{"id":10995,"date":"2025-07-15T21:37:15","date_gmt":"2025-07-15T19:37:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.qwien.at\/nicht-kategorisiert\/queer-anthropology-day\/"},"modified":"2025-07-15T21:37:15","modified_gmt":"2025-07-15T19:37:15","slug":"queer-anthropology-day","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.qwien.at\/en\/qwien\/queer-anthropology-day\/","title":{"rendered":"Queering Volkskunde"},"content":{"rendered":"<p><strong><em>Zentrum QWIEN und das Volkskundemuseum Wien pr\u00e4sentieren eine Tagung zu LGBTIQ*-Themen in Kulturanthropologie, Europ\u00e4ischer Ethnologie und Empirischer Kulturwissenschaft.<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Ehedem vor allem zust\u00e4ndig f\u00fcr \u203aTradition\u2039, \u203aSitte\u2039 und \u203aBrauch\u2039 hat sich die Volkskunde seit den 1970er Jahren stark gewandelt: Weg vom \u203aVolk\u2039, hin zu \u203aBev\u00f6lkerung\u2039. Weg von \u203a\u00dcberlieferung\u2039, hin zu Gegenwartsthemen. Weg vom L\u00e4ndlichkeitskult, hin zum st\u00e4dtischen Leben. Mit diesem Wandel verbunden war auch eine Entdeckung bislang \u00fcbersehener Gruppen: Arbeiter*innen, Juden und J\u00fcdinnen, Frauen und zugewanderte Menschen. Geht es jedoch um \u203aqueere\u2039 Menschen und Sexualit\u00e4ten, bleibt das Fach, das heute an den Universit\u00e4ten meist als \u203aEmpirische Kulturwissenschaft\u2039, \u203aEurop\u00e4ische Ethnologie\u2039 oder \u203aKulturanthropologie\u2039 firmiert, bis heute zur\u00fcckhaltend. F\u00fcr <em>QWIEN \u2013 Zentrum f\u00fcr queere Geschichte <\/em>und das<em> Wiener Volkskundemuseum <\/em>Grund genug, den bereits traditionellen Queer History Day heuer zum \u203aQueer Anthropology Day\u2039 zu machen und Randthemen in die Mitte des Fachs zu stellen \u2013 wenigstens f\u00fcr einen Tag.<\/p>\n<p><strong>Donnerstag 9. Juni, 10.30 &#8211; 17.30 Uhr<\/strong><br \/>\n<strong>Volkskundemuseum Wien, Laudongasse 15-19, 1080 Wien<\/strong><br \/>\n<strong>Eintritt frei!<\/strong><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-6596\" src=\"https:\/\/www.qwien.at\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/Stadt-Wien-Regenbogen-schmal-300x133.jpg\" alt=\"\" width=\"128\" height=\"57\" srcset=\"https:\/\/www.qwien.at\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/Stadt-Wien-Regenbogen-schmal-300x133.jpg 300w, https:\/\/www.qwien.at\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/Stadt-Wien-Regenbogen-schmal-1024x452.jpg 1024w, https:\/\/www.qwien.at\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/Stadt-Wien-Regenbogen-schmal-768x339.jpg 768w, https:\/\/www.qwien.at\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/Stadt-Wien-Regenbogen-schmal-18x8.jpg 18w, https:\/\/www.qwien.at\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/Stadt-Wien-Regenbogen-schmal.jpg 1170w\" sizes=\"auto, (max-width: 128px) 100vw, 128px\" \/>Mit Unterst\u00fctzung der WASt &#8211; Wiener Antidiskriminierungsstelle f\u00fcr LGBTIQ-Lebensweisen<\/p>\n<p>Foto: \u00a9 Matthias Klos, Volkskundemuseum Wien<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\"><strong>Programm\u00fcbersicht\u00a0<\/strong><\/span>(ausf\u00fchrliche Abstacts siehe unten):<\/p>\n<p>10:30-11:00 <strong>Andreas Brunner<\/strong> (Zentrum QWIEN): Begr\u00fc\u00dfung<br \/>\n11:00-11:45 <strong>Peter H\u00f6rz<\/strong> (Hochschule Esslingen (N.)\/Karl-Franzens-Universit\u00e4t Graz): Queering Volkskunde? Zwischenbilanz, Referenzen, Perspektiven<br \/>\n11:45-12:30 <strong>Hans-Peter Weingand<\/strong> (Historiker Graz): Des Knaben Wunderhorn \u2013 revisited.