{"id":11000,"date":"2025-07-15T21:37:14","date_gmt":"2025-07-15T19:37:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.qwien.at\/nicht-kategorisiert\/ich-bin-am-webstuhl-der-welt-abhandengekommen\/"},"modified":"2025-07-15T21:37:14","modified_gmt":"2025-07-15T19:37:14","slug":"ich-bin-am-webstuhl-der-welt-abhandengekommen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.qwien.at\/en\/qwien\/ich-bin-am-webstuhl-der-welt-abhandengekommen\/","title":{"rendered":"Ich bin am Webstuhl der Welt abhandengekommen"},"content":{"rendered":"<p><em><strong>Nachruf auf Friedemann, den Teppichweber \u2013 von Andreas Brunner<\/strong><\/em><\/p>\n<div id=\"attachment_5638\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-5638\" class=\"wp-image-5638 size-medium\" src=\"https:\/\/www.qwien.at\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Friedemann-2016-300x300.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.qwien.at\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Friedemann-2016-300x300.jpg 300w, https:\/\/www.qwien.at\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Friedemann-2016-1024x1024.jpg 1024w, https:\/\/www.qwien.at\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Friedemann-2016-150x150.jpg 150w, https:\/\/www.qwien.at\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Friedemann-2016-768x768.jpg 768w, https:\/\/www.qwien.at\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Friedemann-2016-1536x1536.jpg 1536w, https:\/\/www.qwien.at\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Friedemann-2016-12x12.jpg 12w, https:\/\/www.qwien.at\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Friedemann-2016-100x100.jpg 100w, https:\/\/www.qwien.at\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Friedemann-2016.jpg 1638w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><p id=\"caption-attachment-5638\" class=\"wp-caption-text\">Friedemann, der Teppichweber vor seinem Webstuhl, 2016. Foto: privat<\/p><\/div>\n<p>Besuchte man seine Facebookseite trat einem ein soignierter Herr entgegen, kurzes wei\u00dfes Haar, ein gepflegter ebenso wei\u00dfer, kurzer Bart, meist im wei\u00dfen Hemd und Anzug, zumindest mit Gilet. Friedemann, der Teppichweber, wie er sich selbst am liebsten nannte, hie\u00df mit b\u00fcrgerlichem Namen Friedemann Hoflehner und war auf den ersten Blick auch eine durch und durch b\u00fcrgerliche Erscheinung. In Interviews sprach er langsam und bed\u00e4chtig, seine Formulierungen wohl\u00fcberlegt und oft auch in Girlanden schlingernd, bei denen aber der Schelm immer wieder durchblitzte.<\/p>\n<p>B\u00fcrgerlichkeit war in seinem Leben aber keineswegs angelegt. 1946 wurde er in der N\u00e4he von W\u00fcrzburg geboren, in seinem ersten Lebensjahr \u00fcbersiedelte die Familie nach Linz, doch f\u00fchlte er sich nie akzeptiert. Er sei ein ungeliebtes Kind gewesen, in seiner Familie wurde erz\u00e4hlt, dass seine Mutter w\u00e4hrend der Schwangerschaft immer wild die Treppen rauf und runter gesprungen sei, um einen Abortus hervorzurufen. Schon fr\u00fch bemerkte Friedemann, dass er anders war. Sein erster Griff war angeblich der nach dem Bleistift und das Zeichnen sollte auch in seiner Kindheit und Jugend das Mittel seines Ausdrucks bleiben. Bis zu seiner Verhaftung sollte er fast manisch arbeiten: gro\u00dfangelegte Zyklen nach literarischen Vorbildern von Walter Scott oder Prosper M\u00e9rim\u00e9e, Federzeichnungen, Stillleben, Material- und Fotocollagen.