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Fundstück des Monates (Oktober 2021)

Ein signierter Schaumstoffball erinnert an den Tuntathlon aus Anlass der Fußball-Europameisterschaft 2008. Ein kurzer Abriss zur Geschichte des Tuntathlon zeigt, dass man ihn als  Teil des queeren immateriellen Kulturerbes bezeichnen könnte.

Synchronbügeln beim Tuntathlon 2008 (Foto: QWIEN)

Österreich ist reich an immateriellem Kulturerbe. Die UNESCO verzeichnet mehr als 130 Traditionen und Kulturtechniken, die in Österreich dazu zählen. In Wien etwa die Kaffeehaus- und Heurigenkultur, das Stegreifspiel der Tschauner Bühne oder das Rundtanzen am Eis. 2001 ging im Rahmen von Europride der erste Tuntathlon im Votivpark mit großem Hallo und Tratra über die Bühne. Seit der Premiere sind die Disziplinen dabei gleichgeblieben: Die elegante Kür beim Synchronbügeln, das Kräftemessen beim Handtaschenweit-, -ziel- oder -hochwurf und der rasante Stöckelschuhstafettenlauf, bei dem schon manches Schuhwerk zu Schanden gelaufen wurde.

Plakatausstellung HOMO FOUL im MQ 2008 (Foto: Helmut Graf/QWIEN)

Quellen und Erinnerung bleiben zu den Folgejahren lückenhaft. Jedenfalls übersiedelte der Tuntathlon in die Spörlingasse neben der Rosa Lila Villa und ums Eck vom damals beliebten Orlando in der Mollardgasse. Ob das schon 2002 oder erst in späteren Jahren war, ist allerdings ungewiss. Einmal wurde der Tuntathlon dabei aber einmal durch einen Butchathlon mit Autoreifenweitwurf, Bieröffnen und Fussballsynchron-TV-Schauen ergänzt. Im Jahr 2008 gab es dann ein Special im Hof des Museums-Quartiers, auf das sich unser Objekt des Monats bezieht. Zentrum QWIEN veranstaltete zur Fußball-Europameisterschaft HOMO FOUL, einen Plakatwettbewerb zum Thema Homophobie im Fußball. Die besten Plakate wurden während der gesamten Laufzeit der EM im Hof des MQ ausgestellt. Zur Eröffnung fand ein kombinierter Tuntathlon und Butchatlon statt.

Paninibilder Zielwurf (Foto: QWIEN)

Dem Anlass entsprechend wurde der Ablauf des Wettbewerbs abgeändert. Neben dem Synchronbügeln gab es ein Schaumstoffball-Torschießen in Stöckelschuhen und einen Paninibilder-Zielwurfbewerb. Zwei Schaustoffbälle wurden von Teilnehmer:innen und Gästen signiert, darunter auch die Gründer:innen des Tuntathlons: Die Schefin und Queen Mum.

In den Jahren nach 2008 fand der jährliche Tuntenauflauf zunächst unregelmäßig und an wechselnden Orten statt, ab 2011 im 7. Bezirk am Jenny-Steiner-Weg und danach im Helene-Heppe-Park in der Magdalenengasse im 6. Bezirk. Von 2014-2019 gab es jedes Jahr einen Tuntathlon, der sich in den letzten Jahren wieder verstärkten Zulaufs erfreute. 2020 fiel er conornabedingt aus und feierte heuer am Ottakringer Yppenplatz eine fantastische Wiederauferstehung. Mehrere Teams wetteiferten wieder bei den schon traditionellen Bewerben Synchronbügeln, Handtaschenweit/hoch/zielwurf und Stöckelschuhstafettenlauf um eine begehrte Trophäe in Form eines Stöckelschuhs.

Die Aufnahme des Tuntathlons in das Register des immateriellen Kulturerbes der UNESCO muss erst beantragt werden. Ein Schritt in diese Richtung wird vielleicht eine Lehrveranstaltung am Institut für Geschichte der Universität Wien, bei der die Geschichte und die gesellschaftliche Bedeutung des Tuntathlons erforscht werden soll.

Fotos vom diesjährigen Tuntathlon: 2021: https://www.facebook.com/events/345384693798755

PS: Das Zentrum QWIEN sucht Fotos von allen Tuntathlons, die stattgefunden haben. Einzelne Bewerbe sind zwar gut dokumentiert, doch haben wir längst nicht Bilder aus allen Jahren. Vor allem fehlen uns Bilder vom Europride-Tuntathlon und den späteren Jahren.  Fotograf:innen bitte melden!

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