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QWIEN studies

Ansprechpartner: Joachim Losehand
E-Mail: studies [at] qwien [punkt] at

Das Zentrum QWIEN versteht sich auch als Plattform, die wissenschaftliche Projekte von fachlich Qualifizierten und sachlich Interessierten unterstützt.

So konnten im Jahr 2010 erste Projekte umgesetzt werden. Neben der Fortführung des vom Nationalfonds für die Opfer des Nationalsozialismus geförderten Forschungsprojekts Verdrängtes Unrecht, mit Schwerpunkt der Recherche homosexueller Opfer des Nationalsozialismus in der Bezirken vier bis sechs, konnten einige andere Projekte begonnen werden. Erste Ergebnisse dieser Forschungen wurden auch in den beiden Führungen zum schwul/lesbischen Leben rund um den Naschmarkt öffentlich präsentiert.

QWIEN studies lädt alle Interessierten ein, sich mit einem Forschungsprojekt zu einem queeren Thema in die wissenschaftliche Arbeit von QWIEN studies einzubringen. Bitte nehmen Sie Kontakt mit uns auf!

Im Bereich Forschung wurde das bis heute laufende Projekt „Verdrängtes Unrecht. Die Verfolgung von Schwulen und Lesben im Wien des Nationalsozialismus“ initiiert. 2008/09 wurden erste Ergebnisse der Forschungen mit einem umfangreichen Folder als Stadtspaziergang durch den 1. und 9. Bezirk vorgestellt. Zwischenergebnisse zu den Recherchen in den Bezirken rund um den Naschmarkt (4.-6.) wurden in den Führungen „Schwul/lesbisches Leben im Wien der Zwischenkriegszeit“ und „Schwul/lesbisches Leben rund um den Naschmarkt“ der Öffentlichkeit präsentiert. Das Projekt „Verdrängtes Unrecht“ wurde teilweise vom Nationalfonds für die Opfer des Nationalsozialismus gefördert.

„Wenn die Conny mit der Petra…“

Aspekte lesbischen Lebens in den 50er Jahren (Vortrag und Podiumsgespräch)

Projekt von Stefanie van Felten, gefördert aus dem Queeren Kleinprojektetopf der MA17

Lesbisches Leben in den 50er Jahren in Österreich ist nach wie vor ein weitgehend unerforschtes Gebiet. Schriftliches, bildliches oder auch mündliches Quellenmaterial gibt es nur sehr spärlich. Die gesellschaftlichen Verhältnisse in der Wiederaufbauzeit reduzierte die Frau auf ihre Rolle als Ehefrau und Mutter. Die heterosexuelle Norm und die Dominanz der Männer in der Öffentlichkeit waren trotz des Frauenüberschusses prägend. Erschreckend war die strafrechtliche Situation für Homosexuelle: Auch wenn Männer stärker betroffen waren als Frauen, in der neugegründeten Republik galt der gleiche Strafrechtsparagraph (§129b StGB) wie im diktatorischen NS-Staat. Beengende Verhältnisse, unter denen es schwierig war, für frauenliebende Frauen eine eigene Identität zu finden.

Wie war der Alltag von Frauenbeziehungen? Welche Auswirkungen hatte dieses Frauenbild auf das Verhalten der Gesellschaft gegenüber Frauenpartnerschaften? Welche sexualwissenschaftlichen Auffassungen bestimmten diese Jahre? Warum erfahren wir heute so wenig von dieser Zeit?

Fragen, die in dieser Veranstaltung beantwortet oder diskutiert werden: Im Einführungsvortrag wird ein Blick auf die Situation in Deutschland geworfen. Für die anschließende Podiumsdiskussion werden Vertreterinnen aus Österreich eingeladen, die wissenschaftlich oder künstlerisch über die 50er Jahre arbeiten.

Eingangsvortrag: Kirsten Plötz (D)
Am Podium: Ines Rieder (A), Katharina Miko (A), Heidi Niederkofler (A),
Moderation: Irene Brickner
Termin: 17. November, Das Gugg (Wien)

Kongressteilnahme

– Sara Ablinger nahm im Auftrag von QWIEN am Kongress „Inklusive Leidenschaft: Lesben, Schwule, transgeschlechtliche Menschen mit Behinderung“ teil, der am 21. und 22. September in Berlin stattfand. Die Tagungsunterlagen und darüber hinausgehende Informationsmaterialien ergänzen die Bestände des QWIEN Archivs.

– Joachim Losehand nahm an der Konferenz „Tabu² – Gewalt in gleichgeschlechtlichen Beziehungen“ am 16. November 2010 im Wiener Rathaus teil.

– Andreas Brunner, Joachim Losehand und Hannes Sulzenbacher nahmen an der Fachtagung „Sexuelle Welten – Vielfalt Leben! 10 Jahre Courage, 30 Jahre ÖGS“ am 3. und 4. Dezember in Wien teil.