<\/p>\n<div id=\"attachment_5639\" style=\"width: 247px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-5639\" class=\"size-medium wp-image-5639\" src=\"https:\/\/www.qwien.at\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Vogelscheuchen-237x300.jpg\" alt=\"\" width=\"237\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.qwien.at\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Vogelscheuchen-237x300.jpg 237w, https:\/\/www.qwien.at\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Vogelscheuchen-808x1024.jpg 808w, https:\/\/www.qwien.at\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Vogelscheuchen-768x973.jpg 768w, https:\/\/www.qwien.at\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Vogelscheuchen-1212x1536.jpg 1212w, https:\/\/www.qwien.at\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Vogelscheuchen-9x12.jpg 9w, https:\/\/www.qwien.at\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Vogelscheuchen.jpg 1616w\" sizes=\"auto, (max-width: 237px) 100vw, 237px\" \/><p id=\"caption-attachment-5639\" class=\"wp-caption-text\">Friedemann der Teppichweber &#8211; Werkstatt\/Malerei &#8211; Abgelegte Narrenkleider &#8211; Vogelscheuchen &#8211; Kimono 2013<\/p><\/div>\n<p>Auch Friedemanns Homosexualit\u00e4t war in der Familie schon fr\u00fch bekannt. Zuerst versuchte sein Vater, ein alter Nationalsozialist, ihn noch zu brechen, aber Friedemann leistete nachhaltig Widerstand, sodass er mit achtzehn aus dem Elternhaus versto\u00dfen wurde. Der Bruch war endg\u00fcltig und wurde nie wieder gekittet, auch mit seinen Geschwistern wird Friedemann zeitlebens keinen Kontakt haben. Ein Schicksal das viele homosexuelle Jugendliche bis heute erfahren m\u00fcssen. Er lebte von Gelegenheitsjobs, fand da und dort Unterschlupf oder schlief auf der Stra\u00dfe. Er sei in seiner Umtriebigkeit nicht zu halten gewesen, erz\u00e4hlte er, auch weil er seine sexuelle Exzessivit\u00e4t als Widerstand gegen das bornierte Elternhaus auslebte.<\/p>\n<p><strong>Verhaftung im Brucknerst\u00fcberl<\/strong><\/p>\n<p>Als er zwei Jahre sp\u00e4ter, 1967, im <em>Brucknerst\u00fcberl<\/em>, dem einzigen Schwulentreffpunkt Ober\u00f6sterreichs in der Linzer Altstadt, der von zwei Frauen gef\u00fchrt wurde und in dessen Hinterzimmer sich die M\u00e4nner n\u00e4her kommen konnten, in eine Ausweiskontrolle geriet, begann die strafrechtliche Verfolgungsmaschinerie zu laufen, die bis zur Strafrechtsreform 1971 die Existenz schwuler M\u00e4nner bedrohte und oftmals schwer besch\u00e4digte. Da er sich nicht ausweisen konnte, wurde er auf die Wache mitgenommen. Den Rest schilderte Friedemann in einigen Gespr\u00e4chen eindrucksvoll:<\/p>\n<div id=\"attachment_5642\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-5642\" class=\"size-medium wp-image-5642\" src=\"https:\/\/www.qwien.at\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Das-Brautbett-der-Elisabeth_reduziert-300x231.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"231\" srcset=\"https:\/\/www.qwien.at\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Das-Brautbett-der-Elisabeth_reduziert-300x231.jpg 300w, https:\/\/www.qwien.at\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Das-Brautbett-der-Elisabeth_reduziert-768x590.jpg 768w, https:\/\/www.qwien.at\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Das-Brautbett-der-Elisabeth_reduziert-16x12.jpg 16w, https:\/\/www.qwien.at\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Das-Brautbett-der-Elisabeth_reduziert.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><p id=\"caption-attachment-5642\" class=\"wp-caption-text\">Das Brautbett der Elisabeth, 1990<br \/>Seite des Mannes (links): H\u00f6he:150cm, Breite: 96cm<br \/>Seite der Frau: H\u00f6he 150cm, Breite 95cm<\/p><\/div>\n<p>Ob er wisse, dass das <em>Brucknerst\u00fcberl<\/em> einen schlechten Ruf habe? Ja. Ob er wisse, dass dort Homosexuelle verkehren? Ja. Ob vielleicht selbst ein solcher sei? Ja. \u2013 Ein Ja, das ihm die Strafe von drei Monaten schweren Kerker einbringen sollte. In der Szene herrschte Angst, die Situation war \u2013 so Friedemann \u2013 im wahrsten Sinne des Wortes furchterregend. Man hatte Angst erwischt zu werden, Angst vor Erpressung, Angst, dass andere einen aus Selbstschutz denunzieren, Angst vor der Reaktion der Familie, vor Ausschluss und Ablehnung, Angst den Arbeitsplatz und die Wohnung zu verlieren, Angst davor sozial ge\u00e4chtet zu sein.