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Fundstück des Monats (Dezember 2022)

T-Shirt mit Mehrwert: Grafik von Siegfried Anton Felder, Foto: QWIEN/Andreas Brunner

Ein T-Shirt mit Mehrwert – Es war ein Heidenspaß, das T-Shirt mit einem Motiv von Siegfried Anton Felder Anfang der 1990er Jahre in öffentlichen Verkehrsmitteln zu tragen. Auf den ersten Blick war die Zeichnung nicht sofort zu lesen, schauten Fahrgäste aber einmal genauer, merkte man, wie sich ihr Blick veränderte. Manche schauten indigniert weg, Andere waren amüsiert, kalt ließ es aber die Wenigsten, wenn sie bemerkten, dass sich zwei Männer, die sich lüstern die Zunge zustreckten, auch an den Schwänzen hielten und sich offensichtlich masturbierten.

Aber die Provokation war nicht Selbstzweck. Am Rücken stand in großen Lettern SAFE SEX. Wiens schwule Community kämpfte in dieser Zeit mit allen Mitteln gegen die Verbreitung der tödlichen Immunschwäche AIDS. Nachdem im März 1983 die ersten Meldungen über AIDS-Tote in Österreich veröffentlicht wurden, war auch die schwule Szene alarmiert. Im Jahr 1985 wurde die Österreichische Aidshilfe gegründet, trotzdem griffen Präventionsmaßnahmen langsam und so stiegen auch in Österreich die Infektionszahlen und in deren Gefolge auch die Zahl der Verstorbenen.

Auch Siegfried Anton Felder, der Schöpfer der Zeichnung auf dem T-Shirt, hatte zu diesem Zeitpunkt seinen Kampf gegen AIDS bereits verloren. Er war am 17. September 1989 im Pavillon Annenheim des Pulmologischen Zentrums Baumgartner Höhe im Alter von nur knapp 29 Jahren an den Folgen von AIDS verstorben. Das T-Shirt wurde erst posthum produziert. Die Initiative hatte der Villa-Bewohner, grüne Bezirksrat und AIDS-Aktivist Hannes Pähler übernommen, der selbst Anfang 1992 an AIDS verstarb.

Siegfried Anton Felder im Park von Schloss Schönbrunn, ca. 1987. Foto: Rudolf Katzer

Siegfried Anton Felder wohnte seit der Besetzung in der Rosa Lila Villa, nach ihrer Renovierung gestaltete er ihren künstlerischen Auftritt. Seine eigenwilligen Typografien, seine Grafiken und Zeichnungen prägten das Erscheinungsbild des Hauses und des neu eröffneten Café Willendorf. Heute gibt es davon nur noch wenige Zeugnisse. Kurz vor seinem Tod schuf er in einer zugemauerten Fensternische im Stiegenhaus der Villa ein Erinnerungszeichen, ein Memento Mori, das an Alle, die unter AIDS litten, erinnern sollte. Leider wurde dieses von achtlosen Aktivist:innen in späteren Jahren weitgehend zerstört.

Daher auch ein Aufruf alle, die diesen Beitrag lesen: Viele Werke von Siegfried Anton Felder sind heute verschollen und unauffindbar. Daher bitten wir alle, die Informationen zu Leben und Werk des Künstlers haben, dass sie sich bei uns melden. Wer hat vielleicht noch Grafiken, Bilder, Einladungskarten oder Fotos? Bitte lasst uns zumindest Kopien zukommen, sie sind Teil unserer Geschichte.

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