{"id":11115,"date":"2025-07-15T21:37:08","date_gmt":"2025-07-15T19:37:08","guid":{"rendered":"https:\/\/www.qwien.at\/nicht-kategorisiert\/feministische-w_orte\/"},"modified":"2025-07-15T21:37:08","modified_gmt":"2025-07-15T19:37:08","slug":"feministische-w_orte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.qwien.at\/en\/qwien-books\/feministische-w_orte\/","title":{"rendered":"feministische w_orte"},"content":{"rendered":"<p><em><strong>die kompetenteste publikation zu feministischer linguistik rezensiert von sara ablinger<\/strong><\/em><br \/>\n<em>\u00a0&#8220;was das buch nicht macht und hat: es gibt nicht die &#8220;richtige&#8221;, nicht-diskriminierende sprachform und -weise, die hier nachlesbar und auswendiglernbar w\u00e4re &#8211; es fordert dazu auf, selbst nachzudenken und reflektiert zu sprachhandeln. [&#8230;] was das buch macht und ist: [&#8230;] es macht deutlich, dass sexismus immer auch zusammen, also interdependent, mit rassismus und ableismus sprachlich realisiert wird.&#8221;<\/em> (s.13f.)<br \/>\nwas das buch macht und auch gut kann: an grenzen gehen. es geht insofern an grenzen, dass es leute, die mit queer-feministischem sprachgebrauch nix am hut haben, ziemlich sicher nach ziemlich kurzer zeit in die luft schl\u00e4gt. einerseits weil linguistische theorie kompliziert und nicht ganz so einfach lesbar ist, andererseits weil mensch ein bisschen vor-wissen oder vor-ahnung von den inhaltlichen komponenten, n\u00e4mlich diskursen zu diskriminierungsformen wie sexismus, rassismus und ableismus haben sollte. ansonsten taucht eine person sofort weg. au\u00dfer nat\u00fcrlich es handelt sich um eine_n linguist_in, dann versteht die person diesen theoretischen zugang &#8211; eine &#8220;berufskrankheit&#8221; quasi. es ist also ein buch vorwiegend f\u00fcr queer-feminist_innen (oder eben passionierte linguist_innen), die sich mit sprachgebrauch zumindest schon einmal auseinandergesetzt haben. und denen das thema so sehr am herzen liegt, dass sie die h\u00fcrden \u00fcberspringen wollen. mir liegt das thema am herzen, darum hab ich mich auch reingekniet. und ich bin froh dr\u00fcber. es ist ein buch, das sich an einem guten tag f\u00fcr mich durchaus leicht lesen l\u00e4sst. an einem kopfweh-tag oder unter zeitdruck ist es nicht zu empfehlen, schlie\u00dflich ist es keine erholungslekt\u00fcre. es ist das gegenteil, aber in einem positiven sinn. dieses buch erfordert viel reflexion.<br \/>\nes ist eine tolle sammlung an verschiedenen schreibweisen und deren bedeutung. es zeigt verstrickungen, unterschiedliche diskriminierungsmechanismen mit der einen oder anderen sprach- und schreibwahl.<br \/>\ndas buch ist in mehrere kapitel gegliedert, anf\u00e4nglich mit den grundlagen zu sprache und diskriminierung und zu sprachkonzepten. der_die autor_in versteht sprache und\u00a0<em>&#8220;sprachliche \u00e4u\u00dferung und sprachliche manifestation<\/em>&#8221; (s.23) nat\u00fcrlich als handlungselement. <em>&#8220;in kapitel iii stelle ich meine konzeption von genderismus vor, die in anlehung an die idee von sexismus und in weiterf\u00fchrung der ausdifferenzierung von sexismus von alyosxa tudor und mir in \u00b4feminismus schreiben lernen\u00b4(2011) aufzeigt, wie differenziert und grundlegend sich genderismus\/sexismus, immer interpendent mit rassismus und ableismus manifestiert und wirkt und wie sexismus\/genderismus jeweils interdependentem genderismus, gebe beispiele f\u00fcr ihre sprachliche realisierung und differenziere unterschiedliche argumentationsformen von genderismus.&#8221; (s.24)\u00a0<\/em><br \/>\nvon diesen analysen ausgehend folgen kapitel z.b. zu verschiedenen anti-diskriminatorischen sprachweisen und interventionen.<br \/>\nweiters gibt es er\u00f6rterungen zur kleinschreibung als auch einen glossar mit den zentralen begrifflichkeiten. besonders die kleinschreibung ist f\u00fcr viele ungew\u00f6hnlich und dennoch begeistert sie mich.