Die blaue Brosche
16. August 2014 – 13:32 | Kein Kommentar

Der Restaurator und Künstler Max Kübeck hat seine Familiengeschichte großteils nach Dokumenten mit romanhaften Passagen geschrieben und gibt dabei tiefe Einblicke in die Geschichte Österreichs. Andreas Brunner hat es gelesen.
Zugegeben, man muss schon ein gewisses …

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Homophobie bekämpfen
6. Oktober 2014 – 20:24 | Kein Kommentar

Die Schule hat in der Bekämpfung von Homophobie eine wichtige Funktion. Ein Sammelband stellt Aufsätze zur theoretischen Forschung und aktuellen Diskursen vor. Johanna Taufner hat Combatting Homophobia gelesen.

      Weltweit gibt es ein breites rechtliches Spektrum, welches sich auf das Leben von Lesben, Bisexuellen und Schwulen bezieht. Während auf der einen Seite mehr als 80 Länder Homosexualität (vorwiegend unter Männern) unter Strafe stellen, werden in den restlichen Ländern Gesetze erlassen, die Homosexualität nicht nur legalisieren, sondern auch LGBTs mittels Antidiskriminierungsgesetzen zumindest rechtlich vor Ausgrenzung schützen. Gesetzestext und gelebter Alltag liegen aber oftmals weit auseinander. Trotz formaler Gleichstellung, werden  LGBTs häufig Opfer von homophober Gewalt. Mit diesem Tatbestand beschäftigt sich die englischsprachige Publikation  Combatting Homophobia. Länder, die zwar rechtlich eine Gleichstellung garantieren, realpolitisch aber noch weit einer echten Akzeptanz hinterherhinken, werden zum Gegenstand der vorliegenden Beiträge. Hierbei werden nicht nur die unterschiedlichen Gesichter von Homophobie beleuchtet, sondern auch Projekte vorgestellt, die sich für die Gleichbehandlung von LGBTs einsetzen. Dadurch veranschaulicht Combatting Homophobia, dass Gesetze alleine noch lange keinen gesellschaftlichen Wandel auslösen, sondern es staatlicher- und zivilgesellschaftlicher Interventionen braucht, die auf unterschiedlichen gesellschaftlichen Ebenen ansetzen, und wissenschaftlicher Forschungsarbeit bedarf, um einen Paradigmenwechsel voranzutreiben.

Der transdisziplinäre Ansatz von Combatting Homophobia ermöglicht es theoretische Forschung und wissenschaftliche Diskurse ebenso wie praktische Arbeiten und Zugänge im Feld zu veranschaulichen. Letzteres wird vor allem im ersten Teil des Buches, education, dargelegt, der sich mit dem Bildungswesen auseinandersetzt und unterschiedliche Strategien einzelner Organisationen und verschiedener Länder (Frankreich, Kanada, Deutschland und Schweiz) präsentiert. Der Schwerpunkt dieser Projekte liegt in der Sensibilisierung von Jugendlichen und Lehrer_innen. So auch Raphael Bak und Benjamin Kinkel in ihrem Beitrag zu SchLAu NRW, dem Projekt für Schwul-Lesbische Aufklärung in Nordrhein-Westfalen. Mit ihrem Awareness-Programm geht SchLAu direkt in die Schulen, um Jugendliche zu sensibilisieren. LGBTs arbeiten unmittelbar mit den Schüler_innen und geben ihnen Raum, der es ermöglicht Fragen zu stellen, Vorurteile und festgesetzte Geschlechterrollen zu hinterfragen und offene Diskussionen zu führen, aber auch um LGB-Jugendlichen die Angst zu nehmen und ihr Selbstwertgefühl zu stärken. Die Schulinterventionen von SchLAu NRW helfen dadurch nicht nur den einzelnen LGB-Schüler_innen und -Lehrer_innen, sie tragen auch erfahrungsgemäß zu einem angenehmeren Klassenklima und einem sensibleren Umgang mit Sexismus und Homophobie bei.