\u00a0Neue Fragen an alte, klassische volkskundlichen Quellen<br \/>\n12:30-13:30 Mittagspause<br \/>\n13:30-14:15 Intervention in die Dauerausstellung: Queere Heimatkunde (Zentrum QWIEN, Guide Gerd Brandst\u00e4tter)<br \/>\n14:30-15:15 <strong>Begonya Enguix Grau<\/strong> (Universitat Oberta de Catalunya): Ambivalence and Paradox in Pride Parades: the Spanish Case (Vortrag in Englisch)<br \/>\n15:15-15.30 Pause<br \/>\n15:30-16:15 <strong>Valentin Guillaume Meneau<\/strong> (Paris-Lodron-Universit\u00e4t Salzburg):\u00a0Queerness and\/or DanceSport: Mapping LGBTQI along a Compulsive Heteronormative Dispositive (Vortrag auf Englisch)<br \/>\n16:15-17:00 <strong>Konstantin Mack<\/strong> (Julius-Maximilians-Universit\u00e4t W\u00fcrzburg): Auf den Hund gekommen \u2013 Spiel, Sexualit\u00e4t und Gemeinschaft im Pup Play<br \/>\n17:00-17.30 <strong>Herbert Justnik<\/strong> (Kurator, Volkskundemuseum Wien) &amp; <strong>Hannes Sulzenbacher<\/strong> (Zentrum QWIEN):\u00a0Wie queer kann ein Volkskundemuseum sein?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<hr \/>\n<p>Ausf\u00fchrliche Informationen zu den Vortr\u00e4gen und Vortragenden (deutsch\/englisch)<\/p>\n<p><strong><em>Queering Volkskunde \u2013 eine Tagung zu LGBTIQ*-Themen in Kulturanthropologie, Europ\u00e4ischer Ethnologie und Empirischer Kulturwissenschaft<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Bis Ende der 1960er-Jahre eine von der Germanistik beeinflusste historische Kulturwissenschaft hat die Volkskunde in den letzten 50 Jahren einen radikalen Wandel durchlaufen. Das Fach reflektierte seinen Beitrag zur Entwicklung der NS-Ideologie und readjustierte sein Selbstverst\u00e4ndnis: weg vom \u00bbLeben in \u00fcberlieferten Ordnungen\u00ab (Schmidt 1947) hin zur problemorientierten Kulturwissenschaft. Weg vom \u203aVolk\u2039, hin zu \u203aBev\u00f6lkerung\u2039. Die Volkskunde sollte \u00bbdemokratische Kulturgeschichtsschreibung\u00ab (Fielhauer 1972) werden und widmete ihre Aufmerksamkeit fortan immer \u00f6fter Gruppen, die lange \u00fcbersehen worden waren: Arbeiter*innen, Gro\u00dfstadtbewohner*innen, Juden und J\u00fcdinnen, migrierte Menschen&#8230; Die Disziplin suchte und fand Anschluss an internationale Diskurse der Schwesterdisziplinen und neue Fachbezeichnungen und firmiert heute als \u203aEmpirische Kulturwissenschaft\u2039, \u203aKulturanthropologie\u2039 oder \u203aEurop\u00e4ische Ethnologie\u2039. Und m\u00f6gen auch Teile der \u00d6ffentlichkeit mit \u203aVolkskunde\u2039 noch immer vorrangig Bauernh\u00e4user, Trachten und das \u203aVolksleben\u2039 im ruralen Raum assoziieren, so belegen auch die Museen, die den Begriff \u203aVolkskunde\u2039 in ihrer Bezeichnung f\u00fchren, immer wieder, dass sie den Wandel der akademischen Disziplin mitvollzogen haben.<\/p>\n<p>Auff\u00e4llig indessen ist, dass das Fach queeren Menschen bis heute nicht allzu viel Beachtung schenkt! Nicht weniger auff\u00e4llig ist, dass das Fach dort, wo es um Sexualit\u00e4ten geht, eher schweigsam bleibt! F\u00fcr <em>QWIEN \u2013 Zentrum f\u00fcr queere Geschichte<\/em> und das Volkskundemuseum Anlass genug, LGBTIQ*-Themen in die Mitte des Fachs zu stellen \u2013 wenigstens f\u00fcr einen Tag. Gesprochen wird etwa \u00fcber die, Prides in Spanien, Heteronormativit\u00e4t im zeitgen\u00f6ssischen Tanzsport, \u00fcber das Puppy Play und \u00fcber einen neuen Blick auf \u00bbDes Knaben Wunderhorn\u00ab. Die Vortr\u00e4ge werden teils in englischer, teils in deutscher Sprache gehalten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\"><strong>Peter H\u00f6rz (Hochschule Esslingen (N.)