Ein ereignisreiches Jahr
Qwien wird zum queeren Kulturzentrum

Holzbank mit "Qwien"-Schriftzug auf belebter Straße, Regenbogenflaggen im Hintergrund.

Ein ereignisreiches Jahr

… geht für uns zu Ende. Es begann in einer Baustelle und endete mit einschneidenden Kürzungen unserer Jahressubvention. Zwischen diesen beiden aufreibenden/belastenden Polen lagen aber viele freundvolle Ereignisse, an die wir uns erinnern möchten.

Die Bibliothek und die Büros von Qwien waren schon im Sommer 2024 in die neuen Räume in der Ramperstorffergasse umgezogen, das Erdgeschoß mit Veranstaltungsraum und Ausstellungshalle und der Archivraum im 1. Stock waren aber zum Jahreswechsel noch Baustellen. Brandschutztüren, Böden, Archivregale, hunderte Meter von Kabeln und der Ausbau des Computernetzwerks, Licht- und Tonanlage, die Grätzeloase vor dem Haus und das Empfangsmöbel drinnen – hunderte Details wollten noch erledigt werden, bevor wir an eine Eröffnung denken konnten.

Daneben entwickelten und entwarfen wir die ersten beiden Ausstellungen. Unsere historische Eröffnungsausstellung „Geschichte machen. Ein queeres Jahrtausend in 27 unglaublichen Objekten“ und Sabine Schwaighofers „Homo Diaries. Self-portrait & other stories“. Und wieder wurde entworfen, geplant, gebaut und gebastelt. Unsere Hausarchitekt*innen von koerdtutech, Irina Koerdt, Sanja Utech und Luciano Parodi, haben eine nachhaltige Ausstellungsarchitektur entwickelt, ein Modulsystem aus Holzkästen, die wir bei anderen Ausstellungen wiederverwenden können. Das spart Kosten und Ressourcen.

Eine Reihe von Künstler*innen, Designer*innen und Restaurator*innen haben mit viel Liebe und Knowhow die „historischen“ Objekte für unsere Ausstellung entworfen und hergestellt und Marc Damm und Gernot Preslmayer von duo haben unser neues Erscheinungsbild entworfen. Kräftige Farben und eine für uns entworfene Schrift geben uns ein unverwechselbares Outfit.

Und dann mussten wir uns auf einen Eröffnungstermin festlegen: Der 11. Juni sollte es werden. Der Eröffnung wurde durch das Schulattentat in Graz am Tag davor getrübt, während der Staatstrauer wollte auch Qwien keine große Feierzeremonie abhalten. Der offizielle Festakt zur Eröffnung fand daher erst am 2. Oktober statt.

In all dem Trubel blieb die Bibliothek ein Ruhepol, wir informierten Studierende, betreuten Praktikant*innen und fanden auch noch Zeit für wissenschaftliche Arbeiten. Ein großer Aufsatz über das Schicksal von in Wien als homosexuell verurteilten Männern im Konzentrationslager Mauthausen entstand. Hier findet ihr den Artikel zum Download: https://comments.mauthausen-memorial.org/index.php/comments/issue/view/3

Gleich nach der Eröffnung begann auch unser Veranstaltungsprogramm, das im Herbst richtig an Fahrt aufnahm: Lesungen, Vorträge, Talkformate, aber auch einen Nachmittag mit queerem Gaming, eine Lecture-Performance über den Krampus und die Aufzeichnung eines Live-Podcasts mit Ryta Tale fanden statt. Breit war das Spektrum: Trans*Geschichte, Homosexualität in der k.u.k. Armee, österreichische Literatur, die Schicksale homosexueller Männer in der NS-Zeit und von Martha Geiringer, einer lesbischen Biologin, die in der NS-Zeit verfolgt und ermordet wurde, Talks über Feminismus und die Gefahren für die Community von Rechts fanden ein interessiertes Publikum.

Apropos Rechts: Am 25. Juli trafen sich die Identitären zu ihrem jährlichen stattfindenden Treffen mit deutschen Rechten gleich in unserer Nachbarschaft und wir wurden zur potentiellen Zielscheibe. Eine Welle der Solidarität im Bezirk folgte. Ein Straßenfest direkt vor dem Vereinslokal der Identitären verdarb ihnen die Feier.

Im Oktober präsentierte im Rahmen der Foto Wien 2025 Mario Kiesenhofer seine Ausstellung AURA, ein wunderschönes Fotoprojekt, für das der Fotograf in unserem Archiv recherchierte und einzelne Objekte aus unserer Sammlung in ein besonderes Licht rückte. Weitgehend aus den Beständen unserer Sammlung bestritten wir auch die dritte Präsentation zu „40 Jahre LMC“, bei der wir die Geschichte des Wiener Motorrad- und Fetisch-Clubs erzählten.

Kurz vor Jahreswechsel wurden wir noch mit den Sparplänen der Stadt Wien konfrontiert. Unerwartet hohe Kürzungen zwingen uns nun dazu die Öffnungszeiten und das Programm für das kommende Jahr zu reduzieren. Die Ausstellungen sind ab 2.1.2026 nur noch Do 13.00-20.00 Uhr, Fr-So 13.00-18.00 Uhr, die Bibliothek weitgehend unverändert Di-Fr 10.00-18.00 Uhr geöffnet.

Nichtsdestotrotz freuen wir uns auf das neue Jahr und neue Projekte. Ein kleiner Teaser: Am 18.2.2026 eröffnet unsere große Songcontest-Ausstellung „United by Queerness“. Und auch schon fix: Am 10.1. findet SAMSTAGS UM 4 mit einer Lesung von Gunny Catell über die Radical Faeries statt, und am 21.2. wird ebenfalls im Rahmen von SAMSTAGS UM 4 der irische Autor Seán Hewitt aus seinem poetischen Coming Out Roman „Öffnet sich der Himmel“ lesen.

Wir wünschen allen Freund*innen von Qwien schöne Feiertage und einen guten Start ins neue Jahr

Das Team von Qwien

Foto: Gregor Hofbauer

1707 2560 Qwien - Zentrum für queere Geschichte
Neue Öffnungszeiten ab 2026!

Bibliothek/Archiv: Di – Fr 10.00 – 18.00 Uhr
Ausstellungen: Do 13.00 – 20.00 Uhr, Fr – So 13.00 – 18.00 Uhr

Qwien goes Winterferien:

Von 24.12.2025 – 01.01.2026 ist die Ausstellung „Geschichte machen“ geschlossen.

Die Bibliothek von Qwien ist von 23.12.2025 – 06.01.2026 geschlossen.

Wir freuen uns darauf, euch ab 02.01.2026 wieder bei uns begrüßen zu können. 🩷

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