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Stonewall in Wien – die 1970er: Helga Pankratz

Verfasst von am 26. November 2012 – 11:58Kein Kommentar

Wie kamst du in die Wiener Frauenszene?

Mein Coming-out hab ich sehr alleine gehabt. Ich bin mir seit dem Alter von 12 Jahren bewusst, dass ich lesbisch bin und wie das heißt und was das ist. Ich bin in Wiener Neustadt aufgewachsen, was eine Kleinstadt ist und kannte keine Lesbe außer mir selber und das sehr lang. Und ich bin mit dadurch, dass ich gewusst habe, dass ich lesbisch bin, motiviert gewesen, studieren zu wollen und nach Wien zu wollen.

Wie fandest du dann andere Lesben und Schwule?

Also zu der Zeit, wo ich die Frauenszene gesucht und gefunden habe, hats die HOSI auch noch nicht gegeben, also das hat sich so parallel entwickelt, dass ich Anschluss an eine Bewegung gesucht hab, weil mir war Stonewall aus den Massenmedien durchaus ein Begriff. Und ich hab erwartet, dass ich in Wien eine Bewegung finde, die auf dem Stand von Amerika oder Deutschland ist, wie ich jung war. Dann hab ich auch die Gründung der HOSI miterlebt, ich hab‘ – wie soll ich sagen – den Falter gelesen, der ja auch ganz frisch war, und da die Annoncen, wie sich die HOSI zusammenfand.
Und bei Lesbengruppen war es genauso: Es gab Ansätze, es gab immer wieder Lesbengruppen, die sich getroffen haben in Privatwohnungen oder im Frauenzentrum in der Tendlergasse. Das hab ich auch besucht und mir angeschaut, hab im Frauencafé immer plakatiert gesehen, wie der Kontakt zu knüpfen ist, zur Lesbengruppe. Ja, und wie die HOSI gegründet worden ist, hat mich das sehr fasziniert. Ich hab dann über die zweite Nummer der Lambda-Nachrichten, die ist mir in die Hände gekommen, weil ich am Reumannplatz am Info-Stand war, davon erfahren. Da war gleichzeitig ein großes österreichisches Lesbentreffen im Amerlinghaus. Das erste große, das hab ich auch besucht. Und eigentlich konnte man sehr viel erfahren, alle waren interessiert, an allem was es gibt.

Dennoch hast du dich zur Gründung einer eigenen Lesbengruppe in der HOSI entschlossen?

Für mich war es eigentlich selbstverständlich, dass ich auch Lambda-Nachrichten lese und mit der HOSI kommuniziere – die war aber halt ein Männerverein. Und irgendwann hat mich der Männerverein eingeladen, weil ich so oft Leserinnenbriefe schrieb, und so oft reagierte, auf Sachen, die in den Lambda gestanden sind, dass sie gesagt haben „Komm einmal! Treffen wir uns einmal. Was möchtest du denn?“ Und ich wollte Kontakt zu anderen Frauen, die Kontakt zur Hosi haben oder suchen. Und dann war es der Kurt Krickler, mit dem meine Freundin und ich intensiver gesprochen haben und der gesagt hat. „Wollt’s nicht vielleicht eine Lesbengruppe bei uns aufmachen?“ Wir hatten versucht zu überlegen, wie es denn möglich sein könnte, in diesem Männerverein aktiv zu werden. Und die Idee war sehr gut. Wir waren ja integriert, ich war Stammgästin im Frauencafé, ich hab die Zeitschrift AUF gelesen und alle großen Frauen der feministischen Bewegung gut gekannt und mit ihnen gesprochen. Wir haben sogar auf einem großen Frauenfest, das die Frauenbuchhandlung organisiert hatte, Flyer ausgeteilt mit Einladungen zur ersten Lesbengruppe. Ohne das hätten wir ja die Frauen gar nicht gefunden, die zu uns in die HOSI kommen.

Nicht zuletzt dank deiner Mitwirkung war ja die Lesbenbewegung sowohl Teil der gemeinsamen Homosexuellenbewegung als auch Teil der Frauenbewegung.

Das war ja vermutlich nicht ganz friktionsfrei. Man kann natürlich nicht sagen, die ganze Frauenbewegung war so oder so eingestellt oder umgekehrt. Ich glaub aus meiner jetzigen Perspektive, dass sich diese Konflikte ja sehr oft innerhalb der Personen abspielen. Ich bin unverbrüchlich Feministin und wenn ich einen Sexismus von den schwulen Schwestern wahrnehme, dann kann ich das nicht einfach so hinnehmen. Nur meines und das von den Frauen, die es ähnlich gemacht haben wie ich, war es, nicht fernzubleiben oder dann auszutreten, sondern den Konflikt zu suchen, aber auch die Verständigung. Und es war so – ich krieg das jetzt nachträglich öfter noch erzählt, es haben sich die schwulen Männer in der HOSI wirklich gefürchtet vor uns, einfach, weil wir uns nicht immer alles haben bieten lassen, weil wir gesagt haben, „Na, hoppla! Moment, so!“. Und es war ein Lernprozess, ich glaub, die Männer haben sehr viel mehr zum Lernen gehabt.

Alle Interviews von „Stonewall in Wien“: <http://www.qwien.at/stonewallinwien/>

[Permalink: <http://www.qwien.at/stonewallinwien/h_pankratz>]

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