Jess T. Dugan, Vanessa Fabbre: To Survive On This Shore. Heidelberg: Kehrer 2022. Erhältlich bei Löwenherz
Historischer Safe Space für Trans-Personen
Die Bücher Casa Susanna – The Story of the First Trans Network in the United States, 1959-1968 und To Survive on This Shore sind wertvolle Beiträge zum Bereich der Transgender Studies.
Eine Rezension von Tara Prochaska.
Isabelle Bonnet, Sophie Hackett: Casa Susanna. The Story of the First Trans Network in the United States 1959-1968. London/New York: Thames & Hudson 2024. Erhältlich bei Löwenherz
Ende der 1950er Jahre öffnete die südamerikanische Crossdresserin Susanna Valenti zusammen mit ihrer Ehefrau die Türen ihres Anwesens in New York als einen geschützten Ort, in dem Gäste durch Crossdressing und gemeinsame Aktivitäten mit ihrer Geschlechtsidentität experimentieren konnten. Die Casa Susanna wurde zu einem Wochenendtreffpunkt für Personen, welche in Sicherheit und Gemeinschaft als Frauen leben wollten. Abgeschieden von der Mehrheitsgesellschaft und ihren zu dieser Zeit überwiegend konservativen und diskriminierenden Ansichten zu Geschlechterrollen und Sexualität wurde Casa Susanna zum ersten Trans Netzwerk in den Vereinigten Staaten.
Zahlreiche Photographien von Gästen des Casa Susanna geben Einblicke in eine Welt voller Queer Joy jenseits von Binaritäten. Das Buch beinhaltet zudem mehrere Titelblätter und Artikel des Magazins Transvestita, für welches Susanna Valenti auch eine Kolumne „Susanna Says“ publizierte. Der Inhalt der Zeitschrift von autobiographischen Essays über Selbstportraits bis hin zu Ratgebern zu Themen wie Kleidung und Makeup gibt Aufschluss auf ein reges Netzwerk von „Transvestiten“. Transvestia kann als soziales Netzwerk vor dem Internet verstanden werden, in welchem sich Personen, die Geschlechterkategorien aufbrachen, gegenseitig zur Seite standen und austauschten. In einem Beitrag zur hundertsten Ausgabe bezeichnet Susanna Valenti die Publikation als etwas „[…which] put colour, and light, and hope where there was nothing but drabness, fear, and despair before“.
Biografien älterer Trans*Personen
To Survive on This Shore setzt sich mit Lebensgeschichten älterer Transgender Personen auseinander. In Interviews und Portraits heben die Autor*innen damit diese oft unterrepräsentierte Gruppe hervor und setzen einen Fokus auf ihre Erfahrungen mit Geschlechtsidentitäten. Die interviewten Personen sprechen über Themen wie erste Auseinandersetzungen mit der eigenen Sexualität und Identität, Beziehungen, Familien, Religio und innere Kämpfe. Durch Einblicke in eine große Bandbreite von Lebensrealitäten zeigen die Autor*innen, wie vielschichtig und divers Transgender-Erfahrungen sein können.
In beiden Publikationen steht die lebhafte, interessante Geschichte von Trans-Personen, Gemeinschaften und Aktivismus im Zentrum. Sie beleuchten verschiedene Aspekte von Identitätsfindungen und inneren und äußeren Konflikten, mit denen Trans-Personen konfrontiert werden. In beiden Büchern wird außerdem die Relevanz von Community und einem Gefühl der Zugehörigkeit deutlich.