In social science, dem zweiten Teil von Combatting Homophobia wird Homophobie vorrangig aus sozialwissenschaftlicher Sicht beleuchtet. Josefine Paul macht sich in ihrem Beitrag Can gays kick a ball? On homophobia in soccer auf die Suche nach den Ursachen von Homophobie im Fußball und findet dabei eine Erklärung im hegemonialen Männlichkeitsbild, welches eng mit der Geschichte des Fußball verknüpft ist. Um dies zu erläutern stellt sie zwei scheinbar getrennte Bereiche gegenüber: Fußball und Frauenfußball. Während ersteres als Ort beschrieben wird, an dem männliche Identitäten hegemonial konstruiert werden, bleibt Frauenfußball als „verweichlichte“ Sonderform dieser Sportart auf der Strecke. Der Artikel bespricht, warum schwule Fußballer, die ein Doppelleben mit Frau und Kind führen, ebenso alltäglich sind wie Schwulenwitze und ein homophober Sprachgebrauch in den Kabinen und auf dem Spielfeld, während gleichzeitig homoerotische Liebeleien wie der Klaps auf den Hintern oder das gegenseitige Küssen auf die Stirn völlig offen auf dem Rasen praktiziert werden. 

Welchen Beitrag die Wissenschaft zum Erhalt latenter Ressentiments beiträgt, gehen hingegen Thomas Viola Rieske und Rufus Sona in ihrem Beitrag auf dem Grund, der sich intensiv mit der viel rezipierten Studie von Bernd Simon aus dem Jahre 2008 – kurz Simon-Studie – befasst, die den verbreiteten Glauben stützt, dass Jugendliche mit Migrationshintergrund, hauptsächlich Muslim_innen,  qua Herkunft homophober als sogenannte „Deutsche“ sind. Vor allem der reduktionistische und deterministische Blick auf Muslim_innen, der sich vom Erstellen des Forschungsdesigns bis hin zur Interpretation der Ergebnisse zieht, wird hierbei penibel entlarvt und zusammengefasst: „Arab and Turkish migrants are depicted as shaped only by one distinct set of cultural rules and as unable to reflect on them (unless aided by non-Muslim Europeans). In consequence, they are exposed to a life-long suspicion of a lack of civility, enlightment, and secularization.“

Humanities, der letzte Teil des Buches, geht nochmals einen Schritt zurück und stellt allgemeine Fragen zur Ursache von Homophobie und inwiefern eine Anti-Diskriminierende Haltung ein zentraler Wert von citizenship ist. Auch das Thema Religion wird noch einmal aufgerollt, wenn Michael Brinkschröder theologische Alternativen darlegt, die zeigen sollen, dass christlicher Glaube nicht essentiell mit Homophobie Hand in Hand gehen muss.

Zusammengefasst kann gesagt werden, dass der wichtigste Beitrag, den Combatting Homophobia liefert, ist,dass einerseits Forschungslücken aufzeigt werden, andererseits verdeutlicht wird, dass es Initiativen vieler Akteur_innen auf unterschiedlichen Ebenen bedarf, um gezielt gegen Homophobie in unserer Gesellschaft anzukämpfen. Dadurch erhebt das Buch allerdings auch den Anspruch ein großes Themenspektrum abzudecken, wodurch es an vielen Stellen zu kurz greift. So wäre es interessant gewesen die Schulprojekte, die aus den Ländern Schweiz, Frankreich und Deutschland vorgestellt wurden, zu vergleichen, um für zukünftige Initiativen neue Strategien entwickeln zu können, aber auch Projekte anzusehen, die bereits im Vorschul- oder Kindergartenalter ansetzten (wenn es solche überhaupt gibt). Zuletzt wäre ein Beitrag, der auch Homophobie im Judentum und anderen Glaubensgemeinschaften bespricht, neben den Artikeln über den Islam und das Christentum, ergänzend sinnvoll gewesen.

Dennoch kann durch die Breite des Themenfeldes Combatting Homophobia ein hilfreiches Buch für all jene sein, die im Bildungsbereich oder mit jungen Menschen arbeiten. Denn gerade Kinder und Jugendliche, die in einem heteronormativen Umfeld aufwachsen und ihre Homosexualität entdecken, sind oftmals auf sich selbst gestellt. Projekte, die in dieser  Phase ansetzen, können diesen Jugendlichen Raum geben, damit sie ihr Selbstbewusstsein entwickeln können und sich in ihrem Körper, auf der Suche nach dem eigenen „Ich“, wohlfühlen.