\/Karl-Franzens-Universit\u00e4t Graz)<\/strong><\/span><br \/>\n<em><strong>Queering Volkskunde? Zwischenbilanz, Referenzen, Perspektiven<\/strong><\/em><\/p>\n<p>Die Volkskunde, die in universit\u00e4ren Kontexten heute lieber als \u203aEmpirische Kulturwissenschaft\u2039, \u203aEurop\u00e4ische Ethnologie\u2039 oder \u203aKulturanthropologie\u2039 firmiert, bietet im Vergleich zu anderen wissenschaftlichen Disziplinen \u2013 hierin sind sich Studierende und Graduierte einig \u2013 reichlich Freiheit: Die Freiheit zur Befriedigung wissenschaftlicher Neugier. Die Freiheit f\u00fcr eigenst\u00e4ndiges Forschen \u203aim Feld\u2039 \u2013 oft schon im BA-Studium. Und, nicht zuletzt, die Freiheit der Themenwahl. Doch \u2013 gilt dies auch im Blick auf LGBTIQ*-Themen und Sexualit\u00e4ten? Nun ja \u2013 irgendwie schon, denn Lesben, Schwule, Bisexuelle, Trans*personen und Sexualit\u00e4ten kommen in Forschung und Lehre vor. Aber wie oft? Und an welchen Fachstandorten? Wer sind die Menschen, die LGBTIQ*-Themen im Fach vernehmlich machen? Und finden Sie Geh\u00f6r? Wo verbleiben jene Fachvertreter*innen, die eine BA- oder MA-Arbeit mit entsprechenden Gegenst\u00e4nden wagen, \u00e0 la longue? Die 2021 unter dem Motto \u00bbSex.Sex.Sex\u00ab ausgerichtete Studierendentagung der Deutschen Gesellschaft f\u00fcr Volkskunde hat gezeigt, dass \u203asolche Themen\u2039 sehr wohl Gegenst\u00e4nde des Fachs sein k\u00f6nnen. Was, aber, so darf gefragt werden, wird dem \u00fcber Sexualit\u00e4ten und LGBTIQ*-Themen forschenden wissenschaftlichen Nachwuchs widerfahren, wenn er den Schon- und Experimentierraum der Universit\u00e4t hinter sich lassen und sich in einem neoliberalen Wissenschaftsbetrieb, in dem auch Politiken der Themenwahl eine Rolle spielen, behaupten muss? Gefragt werden darf, mit der vorangegangenen Frage korrespondierend, ob und wie Sexualit\u00e4ten und LGBTIQ*-Themen Eingang in die Arbeit der \u203aLandesstellen\u2039 und Museen findet. Die Regenbogenbeflaggung am Wiener Volkskundemuseum stimmt hoffnungsfroh. Und tats\u00e4chlich ist in diesem Museum \u2013 und andernorts \u2013 auch themenpolitisch und inhaltlich einiges in Bewegung gekommen. Aber sind LGBTIQ*-Themen in der Mitte des Fachs angekommen? Einstweilen besteht Anlass zu Zweifeln&#8230;<\/p>\n<p>Ausgehend von einer Bestandsaufnahme der Befassung und nicht Nichtbefassung mit LGBTIQ*-Themen im Fach unternimmt der Vortrag R\u00fcckblicke auf Personen der Fachgeschichte, die \u2013 gegen den Mainstream des Fachs \u2013 gezeigt haben, wozu Volkskunde f\u00e4hig ist und wirft die Frage nach den Perspektiven eines \u203aqueering Volkskunde!\u2039 auf.<\/p>\n<p><strong>Bio<\/strong><\/p>\n<p>Peter F. N. H\u00f6rz studierte Empirische Kulturwissenschaft bzw. Volkskunde und Erziehungswissenschat an der Eberhard-Karls-Universit\u00e4t T\u00fcbingen und an der Universit\u00e4t Wien, arbeitete in der Industrie und in verschiedenen Funktionen an den Universit\u00e4ten Bamberg, Bonn und G\u00f6ttingen. Aktuell lehrt H\u00f6rz Soziologie und Politikwissenschaft an der Hochschule Esslingen und Kulturanthropologie\/Europ\u00e4ische Ethnologie an der Karl-Franzens-Universit\u00e4t Graz, h\u00e4lt Seminare an der Dualen Hochschule Baden-W\u00fcrttemberg und an der Julius-Maximilians-Universit\u00e4t W\u00fcrzburg. Neben LGBTIQ*-Themen interessiert sich H\u00f6rz f\u00fcr Arbeitskulturen, (Bio-)Landwirtschaft und Schienen in der Stadt und auf dem Land.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\"><strong>Hans-Peter Weingand (<\/strong><strong>Freiberuflicher Historiker und Kulturwissenschaftler, Graz)<\/strong><\/span><\/p>\n<p><em><strong>Des Knaben Wunderhorn \u2013 revisited.