<\/p>\n<p><strong>Von der Familie versto\u00dfen<\/strong><\/p>\n<p>Die Familie hatte Friedemann schon verloren, Wohnung und Arbeitsplatz hatte er nicht, er war ohnehin schon ein Outlaw.<\/p>\n<div id=\"attachment_5643\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-5643\" class=\"size-medium wp-image-5643\" src=\"https:\/\/www.qwien.at\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Friedemann-am-Webstuhl-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/www.qwien.at\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Friedemann-am-Webstuhl-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.qwien.at\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Friedemann-am-Webstuhl-16x12.jpg 16w, https:\/\/www.qwien.at\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Friedemann-am-Webstuhl.jpg 720w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><p id=\"caption-attachment-5643\" class=\"wp-caption-text\">Friedemann am Webstuhl, Foto: Inge Z\u00f6rnlaib<\/p><\/div>\n<p>Er landete f\u00fcr drei Tage und N\u00e4chte in der Untersuchungshaft, wo er von bis zu sieben Polizisten eingesch\u00fcchtert, beschimpft und brutal misshandelt wurde, da er keine Namen anderer Homosexueller nennen wollte. Friedemann war davon \u00fcberzeugt, dass sie an ihm kein wirkliches Interesse gehabt h\u00e4tten, sich aber durch seine Festnahme einen Schlag gegen die Homosexuellenszene in Ober\u00f6sterreich erhofft hatten.\u00a0Da er schwieg bekam er ihre Wut ab. Und der Richter wollte ein Exempel statuieren und verh\u00e4ngte zur Strafhaft noch eine dreij\u00e4hrige bedingte Strafandrohung von weiteren drei Monaten Arbeitshaus, die wie ein Damoklesschwert \u00fcber Friedemanns Lebens schweben sollten, nachdem er die Haft im Au\u00dfenlager Asten bei Linz, einem Arbeitslager, abgesessen hatte. Drei Monate, in denen er sich als Freiwild gef\u00fchlt hatte, denn auch in der Strafanstalt war er als homosexueller H\u00e4ftling der sprichw\u00f6rtlich letzte Dreck.<\/p>\n<p>Unmittelbar nach der Entlassung \u00fcbersiedelte er in der Silvesternacht 1967\/68 nach Wien. Vor dem Umzug vernichtete er alle seine k\u00fcnstlerischen Arbeiten, er wollte vollkommen neu beginnen. Er war der Liebe wegen nach Wien gekommen, doch endete die Beziehung schon in der Neujahrsnacht. So strandete er in Wien, auch wenn er hier nicht unbedingt ein unbeschriebenes Blatt war. Schon \u00f6fter hatte er davor aus der Provinz die Szene in Wien besucht und war als neues (jugendliches) Gesicht offen aufgenommen worden. Nun startete er aber unter neuen Voraussetzungen: obdachlos, arbeitslos und vorbestraft.<\/p>\n<div id=\"attachment_5646\" style=\"width: 205px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-5646\" class=\"wp-image-5646 size-medium\" src=\"https:\/\/www.qwien.at\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/KOKON-I_red-195x300.jpg\" alt=\"\" width=\"195\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.qwien.at\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/KOKON-I_red-195x300.jpg 195w, https:\/\/www.qwien.at\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/KOKON-I_red-8x12.jpg 8w, https:\/\/www.qwien.at\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/KOKON-I_red.jpg 640w\" sizes=\"auto, (max-width: 195px) 100vw, 195px\" \/><p id=\"caption-attachment-5646\" class=\"wp-caption-text\">Aus dem 7-teiligen Zyklus Kokon, 1987-1989<\/p><\/div>\n<p><strong>Neustart