
Setfoto Hans Scheugl Miliz in der Früh (1966)
Ein Nachmittag mit Hans Scheugl
Der Filmemacher, Autor und Fotograf Hans Scheugl wird bei Qwien zu Gast sein. Bei SAMSTAGS UM 4 wie immer mit Kaffee und Kuchen – und diesmal auch mit einem Film.
Mit seinen Filmen Sugar Daddies, Prince of Peace und Dear John gehört Hans Scheugl zu den Wegbereitern des queeren Avantgardefilms in Österreich. Für Sugar Daddies filmte er 1968 pornografische Zeichnungen, Schriften und schwule Kontaktanzeigen von den Wänden einer Toilette in der Wiener Universität und zeigte sie wieder auf öffentlichen Toiletten, so auch auf den gekachelten Klowänden der damals großen Toilette am Wiener Westbahnhof – ein performativer Akt, der mit Polizei und Gericht endete, aber gefilmt und in den Film aufgenommen wurde.
Das Filmarchiv Austria zeigt vom 26. März bis 7. April im Metro Kino sein Gesamtwerk und eröffnet mit seinem Langfilm Was die Nacht spricht (1986), in dem die Dialoge einer der Handlungsstränge, eine Liebesgeschichte zwischen zwei Frauen, von Elfriede Jelinek geschrieben und gespielt werden.
Anlässlich der Retrospektive präsentiert sich Hans Scheugl bei Qwien als Autor. In seinem Werk Sexualität und Neurose im Film thematisierte er 1974 erstmals und bahnbrechend auch die virulente und offene Homosexualität im Film. Zwei Romane veröffentlichte Scheugl unter dem Pseudonym Belmen O. Zu Der nackte Soldat (1999) schrieb auf goodreads ein Reviewer vor zwei Jahren: „Ein bisschen bolanoesk fühle ich mich, als hätte ich ein Werk gefunden, von dem sonst niemand weiß, von einem Autor, den sonst niemand kennt – was wäre es schön, fände Der nackte Soldat 25 Jahre nach Erscheinen das Publikum, das ihm gebührt. Elfriede Jelineks Nachwort ist gewohnt klarsichtig und klug.“
Seine 2024 erschienene Autobiografie Von fremden Vätern liest sich auch als Bildungsroman, als éducation sentimentale im besten Sinn des Wortes, eines Mannes, der in die Wirren des 2. Weltkriegs hineingeboren wurde und als Künstler und Schwuler sich in der Welt zu verorten versucht. Die Absenz des leiblichen Vaters lässt ihn fremde Väter suchen, die er in der Kunst- und Kulturgeschichte und in nächster Nähe im Wien um 1900 findet. Dieser Biografie einer intellektuellen Bildung ist die Suche eines schwulen Mannes nach seinem Selbst eingeschrieben.
Neben Texten aus Von fremden Vätern zu einzelnen seiner Filme wird Hans Scheugl auch einen Film präsentieren: The Cyclist and the Werewolf ist ein Präpornofilm von 1963, der in Amerika entstand und versandt wurde. Der Film wird in Ausschnitten in dem Film Dear John verwendet. Bei Qwien wird er erstmals in seiner ganzen kurzen Länge gezeigt.
Moderation: Andreas Brunner
Eintritt frei!
Datum
14. März 2026, 16.00 Uhr