\u00a0<\/strong><strong>Neue Fragen an alte, klassische volkskundlichen Quellen<\/strong><\/em><\/p>\n<p>Fachgeschichtlich haben \u203avolkskundliche\u2039 Aktivit\u00e4ten schon vor universit\u00e4rer Verankerung des Faches zu manchmal gut erhaltenen bzw. dokumentierten Sammlungen gef\u00fchrt. Sei es die Sammlung von Liedern, M\u00e4rchen und Sagen bei Gew\u00e4hrspersonen, seien es Erhebungen zum \u00bbVolkscharakter\u00ab, zu Sitten und Br\u00e4uchen in speziellen Milieus mit Frageb\u00f6gen, sei es die Dokumentation von kuriosen Material an den W\u00e4nden \u00f6ffentlicher Toiletten oder Gef\u00e4ngniszellen.<\/p>\n<p>Lohnt es sich Mut zu fassen, sich in die tiefsten und unheimlichsten Keller der Fachgeschichte zu begeben? Die \u00bbFachgeschichte als M\u00f6glichkeitshorizont der Forschung\u00ab (Arthur Depner), das Vorgefundene als M\u00f6glichkeit f\u00fcr neue Forschungen zu begreifen? Sogar zum Forschungsfeld Sexualit\u00e4t, verbunden mit der Hoffnung auf Quellen jenseits simpler bin\u00e4ren Geschlechterordnungen oder jenseits einer scheinbar alles dominierenden Heteronormativit\u00e4t?\u00a0Welche Eigenschaften werden jenseits juristischer oder medizinischer Fachliteratur den M\u00e4nnern zugeschrieben, die Sex mit M\u00e4nnern haben. Welche Funktion hat hier der Spott? Wie ist es mit gesellschaftlicher Bandbreite der Akzeptanz des Spielens mit Geschlechterrollen bestellt?<\/p>\n<p>(Vortrag in deutscher Sprache mit bilingualer Unterlage)<\/p>\n<p><strong>Des Knaben Wunderhorn \u2013 revisited.\u00a0<\/strong><strong>New questions to old, classic folk-sources<\/strong><\/p>\n<p>There has been activity on the specialist historical front in the field of unusual folk-studies for longer than this discipline has been secured at university level. These activities have, on occasion, led to well-preserved, well-documented collections; this may apply to collections of songs, tales or legends with the persons of reference. They also apply to investigations, questionnaires into ethnic characteristics, into customs and practices within specific environments and groups. In addition, they can apply to the documentation of curious, unusual material gathered from the walls of public toilets or prison-cells.<\/p>\n<p>Is it worth plucking up one\u2019s courage and probing the very depths of the deepest and dimmest pits of historical research? \u00bbSpecialist History as Horizon of Potential in Research\u00ab (Arthur Depner) \u2013 understanding the material available as starting-out point for new research? Applying this even to the field of sexuality-research, combined with the hope of discovering sources way beyond the simplistic binary sexual classifications?<\/p>\n<p>What characteristics are ascribed to men who have sex with men, beyond the realms of legal and medical literature? What role does derision play? And how about the social spectrum when it comes to acceptance of shifting gender roles?<\/p>\n<p><strong>Bio<\/strong><\/p>\n<p>Hans-Peter Weingand, MA MA, geb. 1964, beruflich in der PR-Branche, dann Studium der Geschichte und der Europ\u00e4ischen Ethnologie in Graz. Hier Publikationen zu Halloween, zu literarischen Urspr\u00fcngen des Vampirismus in der Steiermark, zu fachgeschichtlichen Aspekten der Volkskunde (Geramb, Weiser-Aall, Grazer Volkskundemuseum), zur Hochschulgeschichte und zu Fragen rund um die Themen Homo- und Intersexualit\u00e4t. Zuletzt \u00bbSexualit\u00e4t und \u00d6ffentlichkeit im fr\u00fchen 19. Jahrhundert\u201c\u00ab bzw. \u00bbMacht der Bilder, Macht der Mythen: 50 Jahre \u203aStonewall Riots\u2039\u00ab (in: Invertito 23\/2021). Aktuelle T\u00e4tigkeit: Freiberuflicher Historiker und Kulturwissenschaftler.