcyclings sie zu Collagen zu verarbeiten. Das Handwerkszeug dazu hatte er ja.

Peter Szekely startete seinen künstlerischen Werdegang im Melting Pot in der Villa, wo er nach seinem Studium an der Angewandten mit Freunden wie dem früh an Aids verstorbenen Siegfried Anton Felder, erste Projekte umsetzte. Mit seinen grellbunten Porträts schwuler Männertypen vom Discoboy bis zum Lederkerl, die Pop Art mit einem Touch von Expressionismus mischten, prägten die schwule Szene jener Jahre. Bei der legendären U-Mode im U4 gestaltete er mit selbst bemalten und bedruckten Stoffen eigene Kollektionen und engagierte sich später auch beim Life Ball. Seine Plakate für das Heaven wurden nicht nur in ganz Wien plakatiert, sondern hingen auch in so manchem schwulen Wohnzimmer, denn Peter Szekelys Bilder trafen den Geschmack der Zeit – schrill, bunt, schräg und ziemlich sexy.

In den 2000er-Jahren zog sich Peter Szekely zurück. Nun feiert er gemeinsam mit Artur Singer in der Galerie Soldo ein Comeback. Artur Singer zeigt unter dem Titel Collage Hommage eine Auswahl seine Klebekunstwerke, Peter Szekely bringt bei Les Visages neue Bilder aus den letzten Jahren. Beide Künstler verbindet ihre Vorliebe für weibliche Superstars auf der einen Seite und Männer aus dem schwulen (Nacht)Leben auf der anderen. Artur Singer montiert und komponiert einerseits seine Hommagen von Diven, die ihn beeindrucken, zu vielgestaltigen Collagen und andererseits Männerkörpern zu hocherotischen Bildwerken. Peter Szekely porträtiert in den Serien Les Hommes, Les Femmes und Les Icônes Filmstars der 1930er- bis 1980er-Jahre, von ihm verehrte Ikonen wie Dusty Springfield, Sophia Loren, Marlene Dietrich oder Farah Fawcett-Majors. Neben den Pin-Ups aus Hollywood und dem Himmel der Popmusik dürfen aber auch bei ihm Männer nicht fehlen, die er mit farbigen, starken Pinselstrichen in Acryl strahlen lässt. Mario Soldo brachte die beiden Szenegrößen in einer Ausstellung zusammen!

Die Doppelausstellung „Pin Up!“ eröffnet am 2. Oktober in der Galerie Soldo, Mittersteig 1, 1040 Wien und ist bis 23. Oktober täglich außer Sonntag und Montag von 15.00 bis 19.00 Uhr zu besichtigen. VERNISSAGE am Samstag, 2. Oktober 2021 ab 14 Uhr! Anmeldung über Eventbrite erwünscht!

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