Michael Groneberg/Christian Funke (Hrsg): Combatting Homophobia. Experiences and Analyses Pertinent to Education. Berlin/Münster/Wien: LIT 2011, erhältlich bei Löwenherz
Kreuzfahrtsspaß
26. August 2014 – 21:12 | Kein Kommentar
Kreuzfahrtsspaß

Ein schwuler Journalist hat über seine erste schwule Kreuzfahrt ein Buch geschrieben. Manuela Bauer hat es gelesen.
Ein Kreuzfahrtschiff. 3000 schwule Männer. Frei nach dem Motto „Endless Fun. Your Way“ bricht die Splendor zu einer einwöchigen Non-Stop-Party-Reise …

Das Regenbogen-Experiment
19. August 2014 – 11:15 | Kein Kommentar
Das Regenbogen-Experiment

Mit Das Regenbogen-Experiment. Sind Schwule und Lesben die besseren Eltern?, legt Katja Irle einen soliden und schnellen Einstieg für alle, die mehr über  Regenbogenfamilien wissen wollen, vor.  Johanna Taufner hat das Buch für QWIEN gelesen.
In …

Unser Aids: gestern – heute – morgen
16. August 2014 – 14:43 | Kein Kommentar
Unser Aids: gestern – heute – morgen

Vor dem Sommer startete QWIEN das Webprojekt www.unseraids.at. Ab Herbst wollen wir die Website regelmäßig mit aktuellen und historischen Beiträgen über HIV/Aids in Österreich füllen. Dazu plant QWIEN eine lose Veranstaltungsreihe unter dem Motto Unser …

Die blaue Brosche
16. August 2014 – 13:32 | Kein Kommentar
Die blaue Brosche

Der Restaurator und Künstler Max Kübeck hat seine Familiengeschichte großteils nach Dokumenten mit romanhaften Passagen geschrieben und gibt dabei tiefe Einblicke in die Geschichte Österreichs. Andreas Brunner hat es gelesen.
Zugegeben, man muss schon ein gewisses …

Kino/Macht/Männer
17. Juni 2014 – 11:27 | Kein Kommentar
Kino/Macht/Männer

Podiumsdiskussion: Kino/Macht/Männer
Repräsentationen von Männlichkeiten im deutschsprachigen Kino 1945–2000
Die Podiumsdiskussion nimmt zwei Bucherscheinungen von Maria Fritsche und Christopher Treiblmayr zum Thema Männlichkeiten im Film zum Anlass, um zu diskutieren, wie das Kino an der Konstruktion von …

10 Jahre agpro-Forschungspreis
18. Mai 2014 – 14:17 | Kein Kommentar
10 Jahre agpro-Forschungspreis

Im Jubiläumsjahr des agpro-Forschungspreises stehen 14.000 EURO an Preisgeldern zur Verfügung. Die Einreichungsfrist für Arbeiten zu Homosexualität läuft noch bis 30. Juni 2014.
Seit 2004 vergeben die austrian gay professionals (agpro) den agpro-Forschungspreis an Studierende und …

»Einen Spiegel hast gefunden, der in allem Dich reflectirt«
13. Mai 2014 – 11:12 | Kein Kommentar
»Einen Spiegel hast gefunden, der in allem Dich reflectirt«

Briefe an Graf Louis Batthyány Szent-Ivanyi 1802-1803. Vortrag zur Edition des Briefwechsels von André Weibel
Johannes von Müllers Briefe an den fiktiven Grafen Luis Batthyány gehören zu den frühesten Zeugnissen einer sich entwickelnden “homosexuellen Identiät”. In …

Präsentation “Unser Aids”
13. Mai 2014 – 11:01 | Kein Kommentar
Präsentation “Unser Aids”

Aids geht uns alle an. Unser Aids gibt es seit mehr als dreißig Jahren und es hat sich in diesen Jahren sehr verändert. Diesen Veränderungen möchte das Zentrum QWIEN nachspüren und Aids damit auch wieder …

Mauthausen neu
15. April 2014 – 11:05 | Kein Kommentar
Mauthausen neu

Der Katalog zum neuen Ausstellungskonzept im Konzentrationslager Mauthausen ist für Lesben und Schwule wenig ergiebig.
Anlässlich der Neuaufstellung der Ausstellungen in der Gedenkstätte des Konzentrationslagers Mauthausen im Jahr 2013 wurde ein umfangreicher Katalog erstellt, der Konzept …

Schulgeschichte(n)
14. April 2014 – 09:39 | Kein Kommentar
Schulgeschichte(n)

Eine neue Biografie zur Familie Mann erhellt schulische Zusammenhänge. Ines Rieder hat das Buch von Manfred Kappeler gelesen.
Die Biografien der Mitglieder der Familie sind im Laufe des letzten halben Jahrhunderts ausgiebig und detailliert geschrieben worden. …