in Wien<\/strong><\/p>\n<p>Friedemann schlug sich durch, seine Anspr\u00fcche waren nicht hoch. Er fand eine fensterlose Kammer hinter der K\u00fcche eines Gasthofs auf der Laxenburgerstra\u00dfe und einen Job in einer Reindlfabrik in der Nikolsdorferstra\u00dfe, wie er erz\u00e4hlte. Er besuchte die Lokale der Wiener Szene, erinnert sich an das <em>LL<\/em> in der Kopernikusgasse, das er als K\u00fcnstlerlokal beschrieb und das wohl mit dem auch als <em>Lurloch<\/em> oder <em>Kopernikusst\u00fcberl<\/em> bekannten und sp\u00e4ter <em>Nightshift<\/em> genannten Souterrainlokal ident ist. Auch die von zwei Frauen gef\u00fchrte <em>Alte Lampe<\/em> oder das <em>Caf\u00e9 Stangl<\/em>, das er hinter dem Parlament verortet, waren St\u00e4tten des schwulen und bei letzterem auch lesbischen Lebens. Die Abschaffung des Totalverbots gleichgeschlechtlicher Beziehungen in der Kleinen Strafrechtsreform 1971 \u00e4nderte f\u00fcr Friedemann wenig. Zwar fiel die Drohung der Strafhaft nun weg, aber die gesellschaftliche \u00c4chtung blieb weiterhin bestehen. Aber aus der Gesellschaft hatte sich Friedemann ohnehin schon ausgeklinkt.<\/p>\n<p>In keinem seiner im Nachlass erhaltenen biografischen Entw\u00fcrfe wird seine Verurteilung, die Haft und die erlittenen Dem\u00fctigungen mit einer Silbe erw\u00e4hnt. Friedemann inszenierte sein Leben als eine rein k\u00fcnstlerische Existenz. Denn auch in Wien war er weiterhin k\u00fcnstlerisch t\u00e4tig, er verweigerte sich einer b\u00fcrgerlichen Lebensform, hatte nie eine regelm\u00e4\u00dfige berufliche T\u00e4tigkeit.<\/p>\n<div id=\"attachment_5647\" style=\"width: 193px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-5647\" class=\"wp-image-5647 size-medium\" src=\"https:\/\/www.qwien.at\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/KOKON-II_red-183x300.jpg\" alt=\"\" width=\"183\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.qwien.at\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/KOKON-II_red-183x300.jpg 183w, https:\/\/www.qwien.at\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/KOKON-II_red-624x1024.jpg 624w, https:\/\/www.qwien.at\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/KOKON-II_red-7x12.jpg 7w, https:\/\/www.qwien.at\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/KOKON-II_red.jpg 640w\" sizes=\"auto, (max-width: 183px) 100vw, 183px\" \/><p id=\"caption-attachment-5647\" class=\"wp-caption-text\">Aus dem 7-teiligen Zyklus Kokon, 1987-1989<\/p><\/div>\n<p>1973 hatte ihn dann eine Initialz\u00fcndung zum Werkzeug seines k\u00fcnstlerischen Ausdrucks gef\u00fchrt, von dem er in letzter Konsequenz nie mehr weggegangen ist. Am Webstuhl sei er der Welt abhandengekommen, sagte er in einem Gespr\u00e4ch. Er nannte sich nun Friedemann der Teppichweber. Er schuf zahlreiche oft gro\u00dffl\u00e4chige, abstrakte Teppiche, die er, zu thematischen Serien geb\u00fcndelt, mit poetischen Titeln versah. Um 1984 hatte er den Astrologen, Schriftsteller und Aktivisten Robert Blum in der esoterischen Buchhandlung 777 kennen gelernt. Liebe beginnt, schrieb Friedemann in einem biografischen Text. Eine Liebe, der keine Dauer verg\u00f6nnt war. Robert erkrankte in den fr\u00fchen 1990er-Jahren an Aids und starb 1996 nur dreiundrei\u00dfigj\u00e4hrig an den Folgen der Immunschw\u00e4che.