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\"><strong>Intervention in die Dauerausstellung<\/strong><\/span><br \/>\n<em><strong>Queere Heimatkunde: F\u00fchrungen durch das \u00d6sterreichische Museum f\u00fcr Volkskunde (in deutscher Sprache)<\/strong><\/em><\/p>\n<p>Gef\u00fchrt von <span style=\"color: #ff0000;\"><strong>Gerd Brandst\u00e4tter<\/strong><\/span><\/p>\n<p>Volkskundliche Sammlungen beinhalten Objekte \u2013 M\u00f6bel, Arbeitsger\u00e4te, Werkzeug, Haushaltsgegenst\u00e4nde, Textilien \u2013 die \u00fcber lebensgeschichtliche Zusammenh\u00e4nge zumeist l\u00e4ndlich gepr\u00e4gter Bev\u00f6lkerung Auskunft geben sollen. Sexualit\u00e4tsgeschichtlich bedeutete dies eine durch sie hergestellte, a priori angenommene heterosexuelle Organisation. Konsequenterweise entwickelten sich Museen f\u00fcr Volkskunde zu Instanzen der Heteronormativit\u00e4t und streng bin\u00e4r gedachter Geschlechtsidentit\u00e4ten. \u201eQueere Heimatkunde\u201c kann demgem\u00e4\u00df weder auf Objekten in diesen Sammlungen aufbauen noch auf museale Narrative, die diesen Konstruktionen widersprechen. Wenn dies nun mit den vom Zentrum QWIEN in Zusammenarbeit mit dem Volkskundemuseum Wien veranstalteten F\u00fchrungen f\u00fcr \u201equeere Heimatkunde\u201c geschieht, ist deshalb eine weitere Strategie queerer Tradition n\u00f6tig: jene der Aneignung, der Vort\u00e4uschung und der blanken Erfindung. Denn \u201eQueering a Museum\u201c kann auch bedeuten, sich die Deutungshoheit \u00fcber die vorgestellten Narrative einfach zu nehmen, nicht-geschlechtsbin\u00e4re, nicht-heteronormative Denkweisen zu er\u00f6ffnen. Eine Gegenerz\u00e4hlung ist m\u00f6glich, wenn auch \u2013 m\u00f6glicherweise \u2013 unwahr.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\"><strong>Begonya Enguix Grau (Universitat Oberta de Cataluny<\/strong><strong>a)<\/strong><\/span><br \/>\n<em><strong>Ambivalence and Paradox in Pride Parades: the Spanish Case<\/strong><\/em><\/p>\n<p>Before Covid-19, on the first Saturday of July, Madrid hosted the State LGTB (Lesbian, Gay, Bisexual and Transgender) Pride Demonstration with participants from Spanish LGTB activist groups, trade unions, political parties, NGOs and private entrepreneurs. In 2005 Madrid hosted the Europride and in 2017 the WorldPride was held in Madrid. Madrid \u203amainstream\u2039 LGTBI demonstration is, according to the organisers, the biggest LGTB demonstration in Europe. Still organised by activist groups (with the \u203acollaboration\u2039 of entrepreneurs) they avoid the term \u203aparade\u2039 to privilege the term \u203ademonstration\u2039, thicker in political significance. Around a million people participated in it until 2019, and it generated a profit of around 110 million euros for the city of Madrid. The participation of commercially sponsored floats along with the large influx of tourists that visit Madrid feed the discussions on the commercialisation of the event and on the relationship between neoliberalism, identity and protest. These debates are connected to the old tensions (60s-70s) between critical activism and assimilationist\/mainstream activism, that is, between a queer activism which promotes a radical social transformation and a mainstreaming activism which promotes sexual citizenship and human rights. Both are frequently presented as oppositional.<\/p>\n<p>This lecture delves into the paradoxical and ambivalence quality of Pride Parades in Spain through the analysis of three main spheres: bodies, business and politics. I will analyse bodies as political elements, their evolution and their relation with (LGTB) business and politics. Radical and mainstream activism are presented as oppositional; business and politics are often presented as contradictory. I propose to analyse these spheres in different terms in order to discuss how productive the tensions between queer\/radical and mainstream activism are and how productive the tensions between market, spectacle, institutionalised politics and activism can be.