Einreichungen Queerer Kleinprojektetopf

– Veranstaltungsreihe mit Filmvorführungen und Podiumsdiskussionen unter dem Titel „„Queer Bodies I – Körper abseits der Norm“ von Sara Ablinger

– Projekt einer wissenschaftlichen Kommunikationsplattform im Internet (web 2.0) durch Joachim Losehand

„Gewalt unter männlichen Homosexuelen“ (Forschungsgruppe)

Es gibt im Gegensatz zu lesbischen Beziehungen weltweit kaum Untersuchungen zum Thema von Gewalt in schwulen Beziehungen. Zentrum QWIEN startete im November 2010 ein Projekt, das vorerst einmal Expert/inn/en aus dem deutschsprachigen Raum an einen Tisch bringen soll, um die Diskussion und wissenschaftliche Forschung zu diesem Thema anzuregen und zu unterstützen.

Koordination: Joachim Losehand

Zusammenarbeit mit agpro – Austrian Gay Professionals

Die agpro vergibt jährlich Förderpreise für wissenschaftliche Arbeiten zum Thema Homosexualität vergeben. Seit letztem Jahr besteht eine Kooperation zwischen agpro und QWIEN, sodass alle eingereichten Arbeiten dem Archiv übergeben werden, damit sie in Zukunft für die Wissenschaft zur Verfügung stehen. So ist es auch möglich wichtige Arbeiten zum Thema aus dem deutschsprachigen Raum, die sonst nur in deutschen oder schweizer Bibliotheken zugänglich wären, der Forschung in Österreich leichter zugänglich zu machen.

Publikationen

Andreas Brunner: Paul Pichier – Eine biografische Notiz
Andreas Brunner: Der Rosa Platz bleibt trocken
beide in: Invertito – Jahrbuch für die Geschichte der Homosexualitäten, Jg. 12, 2010

Vorträge

– Vorträge von Hannes Sulzenbacher über die Verfolgung schwuler Männer im Nationalsozialismus im Stadtarchiv Bolzano/Bozen, Südtirol
Termin: 30. März

– Vortrag Andreas Brunner bei der Tagung der GAY COPS AUSTRIA über die Geschichte der Verfolgung homosexuelle Männer in Österreich
Termin: 2. Juli

– Vortrag Andreas Brunner „Queere Geschichtsschreibung anhand des Beispiels Prinz Eugen
Grüne Bildungswerkstatt
Termin: 25. November

2011

Fortsetzung der Arbeit am Projekt Verdrängtes Unrecht. Die Verfolgung von Schwulen und Lesben im Wien des Nationalsozialismus. Erste Forschungen und deren Präsentation in Stadtspaziergängen und Broschüren wurden vom Nationalfonds für die Opfer des Nationalsozialismus gefördert. Wir setzen unsere Forschungen vornehmlich im WStLA fort mit dem Ziel der Erforschung aller schwulen und lesbischen Opfer des Nationalsozialismus in Wien. Im Jahr 2011 sollen alle Bezirke innerhalb des Gürtels aufgearbeitet werden. Zwischenergebnisse dieser Forschungen werden in Stadtspaziergängen der Öffentlichkeit in einer leicht zugänglichen Form präsentiert.

Inhaltliche Mitarbeit an einem Gedenksteinprojekt im 4. Bezirk. Im Herbst 2010 wurde auf der Wieden der Verein Gedenkräume Wieden gegründet. Dieser setzt sich zur Aufgabe, die Geschichte der verfolgten jüdischen Bevölkerung, aber auch von Schwulen und Lesben, Roma und Sinti und politisch Verfolgter im Stadtraum durch geeignete Präsentationen sichtbar zu machen. Dabei wird einerseits auf bereits bestehende Gedenksteinprojekte in anderen Bezirken Bezug genommen, andererseits sollten auch andere ästhetische Präsentationsformen entwickelt werden, die dem einzelnen Projekt adäquat sind. Das Zentrum QWIEN wird dabei auf seine umfangreichen regionalgeschichtlichen Forschungen aber auch auf die über die Verfolgung von Schwulen und Lesben im Nationalsozialismus zurückgreifen.

Vorbereitung einer Lehrveranstaltung am Institut für Wirtschafts- und Sozialgeschichte im Zusammenarbeit mit Franz X. Eder. Das genaue Thema für diese Lehrveranstaltung muss erst entwickelt werden, es soll aber die Arbeit des Zentrum QWIEN Ausgangspunkt dafür sein.

Das Zentrum QWIEN unterstützt weiterhin junge Wissenschaftler/innen bei der Umsetzung von Projekten, die aus dem Queeren Kleinprojektetopf der MA13 gefördert werden, wir stellen Infrastruktur und Know-How bei der Umsetzung zur Verfügung. Zur Zeit sind es das bereits laufende Projekt von Stefanie van Felten über lesbische Frauen in den 1950er Jahren und die beiden eingereichten Projekte von Sara Ablinger und Joachim Losehand.