Wien gedenkt vergessener Opfer.
18. November 2014 – 13:57 | Kein Kommentar

Gemeinsam mit der Wiener Antidiskriminierungsstelle für gleichgeschlechtliche und transgender Lebensweisen (WASt) und dem KÖR (Kunst im öffentlichen Raum) veranstaltet QWIEN eine Fachtagung über die zeithistorischen, gesellschaftlichen, queeren und künstlerischen Dimensionen des Gedenkens an homosexuelle und …

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Wien gedenkt vergessener Opfer.
18. November 2014 – 13:57 | Kein Kommentar

Gemeinsam mit der Wiener Antidiskriminierungsstelle für gleichgeschlechtliche und transgender Lebensweisen (WASt) und dem KÖR (Kunst im öffentlichen Raum) veranstaltet QWIEN eine Fachtagung über die zeithistorischen, gesellschaftlichen, queeren und künstlerischen Dimensionen des Gedenkens an homosexuelle und transgender NS- Opfer. Die eineinhalbtägige Konferenz soll die Diskussion über ein entsprechendes Denkmal neu beleben.

L2322_2014_Einladung_WAST_2014_Pant7512_Seite_1 komprimiertange Zeit war der Gedenkdiskurs über verfolgte homosexuelle Männer und Frauen vom Kampf um die Anerkennung als Opfergruppe geprägt. ZU SPÄT hatte die Österreichische Bundesregierung 2005 auch die Homosexuellen als Opfergruppe der NS-Verfolgung offiziell anerkannt. Ab 1995 konnten Homosexuelle beim Nationalfonds der Republik Österreich für Opfer des Nationalsozialismus um eine einmalige Entschädigungszahlung ansuchen, auf eine vollständige Gleichstellung mit anderen Opfergruppen, die einen Rechtsanspruch dargestellt und etwa auch eine Anrechnung von Haftzeiten auf die Pension bedeutet hätte, mussten sie indes bis 2005 warten. Es ist kein homosexuelles Opfer bekannt, das Entschädigungsleistungen nach dem Opferfürsorgegesetz noch in Anspruch hätte nehmen können.

Die Ausstellung Aus dem Leben am Heldenplatz zu Europride 2001 war die erste große Auseinandersetzung mit dem Gedenken an homosexuelle NS-Opfer und wurde noch in der Nacht vor der Eröffnung teilweise zerstört. Die Forderung nach einem eigenen Mahnmal für diese Opfergruppe wurde vom Wiener Kulturstadtrat aufgegriffen, ein Wettbewerb ausgelobt und Hans Kupelwieser als Sieger präsentiert. Sein Rosa Teich wurde von Teilen der Community gefeiert, von anderen aber auch als bedeutungsleer und banal abgelehnt. Aufgrund des Scheiterns der Umsetzung des Siegerentwurfs beschloss die Stadtregierung, wechselnde temporäre “Homo-Mahnmale” zu errichten. Drei waren bisher am Morzinplatz zu sehen. Für 2015 ist ein weiteres geplant, dessen Künstler_in auf der Tagung vorgestellt werden soll.

Kunst im öffentlichen Raum. Carola Dertnig: ZU SPÄT

Foto: KÖR/Stephan Wyckoff

2010 Ines Doujak: Mahnwache

2011/2012 Carola Dertnig: Zu Spät

2013/2014 Jakob Lena Knebl: Schwule Sau

Im rot-grünen Regierungsabkommen war die Neuausschreibung eines Mahnmals vereinbart. Nachdem der Morzinplatz als Standort nicht mehr in Frage kam, weil städtebauliche Maßnahmen an diesem schwierigen Platz nicht durch ein weiteres Denkmal präjudiziert werden sollten, war nicht nur die Frage eines neuen Standorts offen. So haben etwa die Diskussionen um das Mahnmal in Berlin gezeigt, wie wichtig es ist, vorab zu klären, wen ein Denkmal repräsentieren soll. Dabei geht es nicht um kleinliche Gewichtungen zwischen schwuler, lesbischer oder trans* Verfolgung, sondern vielmehr um die Frage, ob der nationalsozialistischen Homosexuellenverfolgung nicht in einem zeitlichen Verfolgungskontinuum gedacht werden soll.

In der von WASt , KÖR und QWIEN veranstalteten Tagung werden aktuelle Mahnmaldiskurse reflektiert, die anregen das Gedenken an die Opfergruppe der Homosexuellen neu zu diskutieren. Die symbolischen Bindung der Communities zu den Opfern – im Gegensatz zu anderen Opfergruppen gab es bei Lesben und Schwulen ja praktisch keine familiären Bindungen zu den Verfolgten – beeinflussen dabei alle maßgeblichen Entscheidungskriterien für eine Neuausschreibung. Unter Einbeziehung der interessierten Communities werden im Rahmen der Tagung sowohl ästhetische, gesellschaftspolitische als auch historische Fragen des Gedenkens diskutiert. Die Tagung findet bei freiem Eintritt am 28. und 29.11. im Palais Epstein und im Wiener Rathaus statt. Eine Anmeldung ist unbedingt erforderlich.