<\/p>\n<p>This lecture is based on a ten-year-long ethnographic fieldwork on Pride celebrations (critical and mainstream) in Spain which combined participant observation, digital ethnography, visual methods and in-depth interviews.<\/p>\n<p><strong>Bio<\/strong><\/p>\n<p>Begonya Enguix is an Associate Professor in the Arts and Humanities Department of the Universitat Oberta de Catalunya (UOC, Barcelona). She holds a BA in American Anthropology, a BA in Advertising and a PhD in Social and Cultural Anthropology. Since 2015 she organises the Men in Movement (MIM) International Conferences. In 2019 she held the Aigner Rollett Guest Professorship in Women\u2019s and Gender Studies at Karl-Franzens Universit\u00e4t, Graz, where she still lectures on gender and masculinities.\u00a0She is the PI of the research group \u00bbMedusa: Genders in Transition. Masculinities, Bodies, Affects and Technoscience\u00ab (UOC), recognised as a consolidated research group by the Generalitat de Catalunya and also belongs to other national and international research groups.<\/p>\n<p>She has been involved in national and international research projects on migrations, bodies, masculinity, sexuality, love and digital identities among others. She has just finished the projects \u00bbGenders and Postgenders: A Cartography of Gender Meanings (for Social Transformation)\u00ab (National Programme of R+D), and \u00bbKnitting Sovereignty and Secessionism: Politics, Emotions and Affects\u00ab (Generalitat de Catalunya). She is a member of the Masculinity, Sex and Popular Culture Network (AHRC Research Grants; GB; PI John Mercer, Univ. Birmingham) and of the international project \u00bbQueery\u2019ing resilience: Leveraging information &amp; communication technologies to negotiate gender and sexual minority youth identity and wellbeing within diverse global contexts\u00ab (https:\/\/www.inqyr.org\/) (Social Sciences and Humanities Research Council, Canada).\u00a0She lectures and conducts research on gender (particularly masculinities and other gender expressions), bodies, sexualities, affects, identities, and their assemblage with the digital, with activism and politics.<\/p>\n<p>Among her recent publications are the books \u00bbPensar la antropolog\u00eda en clave posthumanista\u00ab, [Thinking about Anthropology in a Posthumanist Way] (ed. CSIC-Biblioteca de Antropolog\u00eda, edited with Josep Mart\u00ed P\u00e9rez, in press), \u00bbSexualities, Gender and Violence: A View from the Iberian Peninsula\u00ab (edited with Cristina Pereira Vieira, 2020) and \u00bbOrgullo, Protesta, Negocio y otras Derivas LGTB\u00ab [Pride, Protest, Business and other LGTB Becomings] (2019).\u00a0She has recently published the articles \u00bb\u203aOverflown bodies\u2039 as Critical-Political Transformations\u203a (Feminist Theory, 2020, Vol. 21: 4, pp. 465\u2013481), \u00bbRebel Bodies: Feminism as Resistance in the Catalan pro-Independence Left\u00ab (European Journal of English Studies, 2021) and the chapters \u00bbLas (nuevas) masculinidades a debate: poder, privilegio, cuerpo y cuidado\u00ab [A Debate on New Masculinities: Power, Privilege, Body and care] (Madrid: Dykinson, 2020), \u00bbReshaping and Hacking Gendered Bodies: Gay Bears and pro-Independence Catalan Militants\u00ab (New York: Berghan Books, 2021) and \u203aEl hombre bisonte y el cuerpo naci\u00f3n\u00ab [The Bison Man and the Body- Nation] (Barcelona: Icaria, 2022).