Ein Nachmittag mit Hans Scheugl

Porträt einer Person mit Sonnenbrille und Lederjacke, nachdenklicher Ausdruck, Nachmittag.

Setfoto Hans Scheugl Miliz in der Früh (1966)

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Der Grandseigneur des österreichischen Avantgardefilms ist Hans Scheugl bei Qwien zu Gast. Bei SAMSTAGS UM 4 wie immer mit Kaffee und Kuchen – und diesmal auch mit einem Film.

Mit seinen Filmen Dear John, Prince of Peace und ganz besonders Sugar Daddies gehört Hans Scheugl zu den Wegbereitern des queeren Avantgardefilms in Österreich. Für Sugar Daddies filmte er 1968 (!) Männer in öffentlichen Bedürfnisanstalten – in schwulem Kontext in Wien als Logen bekannt. Der Film wurde auch in einer Loge aufgeführt, projiziert auf die Kacheln der Klowand – ein performativer Akt, bis die Polizei ihm Einhalt geboten hat.

Bevor das Filmarchiv Austria zwischen  26. März bis 7. April im Metro Kino eine Retrospektive seiner Filme zeigt, präsentiert sich Hans Scheugl bei Qwien als Autor. Neben bahnbrechenden Werken zur Sexualitätsgeschichte des Films publizierte er auch beachtliche belletristische Bücher. Sein zunächst anonym erschienener autobiografischer Roman Belmen O über eine schwule Sozialisation in den 1960er und 1970er Jahren zählt heute zu den zentralen Zeugnisse schwuler Literatur aus  Österreich.

Seine 2024 erschienene Autobiografie Von fremden Vätern liest sich auch als Bildungsroman, als éducation sentimentale im besten Sinn des Wortes, eines Mannes, der in die Wirren des 2. Weltkriegs hineingeboren wurde und als Künstler und Schwuler sich in der Welt zu verorten versucht. Die Absenz des leiblichen Vaters lässt ihn fremde Väter suchen, die er in der Kunst- und Kulturgeschichte aber auch in der schwulen Vergangenheit findet. Dieser Biografie einer intellektuellen Bildung ist die Suche eines schwulen Mannes nach seinem Selbst eingeschrieben.

Wie schwer es war, zeigen auch seine Erinnerungen an die Ausschlüsse, die er erfahren hat. Die geheimen Codes für heimlichen Sex an verborgenen Orten hatte er schon früh gelernt, aber er musste sein sexuelles Begehren in seinem Alltag und seinem Leben als Künstler geheim halten. Die sexuelle Befreiung galt selbst in den sich aufgeklärt gebenden Kreisen der Avantgarde nicht für alle. Nicht für viele Frauen, und für Schwule schon gar nicht.

Neben Texten aus Von fremden Vätern wird Hans Scheugl auch einen Film präsentieren: The Cyclist and the Werewolf verwendete er in Ausschnitten in seinem Film Dear John. Bei Qwien wird er erstmals in seiner ganzen Länge gezeigt.

Moderation: Andreas Brunner

Eintritt frei!

Datum

14. März 2026, 16.00 Uhr

Fotos: Klever Verlag, sixpackfilms, Hans Scheugl

1120 1494 Qwien - Zentrum für queere Geschichte
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