Gedenken neu gedacht – Wien gedenkt vergessener Opfer.
Zeithistorische, gesellschaftliche, queere und künstlerische Dimensionen des Gedenkens an homosexuelle und transgender NS-Opfer

Freitag, 28. November 2014, Palais Epstein

13.30 Anmeldung

14.00 Begrüßung durch Mag. Wolfgang Wilhelm, WASt; Mag. Andreas Brunner, Mag. Hannes Sulzenbacher, QWIEN

Eröffnung der Konferenz durch Stadträtin Sandra Frauenberger & Stadtrat Andreas Mailath-Pokorny

14.30 Späte Anerkennung oder symbolpolitisches Feigenblatt? Zur Bedeutung eines Mahnmals für homosexuelle NS-Opfer

Dr.in Corinna Tomberger, Humboldt-Universität zu Berlin

15.30 Vom Scheiterhaufen zum Standesamt. Perspektivenwechsel von der Pathologisierung zur Gleichstellung

Mag. Wolfgang Wilhelm, WASt

16.00 Kaffeepause

16.30 Die Verfolgung Homosexueller und Transgender während der NS-Zeit in Wien

Mag. Andreas Brunner, Mag. Hannes Sulzenbacher, QWIEN

17.30 Zukunft gestalten. Ein Mahnmal als Anstoß

Andreas Pretzel, Dipl. rer cult, Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft Berlin

18.00  – 19.30 Panel: Was will die Wiener Community?

Mag. Wolfgang Wilhelm im Gespräch mit Mag.a Eva Fels, TransX; Dr.in Marty Huber, Türkis Rosa Lila Tipp; Dr.in Jennifer Kickert, Grüne andersrum; Dr.in Mariam Vedadinejad, QueerAmnesty; Mag. Andreas Brunner, QWIEN; Mag. Kurt Krickler, HOSI Wien; Dr. Manfred Lang, Sozialdemokratische LSBTI Organisation

20.00 Abendempfang im Wiener Rathaus

Samstag, 29. November 2014, Wiener Rathaus, Wappensaal

08.30 Anmeldung

09.00 Denkmäler für Homosexuelle. Entstehungsbedingungen, Debatten und künstlerische Konzepte

Prof.in Dr.in Stefanie Endlich, Universität der Künste Berlin

09.50 Welcher NS-Opfer gedenken wir – An welche NS-Opfer soll ein Homosexuellen-Mahnmal erinnern?

Apl. Prof. Dr. Michael Schwartz, Westfälische Wilhelm-Universität Münster

10.40 Kontinuum der Verfolgung homosexueller Menschen in Österreich

Albert Knoll, KZ-Gedenkstätte Dachau

11.30 Kaffeepause

12.00 Der lokale (Mahnmal-)Kunstdiskurs

Rektorin Mag.a Eva Blimlinger, Akademie der Bildenden Künste Wien

12.30 Was macht die Stadt mit einem Mahnmal? Was macht ein Mahnmal mit der Stadt?

Mag.a Martina Taig, KÖR Kunst im öffentlichen Raum Wien

13.00 Mittagspause mit Buffet

14.30 Workshops parallel

Workshop 1: Wessen gedenken wir?

Apl. Prof. Dr. Michael Schwartz, Westfälische Wilhelm-Universität Münster; Albert Knoll, KZ-Gedenkstätte Dachau

Moderation: Mag. Andreas Brunner, QWIEN

Workshop 2: Politische und gesellschaftliche Dimensionen des Gedenkens

Prof.in Dr.in Stefanie Endlich, Universität der Künste Berlin; Mag.a Martina Taig, KÖR Kunst im öffentlichen Raum Wien

Moderation: Mag. Hannes Sulzenbacher, QWIEN

Workshop 3: Die Bedeutung des Gedenkens für die LGBT-Community

Andreas Pretzel, Dipl. rer cult, Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft Berlin; Mag. Kurt Krickler, HOSI Wien; Dr.in Marty Huber, Türkis Rosa Lila Tipp

Moderation: Mag. Wolfgang Wilhelm, WASt

Workshop 4: Ästhetische Dimensionen des Gedenkens

Dr.in Corinna Tomberger, Humboldt-Universität zu Berlin; Jakob Lena Knebl, Wien

Moderation: Dr.in Ines Rieder, QWIEN

16.30 Pause

16.45 Berichte aus den Workshops und Resümee

17.30 Ende

Verbindliche Anmeldung unter Tel. +43 1 4000 81449 oder Mail: wast@gif.wien.gv.at

Die Teilnahme an der Konferenz ist kostenfrei.

Mit der Teilnahme an der Veranstaltung stimmen Sie der Veröffentlichung von Fotos, Film- und Tonaufnahmen, die im Rahmen der

Veranstaltung entstehen, ausdrücklich zu.

Beim Zugang in das Palais Epstein weisen Sie bitte die Anmeldebestätigung sowie einen amtlichen Lichtbildausweis vor.

 

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