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\"><strong>Valentin Guillaume Meneau (<\/strong><strong>Paris-Lodron-Universit\u00e4t Salzburg)<\/strong><\/span><br \/>\n<em><strong>Queerness and\/or DanceSport: Mapping LGBTQI along a Compulsive Heteronormative Dispositive<\/strong><\/em><\/p>\n<p>Even though DanceSport nowadays is a multibillion-dollar industry providing leisure as well as professional opportunities to thousands of dancers worldwide, Academia has been quite silent about it. If aspects of DanceSport, such as its grounding in imperialist and neocolonialist practices, or its side products, such as Dancing Stars, have found some interest, its relationship to the LGBTQIA+ community and to queerness in general has scarcely been considered. However, from the standardization of its movement vocabulary in England prior to 1960 until now, DanceSport has experienced great transformations \u2013 not particularly for the better, in terms of inclusivity and diversity.<\/p>\n<p>In this paper, I show how DanceSport transformed along its relationship to queerness. By drawing a different history of DanceSport, I highlight how DanceSport\u2019s dispositive \u2013 its dance vocabulary, but also its costumes, its practices, and its discourse \u2013 have moved away from what was perceived as queer, always aiming towards reinforcing the gender binary and heteronormativity. Constantly threatened by the male dancing body in Western societies, DanceSport\u2019s compulsive and constant effort to create distance with queerness and deviant bodies and sexualities has driven the industry\u2019s evolution over the last 70 years \u2013 a change that can be read on its primary product: competitive dancing bodies.<\/p>\n<p>Not only did this condition the fashion industry attached to DanceSport, or the choreographies, it also resulted in a particularly tensed and awkward relationship with queer dancers, even as Equality competitions \u2013 exclusive competitions for same-sex couples \u2013 blossomed around the world. In a scene constantly misread by academics as camp, queerness is both constitutive and threatening, but never quite about queering DanceSport.<\/p>\n<p>The paper is related to a dissertation project in Dance Studies at the University of Salzburg. The empirical basis of the work is autoethnography, participatory observation, qualitative interviews, image, dance and discourse analysis.<\/p>\n<p><strong>Bio<\/strong><\/p>\n<p>Valentin Meneau (they\/them) completed a Bachelor\u2019s degree in Musicology (Besan\u00e7on), followed by a Master\u2019s in the same discipline and a Master\u2019s in Gender Studies in Graz. In both Master\u2019s theses, they have written about DanceSport, first focusing on the social concept of musicality, then on the way genders are inscribed into DanceSport\u2019s movement vocabulary. In their dissertation, Valentin works on establishing a dispositive analysis of hypersexualized gender performances in DanceSport, for which they use many established methods in Cultural Anthropology. The working title is \u00bbQueering DanceSport \u2013 a Dispositive Analysis of Asymmetrical Hypersexualization in Latin American Competitive Dancing\u00ab. They have been awarded a DOC grant from the \u00d6AW for the project.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\"><strong>Konstantin Mack (Julius-Maximilians-Universit\u00e4t W\u00fcrzburg)<\/strong><\/span><br \/>\n<em><strong>Auf den Hund gekommen \u2013 Spiel, Sexualit\u00e4t und Gemeinschaft im Pup Play<\/strong><\/em><\/p>\n<p><strong><em>\u00a0<\/em><\/strong>Die allj\u00e4hrlichen Pride- bzw. Christopher Street Day (CSD)-Veranstaltungen werden nicht nur immer gr\u00f6\u00dfer, sondern auch vielf\u00e4ltiger und bunter: besonders Teilnehmer:innen mit Hundemasken, Ledergeschirren und Leinen erregen dabei die Aufmerksamkeit von Au\u00dfenstehenden