<\/p>\n<p>BROKAT IM HERBST DES LEBENS hei\u00dft ein mehrteiliger Teppich-Zyklus aus den 1990er-Jahren, an dem er in der Zeit der Agonie Roberts exzessiv arbeitet, um der Welt, dem Alltag zu entfliehen. Mit seinen Kunstwerken, f\u00fcr die er die Wolle immer selbst f\u00e4rbte, verarbeitete er auch den Verlust Roberts: DIE KLEIDER DER UNSTERBLICHKEIT \u2013 IM SPIEGEL DER EWIGKEIT \u2013 LEICHENTUCH F\u00dcR ROBERT BLUM. Das Teppichweben wurde f\u00fcr Friedemann zum Lebensmittel, zum \u00dcberlebensmittel. Daneben entstehen abstrakte Bilder in der Technik der Kleistermalerei, die er schon als Jugendlicher in der Schule entdeckt hatte. Langsam fand er mit seinen abstrakten, farblich durchkomponierten Teppichzyklen auch in der Kunstwelt Anerkennung. Zahlreiche Einzel- und Gruppenausstellungen folgten. Linz, Wien, Bonn, Klosterneuburg, Baden bei Wien, Manila, Jakarta, Singapur, Bangkok, Hongkong waren die Stationen seines k\u00fcnstlerischen Erfolgs.<\/p>\n<div id=\"attachment_5637\" style=\"width: 1034px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-5637\" class=\"wp-image-5637 size-large\" src=\"https:\/\/www.qwien.at\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Frauenbad-1997-1024x681.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"681\" srcset=\"https:\/\/www.qwien.at\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Frauenbad-1997-1024x681.jpg 1024w, https:\/\/www.qwien.at\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Frauenbad-1997-300x199.jpg 300w, https:\/\/www.qwien.at\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Frauenbad-1997-768x510.jpg 768w, https:\/\/www.qwien.at\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Frauenbad-1997-1536x1021.jpg 1536w, https:\/\/www.qwien.at\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Frauenbad-1997-16x12.jpg 16w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><p id=\"caption-attachment-5637\" class=\"wp-caption-text\">EINE BR\u00dcCKE \u00dcBER DEN WOGEN DER TR\u00c4UME &#8211; Friedemann der Teppichweber &#8211; Tapisserie &#8211; Fragment in sechs Teilen &#8211; Gedacht als REQUIEM F\u00dcR MURASAKI SHIKIBU &#8211; 1985\/1986 &#8211; 800 cm x 330 cm &#8211; Ausstellung im Frauenbad, Baden bei Wien, 1997 &#8211; Foto: A. Ehrlich<\/p><\/div>\n<p>Eine Reise nach Toledo auf den Spuren des spanischen Malers El Greco st\u00fcrzte ihn 2007 in eine schwere k\u00fcnstlerische Krise. Er sagte alle schon geplanten Ausstellungen ab und zog sich zur\u00fcck. Doch die schicksalshafte Begegnung mit Me\u00efr Z\u00f6rnlaib brachte eine gl\u00fcckliche Zeit, wie Friedemann festhielt. In den Jahren 2009 bis 2012 trat Friedemann in einer Reihe von Interview-Projekten auf, in denen er freim\u00fctig von seinem Schicksal als verfolgter schwuler Mann erz\u00e4hlte. Neben seinen Webarbeiten widmete er sich in seinen letzten Jahren auch verst\u00e4rkt der Fotografie.<\/p>\n<p>Am 29. Oktober 2020 setzte eine Gehirnblutung seinem nach wie vor von Tatendrang gepr\u00e4gten Leben unerwartet ein Ende.<\/p>\n<p>Informationen zu Friedemann, dem Teppichweber findet man auf seiner <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/friedemann.hoflehner\">Facebookseite<\/a>.<\/p>\n<p>Und in den Filmen:<\/p>\n<ul>\n<li><a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=V_5l4rY-BHc\">Stonewall in Wien: Friedemann Hoflehner<\/a> (2009)<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/vimeo.com\/10629683\">Schlafen in Wien\/Hotel F\u00fcrstenhof:<\/a> Fr\u00fchst\u00fcckssaal &#8211; Friedemann und die Absenz (2010), ein Gipfelfilm von Karin D\u00fcrr und Carolin R\u00f6ckelein<\/li>\n<li><em>Warme Gef\u00fchle. Vier Liebesgeschichten aus \u00d6sterreich<\/em> (2012) von Katharina Miko und Raffael Frick, erh\u00e4ltlich bei <a href=\"https:\/\/www.loewenherz.at\/index_lw_nr.php?LWNR=9716\">L\u00f6wenherz\u00a0<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nachruf auf Friedemann, den Teppichweber \u2013 von Andreas Brunner Besuchte man seine Facebookseite trat einem ein soignierter Herr entgegen, kurzes wei\u00dfes Haar, ein gepflegter ebenso wei\u00dfer, kurzer Bart, meist im wei\u00dfen Hemd und Anzug, zumindest mit Gilet. 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