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QWIEN archiv

Ansprechpartner: Hannes Sulzenbacher
E-Mail: archiv [at] qwien [punkt] at

Nach der Ausstellung „geheimsache:leben“ sollte das umfangreiche dafür recherchierte und gesammelte Material auch weiterhin der Forschung zur Verfügung stehen, weshalb Andreas Brunner und Hannes Sulzenbacher u.a. auf Anregung von Kulturstadtrat Andreas Maillath-Pokorny ein Konzept für ein Archiv zur Geschichte von Schwulen und Lesben in Wien entwickelten.

Grundstock des Archivs sind die Materialien aus der Ausstellung und die umfangreichen privaten Sammlungen der Archivgründer, die als Dauerleihgaben eingebracht wurden. Dazu sind inzwischen eine Reihe privater Schenkungen aber auch Ankäufe gekommen. Neben wissenschaftlicher Literatur wurde 2009 ein Teilnachlass des Wiener Schriftsteller Erich Lifka angekauft. Dieser Nachlass enthält wichtige deutsch- aber auch fremdsprachige Zeitschriften zum Thema Homosexualität, die in keiner österreichischen Bibliothek zu finden sind. Es konnte unser Bestand an Ausgaben der wichtigen in den 1950/60er Jahren in der Schweiz erscheinenden Zeitschrift „Der Kreis“ ergänzt werden. Der Nachlass Lifkas enthielt auch fast vollständige Jahrgänge populärer deutschsprachigen Magazine aus den 1970er Jahren (Du & Ich, Don, Him-Applause), die auch regelmäßig Berichte über Österreich brachten und eine wichtige Quelle über diese Jahre darstellen.

2008 und 2009 konnte auch die Infrastruktur für den Betrieb eines Archivs aufgebaut werden. Ein Computernetzwerk und das Archivprogramm Faust wurden angekauft und installiert. Der Archivraum konnte mit bestandsorientierten Regalen ausgestattet werden, säurefreie Archivboxen für die Lagerung von Zeitschriften und Dokumenten wurde angekauft. 2010 wurde auch eine Alarm- und Brandmeldeanlage installiert.

Ein großes und wichtiges Projekt konnten wir 2009 mit Unterstützung und in Zusammenarbeit mit den Grünen andersrum umsetzen: Stonewall in Wien. In einem großformatigen Heft wurde ein Überblick über die österreichische Schwulen- und Lesbenbewegung seit 1945 gegeben, die auf Forschungen in den eigenen Archivbeständen beruhen. Gemeinsam mit dem TV-Magazin queer lounge auf OKTO wurden 23 Interviews mit Zeitzeug/inn/en der schwul/lesbischen Bewegung aus unterschiedlichen Generationen geführt. Von Rudy Stoiber (ORF-Korrespondent in New York in der Zeit der Stonewall Roits, die als Geburtsstunde der neuen Schwulen- und Lesbenbewegung gelten, und selbst offen homosexuell) über Menschen, die noch die polizeiliche Repression in der Verbotszeit bis 1971 erlebt haben, wie Günter Tolar und Friedmann Hoflehner, bis zu Aktivist/inn/en der 2000er Jahre spannt sich der Bogen. Kurzfassungen der Interviews wurden zu einem 2-stündigen Film zusammengestellt, der mehrmals im Kino präsentiert wurde. 2011 werden die Kurzfilme auch auf der Website von QWIEN online gestellt. Die Langfassungen (bis zu 90 Minuten) werden für die Forschung im Zentrum QWIEN archiviert.

Im Jahr 2010 konnten auch erstmals Forscher/innen die Materialien des Archivs einsehen und zum Teil benutzen. Hinzu kamen Besuche internationaler Forscher/innen, die sich über die Arbeitsmöglichkeiten und die Bestände des QWIEN archiv kundig machten.

Seit 2010 erfolgt die Aufarbeitung des Zeitschriftenarchivs und die Erschließung Wien relevanter Beiträge, die in diesen Zeitschriften enthalten sind. Viele der historischen Zeitschriften (Der Kreis, Der Weg, Du & Ich, Him, etc.) enthalten Meldungen und Beiträge über das schwul/lesbische Leben in Wien (vor allem in der Verbotszeit bis 1971), die für die Forschung eine wichtige Quelle darstellen.

Aufarbeitung des Bestandes von Erick Lifka, wobei der Schwerpunkt auf den Zeitschriften und den Manuskripten des Schriftstellers liegt. Sollte es gelingen, einen weiteren Nachlassteil Lifkas, der zur Zeit von einem Wiener Antiquariat angeboten wird, zu erwerben, kann die Lifka-Sammlung mit Fotos aus seinem Besitz ergänzt werden.

Ergänzung und Ausbau unserer Bibliotheksbestände durch Erwerb bzw. Tausch mit anderen schwul/lesbischen Archiven.