wie Teilen der LGBT-Community selbst. Pup Play ist ein Rollenspiel, das \u00c4hnlichkeiten mit Praktiken des BDSM aufweist, bei dem es darum geht, die Rolle eines Hundes einzunehmen. Die selbsternannten <em>Pups <\/em>oder <em>Puppies <\/em>mimen dazu h\u00fcndisches Verhalten, indem sie sich etwa auf allen Vieren bewegen und bellen; sie spielen mit Hundespielzeug und adaptieren charakterliche Eigenschaften, die gemeinhin mit Hunden assoziiert werden: kurze Aufmerksamkeitsspanne, Neugierde und Loyalit\u00e4t. Gerne greifen Puppies dazu auf bestimmte Ausr\u00fcstung zur\u00fcck, um den \u00dcbergang in die Rolle des Hundes auch nach au\u00dfen hin zu markieren: insbesondere Masken, Halsb\u00e4nder und Leinen, aber auch Knieschoner und Handschuhe sind beliebte Accessoires. Einige tragen Latex- oder Lederkleidung, um ihre Zugeh\u00f6rigkeit zu diesen Fetisch-Szenen auszudr\u00fccken. Pup Play ist kein ausschlie\u00dflich erotischer Fetisch, sondern konstituiert sich vor allem \u00fcber seinen sozialen Aspekt: Pup Play wird in der Regel nicht alleine gespielt, sondern in Interaktion mit anderen Puppies. <em>Herrchen <\/em>und <em>Frauchen <\/em>(im Englischen <em>handler<\/em>) geh\u00f6ren ebenfalls zur Community, spielen aber nicht die Rolle des Hundes, sondern \u00fcbernehmen \u2013 ganz analog zur Mensch-Haustier-Beziehung \u2013 die Verantwortung f\u00fcr einen oder mehreren Puppies und gehen insofern auch eine gewisse l\u00e4ngerfristige Verbindlichkeit ein, sich um die:den andere:n zu k\u00fcmmern.<\/p>\n<p>Meine Abschlussarbeit \u00bbHund m\u00fcsste man sein \u2013 Kulturanthropologische Perspektiven auf Pup Play\u00ab stellt den ersten dezidiert kulturanthropologischen Zugang zu diesem Feld dar. Ein Feld, das ich teilnehmend beobachtend mehrere Monate hinweg intensiv begleitet habe und das trotz seines best\u00e4ndigen Mitgliederwachstums weitgehend unbekannt ist. Dabei werden in der Szene auch Diskurse um den Stellenwert von Arbeit und Freizeit ausgehandelt sowie Fragen nach der (Un-)Sichtbarkeit queeren Lebens gestellt.<\/p>\n<p>Ebenfalls wenig sichtbar sind queere Themen im Vielnamenfach Kulturanthropologie\/Europ\u00e4ische Ethnologie\/Empirische Kulturwissenschaft\/ Volkskunde \u2013 nicht zuletzt aufgrund von gesellschaftlichen Tabus, Marginalisierungen und Stigmata. Daher soll der Vortrag auch Raum geben, diese auszuloten und (selbst-)kritisch derlei H\u00fcrden im akademischen Alltag zu diskutieren.<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><strong>Bio <\/strong><\/p>\n<p>2015\u20132018: B.A.-Studium der Europ\u00e4ischen Ethnologie\/Volkskunde und Philosophie an der Julius-Maximilians-Universit\u00e4t W\u00fcrzburg Abschlussarbeit: \u00bbPolitischer Pop. Der Eurovision Song Contest 2018 im Spannungsfeld zwischen Emanzipation und Antisemitismus\u00ab<\/p>\n<p>2018\u20132021: M.A.-Studium der Europ\u00e4ische Ethnologie\/Volkskunde und Philosophie, in W\u00fcrzburg. Abschlussarbeit: \u00bbHund m\u00fcsste man sein. Kulturanthropologische Perspektiven auf Pup Play\u00ab<\/p>\n<p>Aktuell: Wissenschaftlicher Mitarbeiter und Lehrbeauftragter am Lehrstuhl f\u00fcr Europ\u00e4ische Ethnologie\/Volkskunde in W\u00fcrzburg.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zentrum QWIEN und das Volkskundemuseum Wien pr\u00e4sentieren eine Tagung zu LGBTIQ*-Themen in Kulturanthropologie, Europ\u00e4ischer Ethnologie und Empirischer Kulturwissenschaft. Ehedem vor allem zust\u00e4ndig f\u00fcr \u203aTradition\u2039, \u203aSitte\u2039 und \u203aBrauch\u2039 hat sich die Volkskunde seit den 1970er Jahren stark gewandelt: Weg vom \u203aVolk\u2039, hin zu \u203aBev\u00f6lkerung\u2039. 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