<em>&#8220;dadurch, dass ich angefangen habe, alles kleinzuschreiben, habe ich auch angefangen, die substanz von substantiven st\u00e4rker zu hinterfragen, habe die essentialisierung von substantiven aufgel\u00f6st, angefangen aufzul\u00f6sen, habe substantivische setzungen st\u00e4rker in bewegung versetzt, st\u00e4rker herausgefordert, neu gefasst, neu losgelassen. [&#8230;] kleinschreibungen vereinfachen f\u00fcr mich die m\u00f6glichkeit, einer vielfach ausschlie\u00dfenden normsprache&#8221; <\/em>(s.25) als ich am anfang meines studiums eine arbeit zu genre\u00fcbergreifenden dadaistinnen schrieb, durften wir das k\u00fcnstlerische auch in unsere arbeit einflie\u00dfen lassen. ich entschied mich alles klein zu schreiben. weil ich es kreativ fand. seither schreibe ich am liebsten klein. am liebsten auch wissenschaftliche arbeiten. denn: was der_die autor_in im zitat beschreibt, war auch meine wahrnehmung. auf einmal erhielt ich einen ganz anderen eindruck \u00fcber sprache, hierarchien wurden f\u00fcr mich sichtbar. kleinschreibung hat etwas revolution\u00e4res, finde ich.<br \/>\n<em>&#8220;wissenschaftliches schreiben wird h\u00e4ufig als ent_personalisierung verstanden, als ent_fremdung vom eigenen, als abstraktionsf\u00e4higkeit und generalisierung. diese impulse laufen in meiner auffassung feministischen vorstellungen zu wissen, wahrheit, subjekt und politischer handlung zuwider und untergraben sie. wie in allen situationen, so ist auch ein feministisches besch\u00e4ftigen mit sprache von mehreren paradoxen gekennzeichnet, die es gleichzeitig auch immer weider ausmachen und aufrufen:<\/em><br \/>\n<em>&#8211; die institution akademischer wissensproduktion mit ihren expliziten wie impliziten normen und regeln bedingt vorstellungen dazu und stellt sie auch immer wieder her, was wissen sei, was sprachhandlungen sind. eine feministische, anti- oder contra_rassistische und -ableistische wissenschaftskritik fordert vorstellungen von objektivit\u00e4t, allgemeing\u00fcltigkeit ganz grundlegend heraus. in dem verbleiben in aber genau dieser institutiton werden diese normen zugleich auch immer wieder aufgerufen, ihre ver\u00e4nderungen und herausforderung ist also immer auch nur ein st\u00fcckweit m\u00f6glich und gleichzeitig wird der status und dir vorstellung davon, was wissenschaft sei, auch immer wieder re_produziert.\u00a0<\/em><br \/>\n<em>&#8211; die sprachlichen instrumentarien und konventionen, die menschen meinen, dass sie ihnen zur verf\u00fcgung st\u00e4nden und die h\u00e4ufig als sprache jenseits des sprechens wahrgenommen werden, sind gepr\u00e4gt von interdependeten diskriminierungsstrukturen, die \u00a0sie normalisieren und die durch sie gleichzeitig auch immer wieder affirmativ hervorgebracht werden. wie kann also eine soziale ver\u00e4nderung mit und in diesen als vorg\u00e4ngig und als begrenzungen und ressourcen erlebten sprachformen stattfinden? inwiefern sind alle versuche von sprachver\u00e4nderungen nicht also gleichzeitig immer auch schon und wieder \u00a0in eine diskriminierende gesellschaftliche sturuktur einverleibt?&#8221; <\/em>(s.16f)<br \/>\nder_die autor_in st\u00fctzt sich auf bedeutende pers\u00f6nlichkeiten wie die* afro-deutsche may ayim,\u00a0bell hooks, grada kilomba, audre lorde, luise f. pusch mit ihrer feministischen sprachkritk, den* \u00f6sterreichischen wissenschaftler persson perry baumgartinger, deborah cameron und ihre* frage nach &#8220;warum ist sprache ein feministisches thema?&#8221;, evelyn hayn, marlis hellinger, u.a., die dem fachpublikum in den meisten f\u00e4llen bekannt sind.<\/p>\n<div>r\u00e9sum\u00e9: dieses buch ist analyse, kritik und forderungskatalog auf h\u00f6chstem niveau. und obwohl es mich interessiert, habe ich es nicht geschafft fertig zu lesen. ich finde die ans\u00e4tze spannend und werde wieder weiterlesen, wenn sich das bisher gelesen ein bisschen in meinem hirn verfestigt hat.<\/div>\n<div>das beste werk zur feministischen linguistik, das ich jemals gelesen habe. keines ist so achtsam in bezug auf die verschr\u00e4nkung von diskriminierungsachsen. wunderbar!<\/div>\n<div><\/div>\n<div><em><strong>hornscheidt, lann. feministische w_orte. ein lern-, denk- und handlungsbuch zu sprache und diskriminierung, gender studies und feministischer linguistik, frankfurt am main: brandes &amp; apsel 2012<strong><em>,\u00a0<\/em><\/strong><\/strong><\/em>erh\u00e4ltlich bei\u00a0<a href=\"http:\/\/www.loewenherz.at\/index_lw_nr.php?LWNR=9218\">L\u00f6wenherz<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\t\t\t\t<![CDATA[]]>\t\t<\/p>\n","protected":false},"author":4,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[267,271],"tags":[],"class_list":["post-11115","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-qwien-books","category-literature-archive","grve-entry-item","grve-blog-item"],"acf":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v27.5 - 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